Schon wieder soll es 29 Grad werden. Also bin ich schon um 5:30 Uhr wach, packe meine Sachen und starte los. Heute Morgen ist es echt schwer – nicht wegen dem Aufstehen, sondern heute habe ich irgendwie so eine Leere in mir. Man hat die Stadt genossen und jetzt musst du wieder los und im Zelt schlafen und es ist noch richtig, richtig lange. Ich laufe also mit einem etwas unguten Gefühl aus Metz hinaus. Es ist ein bisschen wie am Anfang in Düsseldorf, wieder das Gefühl: Jetzt wird es ernst. Jetzt lässt du die Zivilisation hinter dir. Aber das Seltsame ist: Genau das hilft mir auch. Schon als ich die Stadt verlassen habe und am Kanal der Mosel langlaufe, an den Hausbooten vorbei und hinter mir die Sonne langsam aufgeht, bessert sich mein Gefühl. Es ist irgendwie seltsam, als wenn die Stadt dich kurz vergiftet hätte. Gar nicht schlimm, weil ich fand Metz wirklich eine bezaubernde Stadt, aber irgendwas hat sie auch gemacht, dass ich dachte: Ab jetzt kommt in der Natur vollkommene Einsamkeit. Und kaum bin ich unterwegs, ist gerade die Natur das, was mich auffängt. Heute laufe ich nämlich durch unzählige Mirabellenalleen, wo man die reifen Früchte einfach nur so von den Zweigen sammeln kann. Dazu kommen noch Weintrauben, die wild wachsen, und Pflaumen – und wieder habe ich das Gefühl, einen Schatz gefunden zu haben.
Um 10 Uhr bin ich dann schon 4 Stunden gelaufen und mache eine kleine Baguette-Pause und rufe Sebastian, Lisa und mein Patenkind Lilly an. Das ist auch hübsch, denn sie frühstücken auch gerade und so haben wir einen kleinen Frühstücksplausch zusammen.
Danach wandere ich weiter und bin tatsächlich um 13 Uhr vor der absoluten Hitze schon an meiner Unterkunft. Dann bin ich aber auch schon sieben Stunden gelaufen und 26 km liegen hinter mir.
Edwige, eine lustige französische Frau, hat ihre Mittagspause unterbrochen und schließt mir ihr Haus, in dem sie mit ihrem Mann Henry zusammenwohnt, auf. Da die typischen französischen Fensterläden geschlossen sind, ist es herrlich kühl im Haus. Das habe ich übrigens diesmal über Airbnb. Sie zeigt mir alles. Ich habe ein tolles Zimmer mit großem Bett und einer Terrasse. Auf die Terrasse gehe ich zuerst nicht, weil es noch zu warm ist. Dafür falle ich in einen tiefen Mittagsschlaf. Und als ich aufwache, bin ich optimistisch. Ich mache ein bisschen Recherche, wie es wohl die nächsten Tage weitergeht, und dann gehe ich noch etwas einkaufen am frühen Abend.
Denn ich wurde von beiden danach zu einem Getränk im Garten eingeladen.
Edwige hat kleine Schnittchen gemacht mit Melone und Henry bringt mir ein Kaltgetränk. Henry spricht nur Französisch, gar kein Englisch, und ich kann mich auf Französisch nur vorstellen und fragen, ob es ein Bett gibt oder dass ich ein Croissant haben will oder dass ich zum Supermarkt einkaufen gehe. Für eine richtige Konversation ist das aber noch nicht genug. Zum Glück spricht Edwige Englisch und in dieser Dreierkombination kommen wir sehr gut zurecht. Mit Englisch, Französisch, Händen und Füßen führen wir eine schöne, wie Edwige es sagt, legere Conversation.
Der dunkle Schleier von heute Morgen ist nun ganz verschwunden.
Und zufrieden setze ich mich jetzt auf meine Terrasse und esse den Salat, den ich mir im Supermarkt gekauft habe.
Ach, das habe ich noch ganz vergessen zu erzählen: Heute Mittag bin ich nämlich hier in ein kleines Restaurant gegangen und habe mein erstes Plat du jour bestellt und gegessen.
In Frankreich wird nämlich immer zur Mittagszeit in den Restaurants ein Gericht zubereitet. Das heißt ein Menü mit Vorspeise, Hauptgang und Nachtisch – und weil es nur ein Menü gibt, ist es auch sehr günstig. Bei mir kostet es mit Getränk 20 € und ihr seht ja selbst, was ich dafür bekommen habe. Es war köstlich! Also jetzt rufe ich euch noch zu:
Merci beaucoup!
Und schön, dass du dabei bist!
Florian
Bilder des Tages
Da bin ich
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Du strahlst total🤩, bonne nuit!
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