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Cyborg oder das Lachen des Hamsters

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Cyborg oder das Lachen des Hamsters Florian Lange   Ein Mann und eine Frau stehen sich auf der Bühne gegenüber   Lautsprecher: Ich bitte um Ihre ungeteilte Aufmerksamkeit: zu Beginn wird der letzte und einzige Job der Welt für Sie exklusiv angeboten. Sie haben eine fundierte Ausbildung, besitzen Erfahrung im Auslandsgeschäft oder im Inlandsgeschäft. Besonderen Wert legen wir auf Ihr Akquisitions- und Verhandlungsgeschick, sowie auf Ihr überzeugtes Auftreten. Sie haben gute Sprachkenntnisse. Teamfähigkeit oder selbständig eigeninitiatives, verantwortungsvolles, zielorientiertes Durchsetzungsvermögen sind weitere Eigenschaften, die Sie auszeichnen. Sie arbeiten sorgfältig/akkurat ohne akribisch zu sein, auch in hektischen Situationen wirken Sie nicht leidenschaftslos. Sie sind belastbar und besitzen eine schnelle Auffassungsgabe und Sie können sich schnell in neue Aufgabengebiete einarbeiten. Haben Sie ein Hochschul- oder Fachhochschulstudium? Können Sie sich schnell in neue und umfangreiche Aufgabengebiete einarbeiten? Sind Sie in der Lage, sich auf wechselnde Gesprächspartner einzustellen? Bringen Sie überdurchschnittliches Engagement und regionale Mobilität mit? Sie zeichnen sich durch eine hohe Leistungs- und Einsatzbereitschaft aus und sind überdurchschnittlich motiviert. Sie denken unternehmerisch und sind zielorientiertes Arbeiten gewohnt. Kommunikationsstärke, Flexibilität und der Blick für das Wesentliche runden Ihre Persönlichkeit ab. Sie haben anspruchsvolle Ziele, treffen selbständig Entscheidungen und wollen Ihre Ideen verwirklichen. Sie sind aufgeschlossen, kontaktfreudig, arbeiten gerne mit Menschen, überzeugen durch ein sicheres Auftreten und eine fundierte Argumentation. Eine abwechslungsreiche und flexible Vertriebstätigkeit können Sie sich gut vorstellen. Damit Sie während Ihrer Ausbildung mobil sind, benötigen Sie einen Führerschein der Klasse B und einen Pkw oder ähnliches   Stille Sie sehen sich an   Mann: Oh mein Gott Frau: Ich kann es nicht glauben Stille Mann: Es wird sich alles verändern?! Frau: Es ist der Beginn von etwas Unvorstellbaren Mann: Das Leben, wie es war, hört mit einem Male auf Frau: Habe ich je gelebt Mann: Habe ich je gelebt Frau / Mann: Wir haben nie gelebt Mann: Aber jetzt trifft es mich wie ein Schlag Frau: Schlagartig werden mir die Augen geöffnet Mann: Jetzt kommt eins zum anderen Frau: Das ist ein Traum Mann: Es ist unwiderstehlich Frau: Ja, eine Versuchung Mann: Unmöglich Frau: Vorstellbar Mann: Unerreichbar Frau: Wahrscheinlich Mann: Unerhört Frau: Möglich Mann: Aussichtslos Frau: Scheinbar Mann: Utopisch Frau: Nicht ausgeschlossen Mann: Taktlos Frau: Ich liebe dich Mann: Ich liebe dich Frau: Nun wird mir klar, ich habe dich immer geliebt, mit allem was ich bin und allem was ich nicht bin.Du bist es: das was mir fehlt, was nicht zu erreichen ich im Stande bin.Ohne dich stehe ich an der Klippe, mit dir falle ich ohne Ende und werde doch von dir aufgefangen, obwohl mir jede deiner Heldentaten das Leben rettet, breche ich mir sämtliche Knochen, das ich unförmig bin wie ein Stück Lehm.Und doch liebe ich dich. Mann: Ich liebte dich immer, mit allem was ich bin und was ich nicht bin und nur du sein kannst.Du bist es: was mir fehlt und ich bin nicht im Stande es für mich, dich erreichen zu lassen, weil jede gereichte Hand von mir dich an die Klippe treibt und jede Umarmung dich fallen lässt ohne Ende, bis ich dich auffangen muss, und all deine Glieder brechen höre.Und obwohl ich dich zerbrechen