Ich kann mich noch an die ersten Worte erinnern, die ich dir gesagt habe. Da war ich noch ein Kind – sechs, glaube ich. Da habe ich gesagt: Wir waren im Zoologischen Garten, da habe ich Störche gesehen, die haben sich mit goldenen Schnäbeln gebeisst. Dein Geruch war etwas süßlich und plötzlich konnte ich nichts mehr sehen. Ich habe es geliebt, wie wir im Nebel zusammen gespielt haben. Ich hatte einen Kranz mit Weihnachtskerzen auf dem Kopf, den man anschalten konnte, und weißt du noch, wie sie mich genannt haben? „Tortenstück“.
Ich wusste sofort, dass du mich verstehst, dass du mir zuhörst. Wie peinlich es war, als ich etwas besonders Lustiges für dich vorbereitet hatte und mir dann plötzlich die Worte fehlten. Du hast es verziehen, und ich habe versprochen, dass so etwas nie wieder vorkommen wird. Ich wollte dir nicht einfach so begegnen. Ich wollte dir immer genau das sagen, was ich fühle. Zusammen haben wir nicht gewusst, wie es geht. Und wir haben unsere ersten Entwürfe gezeigt, und sie waren gut – genau deshalb, weil wir nicht wussten, wie es geht.
Ja, ich weiß, ich habe dich kurz verlassen, aber das war damals nicht, weil ich es wollte, sondern weil meine Eltern meinten, ich solle mal etwas Anständiges kennenlernen. Wie ich es gehasst habe, das Anständige. Jeden Morgen um 7 Uhr wurde ich empfangen und war einfach nur gelangweilt. Und dann die Angst, dich nicht zurückzubekommen. Immer bei der falschen, gezwungenen Wahl bleiben zu müssen. Mein Papa hat gesagt: „Jetzt probierst du es noch einmal, aber wenn es dann nicht klappt, dann gehst du zurück und bleibst bei der Dreckigen.“
Und dann der Moment, als das erste Mal offiziell bestätigt wurde, dass wir zusammengehören. Wie du mich zur Verzweiflung gebracht hast, und immer, wenn es diese besonderen Tage gab, war ich so aufgeregt, dass ich kotzen musste. Und dann habe ich irgendwann beschlossen, nicht mehr zu kotzen, weil ich wusste, dass du zu wichtig bist, um so viel Energie ins Kotzen zu stecken. Wie du mir gezeigt hast, dass Sprache mehr ist als einzelne Worte. Wie du mir beigebracht hast, mein Fühlen in Gedanken umzuwandeln. Wie ich gesehen habe, wie meine Gedanken durch dich zu Gefühlen wurden.
Und wieder habe ich dich verlassen, weil ich dachte, es gäbe andere von deiner Art, die größer sind. Die mich besser machen, die mich mehr strahlen lassen – und ich habe nicht gesehen, dass ich dabei eigentlich nicht an dich, sondern nur an mich gedacht habe. Das ist dann auch großartig gescheitert. Das weißt du auch. Aber dein Wesen habe ich immer mit mir getragen, das habe ich daraus gelernt, auch wenn du nicht bei mir warst – dein Kern war immer da. Ich habe gesehen, dass ich dich überall finden kann, auch wenn ich nicht bei dir zu Hause bin. Denn ich bin dein Zuhause geworden. Und trotzdem war ich so froh, als ich endlich nach Jahren wieder zu dir nach Hause gekommen bin.
Ich habe gedacht, jetzt können wir endlich wieder zusammen spielen. Und so war es auch. Du hast mir meine größten Ängste gezeigt. Und zwar so, dass ich sie umarmen konnte und sie weiterzeigen konnte. Du hast mir gezeigt, dass wir politisch gefährlich sein können, auch wenn wir nicht mit Plakaten auf die Straße rennen. Wir haben uns versprochen, immer die Wahrheit zueinander zu sagen. Und ich kann sagen: Wir haben es gemacht. Darauf bin ich sehr stolz. Ich habe dich nie angelogen, und das kann ich wirklich nicht von vielen behaupten, denen ich begegnet bin. Und auch du hast mich nie angelogen. Manchmal hast du dich ein bisschen schwierig ausgedrückt, aber wir sind da zusammen durch, und am Ende war es vielleicht nicht die komplette Wahrheit, aber es war unsere Wahrheit.
Wir haben so gestritten, so geliebt und sind zusammen verzweifelt. Aber Angst hatten wir nie, Respekt schon. Wir sind nicht sprachlos geworden, sondern wir haben uns in den letzten Jahren sehr viel voneinander erzählt. Und irgendwie habe ich das Gefühl, ich muss mal wieder weg. Nicht, weil ich dich nicht liebe, sondern weil ich dich liebe. Aber deine Seele nehme ich mit. Ich verlasse dich nicht. Auch wenn wir jetzt erst mal nicht zusammen reden, spielen und denken werden. Ich sammle für dich, und dann komme ich zurück. Vielleicht. Ich hoffe, du wartest auf mich. Danke für alles. Ich liebe dich von Herzen.
Mein Theater.

Es wird geduldig auf Dich warten.
Und dann begeistert sein von dem, was Du mitbringst, zu erzählen, zu zeigen hast .
Es ist keine einfache Geliebte.
Aber eine treue.
❤️