höre und du bei mir bist wie ein Klumpen Lehm, liebe ich dich. Frau: Wie dein Auge mich mit seiner Unverletzlichkeit trifft.Du wirst es, da du mich ansahst, und mich zu dem machtest was ich nun bin, niemals abwenden.Damit ich nicht aufhöre zu sein.Denn du bist nie müde, nie schwach (dein ist das Reich) bist die Macht die mich besitzen muss, als wärest du das Maß! Doch wie schön du bist. Mann: Ich werde dich schützen vor allen anderen, befehle den Engeln dich zu behüten auf all deinen Wegen.Sie werden dich tragen auf ihren Händen, damit dein Fuß nicht an einen Stein stößt. Frau: Nur du weißt so zu verführen. Mann: Weil du unerreichbar bist, ein Traum von mir, und doch mehr als ich mir vorstellen kann. Frau: Ein Traum von dir? Mann: Ein wahres Bild einer Frau Frau: Woher willst du wissen, dass es wahr ist? Mann: Weil ich es sehe! Frau: Was siehst du?Erzähle es mir, damit ich den Durst nach mir wenigstens durch dich stillen kann. Mann: Was du willst, werde ich sehen Frau: Das ich unbefangen bin.Sexuelle Aktivität, körperliche Perfektion besitze, das ich rohe Sinnlichkeit, Furchtlosigkeit, auch Unverletzlichkeit bin, siehst du das? Mann: Ich sehe es Frau: Meine gesellschaftliche Kompetenz, mein analytisches Denken, meinen Rationalismus, meine Abenteuerlust, siehst du auch das? Mann: Ich sehe es Frau: Meinen Mut, meine Angriffslust, meinen Führungsanspruch, meine Dominanz, meine Selbstbeherrschung, meine Gefühlskälte — auch das? Mann: Ich sehe es Frau: Ich bin die Macht!   Lautsprecher: Selbständig eigeninitiatives verantwortungsvolles zielorientiertes Durchsetzungsvermögen sind weitere Eigenschaften, die Sie auszeichnen. Sie arbeiten sorgfältig/akkurat ohne akribisch zu sein, auch in hektischen Situationen wirken Sie nicht leidenschaftslos. Sie sind belastbar und besitzen eine schnelle Auffassungsgabe und Sie können sich schnell in neue Aufgabengebiete einarbeiten …   Frau: Ja Lautsprecher: Sind Sie in der Lage, sich auf wechselnde Gesprächspartner einzustellen?Bringen Sie überdurchschnittliches Engagement?Sie zeichnen sich durch eine hohe Leistungs- und Einsatzbereitschaft aus und sind überdurchschnittlich motiviert. Sie denken unternehmerisch und sind zielorientiertes Arbeiten gewohnt. Kommunikationsstärke, Flexibilität und der Blick für das Wesentliche runden Ihre Persönlichkeit ab. Sie haben anspruchsvolle Ziele, treffen selbstständig Entscheidungen und wollen Ihre Ideen verwirklichen. Frau: Ja, das will ich Lautsprecher: Sie sind aufgeschlossen, kontaktfreudig, arbeiten gerne mit Menschen, überzeugen durch ein sicheres Auftreten und eine fundierte Argumentation. Sie sind bereit, eine Führungsposition zu übernehmen? Dann ist das genau der richtige Job für Sie. Frau: Ich bin Ihr Mann Pause Während der folgenden Textpassage geht der Mann auf die Frau zu, schlägt sie in den Bauch, zieht sie an den Haaren in die Mitte der Bühne und verprügelt sie mindestens gefühlte 5 Minuten bis sie sich nicht mehr regt.   Mann: Mein ist die Kraft dein ist die Leidensfähigkeit mein ist die Kraft dein ist die Leidensfähigkeit mein ist die Kraft dein ist die Leidensfähigkeit … usw. Stille Der Mann sieht sich die Frau an Mann: Ich liebe dich Der Mann geht von

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Mortadellagesicht

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Es war einmal vor langer, langer Zeit, noch bevor Menschen oder Tiere diese Welt bevölkerten, eine Epoche – du wirst es nicht glauben –, in der es nur zwei große Länder gab. Beide waren prächtig und reich, beschenkt mit allem, was man sich in seinen kühnsten Träumen ausmalen konnte, und doch so unterschiedlich wie Tag und Nacht. Das eine Land hieß Salsicia und war das stolze Königreich der Würste; das andere Reich war Knollrania, ein nicht minder prachtvolles Königreich der Kartoffeln. Wie so oft in der Welt gab es auch damals schon Streit und Missgunst zwischen den beiden Ländern. Jedes beanspruchte die Alleinherrschaft und wollte das andere unterdrücken – denn nur das eigene sei gut und wertvoll, das andere schlecht und unwert. Über die Jahre hatten sie viele Kriege gegeneinander geführt und ihre Bevölkerung arg in Mitleidenschaft gezogen. Bei einem jener erbarmungslosen Kriege standen sich die beiden Könige unversöhnlich gegenüber: Auf der einen Seite König Fetter Zipfel mit seinem Heer aus strammen Wienern, auf der anderen Seite König Knollenwurz mit seiner Knödelarmee. Doch das Schicksal wollte es, dass keiner der Könige die Schlacht überlebte Große Ratlosigkeit machte sich in Knollrania und auch in Salsicia breit: Wie sollte es weitergehen? Beide standen ohne Herrscher da. Da alle Würste und auch alle Kartoffelgerichte nach so vielen Jahren – ach, Jahrzehnten – kriegsmüde waren und sich nach Frieden sehnten, wurden zwei Abgesandte ausgewählt, die als Unterhändler eine Lösung finden sollten. Auf der Seite der Würste war es die edle Schimmelsalami, eine gut abgehängte Gestalt von Eleganz und Würde mit bereits weißer Pelle; auf der anderen Seite wurde Señor Kartoffelkloß ausgesandt, ein stattlicher Klops mit natürlicher Autorität. Sie verhandelten drei Tage und drei Nächte lang. Am Morgen des vierten Tages traten sie gemeinsam vor die versammelte Gemeinschaft der edlen Würste und Kartoffelgerichte und verkündeten, dass ein Wettstreit der Köstlichkeiten endlich nach Jahren den Frieden bringen sollte. Würste und Kartoffelgerichte sollten sich zusammentun, und jene, die die beste und delikateste Kombination kreieren konnten, sollten künftig gemeinsam über ein vereintes Land herrschen. Ein Raunen ging durch das Volk der Würste und der Kartoffelgerichte, gefolgt von einer langen Stille – und dann brach ein Jubel los, wie man ihn schon lange nicht gehört hatte. Die Kunde wurde von Boten durch beide Länder getragen, denn jeder durfte daran teilnehmen. In jedem Dorf und in jeder Stadt im Wurstland machten sich die edelsten und köstlichsten Würste bereit. Als sich alle Bewerberinnen aufstellten, waren nur die schönsten und längsten Wurstwaren vertreten: Die stolze Lyoner mit ihrer glatten, glänzenden Haut, die elegante Krakauer mit ihrem rauchigen Duft, die feurige Chorizo mit scharfer Note und spanischem Temperament, die zarte Weißwurst, traditionell und fein, die pfeffrige Teewurst, klein, aber würzig, und die majestätische Blutwurst, geheimnisvoll und tiefrot. Am Ende der Reihe jedoch stand eine kleine, kompakte und lustige Wurst mit einem so runden Gesicht, dass sie von allen nur Mortadellagesicht genannt wurde. Ein Raunen und Kichern ging durch die Menge. Alle Würste versuchten ihr das Vorhaben auszureden. Die stolze Lyoner legte ihr sanft die Hand auf die Schulter: „Liebes Kind, du bist so rund und weich. Lass die langen und eleganten Würste den Ruhm ernten.“ Die Chorizo schnaubte mit funkelnden Augen: „Dieses Turnier ist nichts für ein fettes Mortadellalachen. Bleib in deiner Pelle“ Die Weißwurst seufzte freundlich: „Wir wollen dich nicht verlieren, bleib doch hier und sing uns Lieder.“ Auch die Blutwurst raunte: „Die Welt wird dich auslachen. Schone dein Herz.“ Doch die kleine, fröhliche und herzensgute Wurst war wild entschlossen. „Ich will zeigen, was in mir steckt“, sagte sie mutig. „Mir sind eure Vorbehalte egal.“ Alle Versuche, sie zurückzuhalten, blieben erfolglos – also ließ man sie gewähren. Auf der anderen Seite versammelten sich die köstlichsten, schmackhaftesten und reichhaltigsten Kartoffelgerichte des Landes. Die Herren stellten sich stolz nebeneinander: Herr Kartoffelgratin, golden gebräunt mit knuspriger Kruste, Herr Kartoffelpuffer, rustikal und knusprig, Herr Kartoffelsalat, gesellig und vielseitig, Herr Rösti, kräftig und energisch, Herr Kartoffelbrei, weich und tröstend, und Herr Kartoffelknödel, massiv und gemütlich. Auch hier hatte sich ein mutiger Außenseiter eingeschlichen, den alle nur als dünnen, schlaksigen Pommes beschrieben. „Was willst du denn hier?“ rief der Kartoffelpuffer. „Du bist ja nur ein Stäbchen!“ Herr Gratin schnaubte: „Geh zurück in die Fritteuse, Jüngling, dies ist ein Wettstreit für wahre Mahlzeiten.“ Der Kartoffelknödel brummte: „Wenn der Wind bläst, brichst du entzwei.“ Doch der schlaksige Kerl blieb aufrecht. „Vielleicht unterschätzt ihr mich“, sagte er leise, aber mit fester Stimme. „Ich will es versuchen.“ Alle Spötteleien prallten an ihm ab. Am Tage des großen Turniers der Köstlichkeiten trafen sich alle auf dem Platz der Mahlzeit. Die edelsten Würste und Kartoffeln taten sich zusammen, um miteinander das Turnier zu gewinnen, und waren sich ihres Sieges so gut wie sicher. So leuchtend und liebreizend Mortadellagesicht auch schien und wie sehr ihre hübschen Fettaugen auch funkelten, keines der edlen Kartoffelgerichte wollte sie. Herr Kartoffelgratin ging sogar an ihr vorbei, ohne auch nur zu schauen. Auf der anderen Seite stand der dünne Pommes hoffnungsvoll, aber auch er wurde von den edlen Würsten nur belächelt. Das sah Mortadellagesicht. Kurzerhand fasste sie sich ein Herz, ging zu Pommes hinüber und fragte: „Willst du es nicht mit mir versuchen?“ Pommes blickte in ihre glänzenden Augen, fand das runde Gesicht so hübsch und lustig, dass er sofort nickte – beinahe wäre er vor Freude durchgebrochen, so schlaksig war er. Hand in Hand traten sie vor und stellten sich zusammen. Ein Gejohle und Gekicher ging durch die Würste und die Kartoffeln, aber beide ließen sich nicht beirren. Dann begann das große kulinarische Turnier. Die edle Kabanossi hatte sich mit Herrn Rösti zusammengetan und zauberte ein majestätisches Gericht aus pikanten Scheiben und knusprigen Rösti-Kronen. Die feurige Chorizo vereinte sich mit Herrn Kartoffelgratin und servierte eine scharfe, cremige Delikatesse, die den Gaumen kitzelte. Die zarte Weißwurst tanzte mit Herrn Kartoffelbrei und erschuf ein sanftes, fast wolkiges Menü für empfindsame Seelen. Die pfeffrige Teewurst und Herr Kartoffelsalat bereiteten eine leichte, erfrischende Kombination mit Kräutern und Pfeffer. Die stolze Lyoner verband sich mit Herrn Kartoffelpuffer und präsentierte ein herzhaftes, rustikales Gericht,

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Apnoetauchen am Tag

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Es war früher Morgen, die Augen gerade aufgemacht. Jetzt einmal ganz tief Luft holen. So schwer wird das schon nicht sein. Und dann ließ er los und sank in den Tag. Die ersten Stunden stiegen zeitlos an ihm vorbei. Dann erste Regungen des Körpers, um tiefer vorzudringen. Noch Luft genug, so dachte er, in meinen Lungen. Der Blick nach oben ohne Angst, aber schon mit dem leichten Ziehen des „Irgendwann muss ich wieder zurück“. Aber jetzt werde ich erst einmal nach den Perlen meines eigenen Glücks tauchen. Gefunden habe ich eine Insel. Gemacht aus Worten. Dann rastlos hin und her geschwommen in der Wohnung. In der Badewanne simulierte ich das Meer, zwei Toasts mit Honig verschafften mir noch Zeit. Dann wieder ein Blick nach oben und tief in mir wusste ich: Jetzt wird es Zeit. Nur nicht zu schnell. Sonst reicht der Atem nicht. Doch oben lockt es mich. Wie langweilig es ist, vernünftig sein zu müssen. Auch wenn ich weiß, das ist wichtig. Sonst könnte dein Herz zu schnell stehen bleiben. Dann starre ich eben noch ein bisschen aus dem Fenster, bevor ich fast gar keine Luft mehr bekomme. Die letzten Meter. Ich weiß nicht, oder soll ich es lassen? Nein, ich kann nicht. Ich sage mir, es ist die Natur. Ich muss, und endlich durchstoße ich die Stille ohne dich, sitze jetzt am Handy und schreibe dir. Ich hoffe sehr, es verwirrt dich nicht. Luft.

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Auf meiner Haut fühlten sich die Kleider mit einem Male so verändert an – irgendwie schwer, und doch umschlossen sie meinen Körper auf so eigentümliche Weise, als würde eine Welt sie durchströmen. Unzählige Lichtpunkte tanzten vor meinen Augen. Wie eine Explosion von Sternen dehnte sich ein Weltall vor meinen kalten Augen aus und stieg einem schattenhaften Firmament entgegen, dessen Schwärze jedoch seine Riesenhaftigkeit verlor und sich zu einem mondhaften Umriss verjüngte. Staunend öffne ich meinen Mund und sehe kleine silberne Kuppeln wie Quallen luftig meinen Lippen entweichen. Sie bilden die zauberhaftesten Formen, wie die Kreise aus Rauch, die vom Munde meines Großvaters zu Weihnachten zu meiner Belustigung in die Luft gepustet wurden. Nadelstiche auf meiner Haut ließen die kleinen Härchen sich aufstellen und ein dunkles Grollen entwich meiner Brust – wie Glockengeläut, unmöglich zu verstehen, aber durchdringend. Mit jedem Dröhnen klang wieder eine Explosion von silbernen Perlen unterschiedlicher Größe, die unendlich schnell zu dem immer kleiner werdenden Mond am Firmament hinaufstrebten. Ein dunkler Mond im blauen Firmament und Dunkelheit, die ihn kreisförmig einzufangen schien, je kleiner er wurde. Eine innere Unruhe in mir, wie ein Alp, der auf meiner Brust lag. Der dumpfe Klang beim Öffnen des Mundes wurde endlich schwächer, auch schmerzten meine Ohren. Zu meinem Bedauern ließ auch das lustige Spiel der Silberexplosionen nach – jetzt, wo mich Dunkelheit fast gänzlich umfing, wären sie mir willkommen gewesen. Noch einmal riss ich meinen Mund auf und spürte nichts, nur Dunkelheit. Aufblitzen von Tausenden vor meinen Augen, es schüttelte mich und dann … Oben rief es: „Mann über Bord!“

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Die Zwei

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Breit fletzten sich zwei große Fladen Haut auf Erde. Auf sie gestellt zwei lange, schmale Säulen, karg bedeckt mit Gras, die tonnengleich ein Rund aus Brei mit Zipfel trugen. Es folgt ein Baumstamm, hohl, mit Moos bedeckt, an dem zwei lange Äste lieblos knorrig hingen. Auf seiner Spitze dann ein Rohr, gedrungen, kurz und in der Mitte ausgebeult, und sinnlos hüpfend balancierte eine Kugel, bewuchert spärlich nur am oberen und unteren Kugelrund und festgezurt, in der Mitte nur zwei Teiche, Hasenlöcher zwei, und dann ein Schlund. Ein Vorhang, golden und vom Wind verweht, bedeckt ein kostbar schönes Ei. Zwei Bernsteine über Mäuselöchern zwei, ein rotes Herz darunter war in der Mitte zweigeteilt. Das Ei auf einer Marmorsäule, die sich zu bewegen schien, gefolgt von einem warmen Leib aus weißem Mehl von Brot, durch Backen köstlich aufgesprungen in der oberen Mitte. Zwei Bänder dann aus zartem Samt in Weiß, reichten hinab bis an eine geheimnisvolle Mitte. Ein Hain, so zauberhaft und süß und unergründlich, floss durch zwei Schalen Obst. Darunter Stäbe dann, die stelzengleich wie Milch, zerfließen in etwas, das wie Hände sanft den Boden streift.

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Die Geschichte von der gewöhnlichen Liebe

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Die Geschichte von der gewöhnlichen Liebe Es war einer der Tage, an denen man einen Geruch das erste Mal riecht und ihn dann ein Leben lang nicht mehr vergisst. Nicht, dass man ihn jeden Tag in der Nase hätte – nein, er kommt völlig unerwartet, und schon ist man wieder sechzehn Jahre alt und taucht gerade aus dem Wasser eines Freibades auf, nachdem man einen wirklich tollen Köpfer vom Einer gemacht hatte. Man hat noch etwas Chlor in der Nase, wie ein leichtes Ziehen, als ob man niesen müsste.   Doch darüber dachte das Mädchen gar nicht nach, als es in die Augen des Jungen blickte, der sich am Beckenrand festgeklammert hatte und ein wenig zu spät wegsah. Es hatte ihr gefallen, was sie in seinen Augen gesehen hatte: Er hatte nicht ihre Schönheit gesehen, sondern ihren Mut – und so etwas merkt eine junge Frau sofort.   Der junge Mann klammerte noch immer am Rand des Beckens und traute sich nicht, sich umzudrehen. Wie seltsam, dass man manchmal das, was man am meisten will, nicht anschauen kann. Doch jetzt hatte er plötzlich Angst, dass das, was er jetzt schon an Hoffnung im Herzen hatte, durch einen erneuten Blick verloren gehen würde. Das alles spürte auch sie. Und da er sich – so viel sei verraten – nicht getäuscht hatte, beschloss sie, ihm zu helfen. Sie schwamm an die Leiter, die genau an der Seite des Beckens war, wo der junge Mann konzentriert nach außen auf die Liegewiese starrte. Langsam ging sie an ihm vorbei.   Er wusste sofort, dass es ihre Beine waren. Er erkannte sie an ihrem Knöchel, obwohl er ihn noch nie gesehen hatte; er war atemberaubend. Dann fiel plötzlich etwas zu Boden und die bezaubernden, mutigen Knöchel marschierten stramm Richtung Liegewiese. Vor ihm lag ein Haargummi, unscheinbar, hellblau, mit ein paar dunklen Haaren. Und wie es so haarig und feucht auf dem warmen Asphalt vor sich hindampfte, wurde er zum Schlüssel seiner Liebe.   „Ich glaube, du hast das verloren.“ Und so hatten sie sich gefunden.   Es war nicht ihr erster Urlaub, den sie zusammen machten, aber nach vier Jahren standen sie das erste Mal zusammen in einem Reisebüro. Beide waren aufgeregt und fühlten sich sehr erwachsen. Sie hatte seine Hand fest umschlossen und spürte, wie sie langsam schwitzig wurde – was immer passierte, wenn er sich bemühte, möglichst cool zu sein. Er hörte schon dieses leise Grunzen, das ein unkontrolliertes Lachen ankündigte, was ihm immer etwas peinlich war, ihm aber auch signalisierte, dass er alles richtig gemacht hatte.   „Wir haben vor, vier Wochen auf Zypern zu verbringen“, grunzte es aus ihr heraus, so ernst sie konnte. „Ja, genau. Hotel Jason, Paphos, All-inclusive!“ Dann war der Raum erfüllt von Lachen und Tränen in ihren Augen und dem Versuch, auch noch den Rest ihrer Vorstellung von dem Urlaub der verdutzten Dame hinter dem Computer klarzumachen – und seine Hände zerflossen. Was als Albernheit in ihrer Küche angefangen hatte, endete mit einer ausgedruckten Buchungsbestätigung und seinem Blick auf ihrem hin- und herwippenden Pferdeschwanz.   Jetzt fuhren sie auf einem roten Roller durch Pinienwälder in warmer Luft. Sie hatte ihre Hände fest um ihn geklammert, und er hatte Sonnencreme auf der Nase, die nur spärlich die Brandblasen der letzten Tage daran hinderte, größer zu werden. Alles war gut. Und dann, wie eine Fliege, setzte sich kurz ein Gedanke in seinen Kopf. Er rechnete innerlich nach, wie lange der Urlaub noch dauerte. Sie schloss die Arme noch fester um ihn und die Fliege verschwand. Aber wie Fliegen nun mal sind: Wenn sie einmal da waren, kommen sie immer wieder.   Es verändert sich eigentlich nichts. Abends saßen sie jetzt manchmal zusammen auf dem Sofa. Sie hatten es sich zusammen von ihrem ersten gemeinsam verdienten Geld gekauft. Wenn er mit einem geöffneten Mund, leicht schnarchend, auf dem Sofa eingenickt war, drückte sie seine Kinnlade zärtlich nach oben, ohne ihn zu wecken, und das Schnarchen hörte auf. Nur manchmal gab sie ihm jetzt ein kleines Mikrofasertuch, das sie immer bei sich hatte, wenn seine Hände bei wichtigen Anlässen doch zu schwitzig wurden. Und er fragte nun manchmal, ob sie erkältet sei, wenn das Grunzen eigentlich ein Lachen ankündigen wollte. Aber nichts davon fiel ihnen auf und, ehrlich gesagt, es war auch nicht weiter schlimm. Es war halt so. Und dann, wie wenn man mit einem Fahrrad ohne Pedale einen Berg runterfährt und so viel Schwung hat, dass man fast noch mal genauso hoch kommt – so nahm ihre Liebe Anlauf, als er seine Tochter ansah, die noch ein wenig schleimig und zerknautscht auf ihrem Bauch lag. Er musste lachen, als der kleine Wurm leise grunzte, bevor er anfing zu weinen, und sie hielt seine verschwitzten Hände fest umschlossen und sie sahen sich an. Dann ein zweites Kind, wieder ein Mädchen. Sie sahen es voller Liebe an, doch aus dem schleimigen, zerknautschten Grunzen war ganz unmerklich ein Summen geworden in ihren Köpfen. Ohne dass sie es wirklich hörten – wie lange noch? Kurz nur, dann war es vorbei. Er packte ihre Sachen und zu viert gingen sie nach Hause. Seine Hände schwitzten nicht. Lange wurde das Summen überdeckt von dem Aufwachsen der Kinder. Durch sie sahen beide noch mal das Staunen über den ersten Schnee, die tiefe Traurigkeit, als ihre Urzeitkrebse starben, und das Glück – aber auch den Neid, wenn ein Geschenk unter dem Weihnachtsbaum größer war als das andere. Aber sie sahen es eben nur.   Die Kinder gingen zur Schule, und er stellte vor seiner Arbeit noch Stühle in dem Eiscafé auf, das zwei Straßen weiter ziemlich versteckt lag. Um 17:30 Uhr ging sie los, um die gleichen Stühle wieder zurückzustapeln. Manchmal gab es zum Mittagessen Semmeln mit Kakao und die Kinder freuten sich darüber, genau wie über den Urlaub in Lido di Jesolo einmal im Jahr – oder im Winter nach Mallorca, dann spielten sie ausgelassen im Pool Voltigieren.   Wenn es Streit gab, sagte er immer: „Geh damit zur Mutter“, und sie: „Vater macht das

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