Eigentlich ist ja heute ein Pausentag, aber irgendwie bin ich jetzt schon wieder 24.000 Schritte gelaufen? Ich weiß gar nicht, wie das passieren konnte, aber von Anfang an: Wie gesagt, früh schlafen gehen hilft beim Frühaufstehen. Ich bin um 6 Uhr wach und will es so richtig machen wie die Franzosen. Also, ich weiß nicht, ob die auch so früh aufstehen, ob das sehr französisch ist. Auf jeden Fall gehe ich in die Stadt und suche so lange, bis ich eine kleine, ganz ehrliche Boulangerie finde. Dort bestelle ich mir dann einen Café au Lait und zwei Croissants.
Am Tisch mir gegenüber sitzt ein älterer Herr, der mich freundlich anschaut und mit dem Daumen nach oben zeigt.
Die Croissants sind köstlich. Ich zeige auch mit dem Daumen nach oben, und als ich aufgegessen habe, gehe ich zu ihm hin und will ihm sagen, dass ich seulement nur ein ganz bisschen Französisch spreche. Darauf deutet er auf seine Ohren und seinen Mund, denn er ist taubstumm. Das war richtig schön peinlich. Ich lächle ihn entschuldigend an und verlasse mein ehrliches Café.
Danach gehe ich Fotos machen. Irgendwie macht mir das auch einfach Spaß, und das Licht ist herrlich. Ihr bekommt heute auch die von gestern Abend noch, wie versprochen.
Dann die zweite peinliche Sache: den Pilgerstempel. Gibt es angeblich in der Touristeninformation bei der Kathedrale. Weil die Kathedrale um 8 Uhr aufmacht und bis gleich gegenüber ein relativ offiziell aussehendes Gebäude auch um 8 Uhr aufmacht, gehe ich einfach rein und frage nach dem Stempel, der auf Französisch übrigens Tampon heißt. Also ich immer schön: „Avez-vous un tampon pour moi?“ Sie gucken mich relativ verständnislos an. Ich werde immer weitergeschickt, bis ich in einem ziemlich offiziellen Büro bin. Wiederhole meine Frage, mache ein Zeichen für Stempel. Mich schaut die Dame, die hinter dem Schreibtisch sitzt, ein bisschen ratlos an, aber sie kramt einen Stempel raus, stellt das Datum ein und stempelt in meinen Pass. Ich war nicht in der Touristeninformation, sondern im Rathaus. Jetzt habe ich schön einen offiziellen Stempel vom Rathaus in meinem Pass, der so überhaupt nicht pilgermäßig aussieht. Danach finde ich auch die Touristeninformation, die machen aber erst um neun auf, also ab in die Kathedrale. Dort ist eine nette Dame, die erkennt mich sofort als Pilger, nimmt mich kurzerhand mit und ich bekomme in der Kathedrale endlich meinen Pilger-Tampon.
Die Kathedrale ist sehr schön, vor allem die Fenster. Ganz unterschiedliche Künstler haben sie gestaltet (unter anderem Marc Chagall, Jacques Villon und Hermann von Münster). Jetzt geht es erstmal nach Hause, denn es wird sehr warm und außerdem habe ich heute noch ein Projekt:
Mein aller-aller-allererster Newsletter!
Ich hatte lange überlegt, ob ich das überhaupt brauche, neben Blog und Reels. Aber irgendwann wurde mir klar: Manche Dinge will ich nicht öffentlich in die Welt posten, sondern direkt an die Menschen richten, die diesen Weg wirklich mit mir gehen. Etwas Persönlicheres. Etwas, das nicht im Vorbeiscrollen verschwindet.
Am Sonntag ist es so weit – die erste Ausgabe geht raus. Mit dabei: ein kleines, selbstgebasteltes Extra, das es nur dort geben wird.
Außerdem ein kleines Fundstück, das ich demjenigen, der mir schreibt, warum er es haben will, zusenden werde. Und zwar von der nächsten Post, die mir dann auf dem Weg begegnet, ob auf dem Jakobsweg oder in Indien, Vietnam oder in Japan.
Wer noch nicht dabei ist und die erste Ausgabe nicht verpassen will: Jetzt hier schnell eintragen, dann bist du am Sonntag mit dabei.
Und das ist eine super Überleitung zu meinem Nachmittagsprogramm. Ich gehe nämlich in das Centre Pompidou, was wirklich richtig toll ist und ich es jedem ans Herz legen möchte.
In einem kleinen Installationsraum sitzt ein Mann an einem Schreibtisch. Ich gehe rein, bin neugierig und spreche ihn mal wieder mit seulement an, aber er unterbricht mich und spricht zum Glück Englisch.
Javier Carro Temboury nimmt unterschiedliche Materialien, zum Beispiel Bücher oder Teller. Er schneidet Zargen aus, sodass sie zusammenpassen. So könnte man z. B. Teller und Bücher vereinigen oder zwei verschiedene Teller. Ganz unterschiedliche Materialien – ich finde das eine super Idee. So findet Unterschiedliches zusammen.
Es gibt noch sechs Würfel, und wenn man die passende Zahl würfelt, kann man das gewinnen. Ich würfle die 28 und tatsächlich darf ich mir ein Buch aussuchen. Ein Kunstwerk, das ist mein erstes Fundstück.
Also, wenn du mir über meinen Newsletter schreibst, schicke ich es dir nach Hause.
Dann gehe ich noch Eis essen und auch noch eine Pizza.
Dann werde ich bestimmt auch noch ins Bett gehen.
Und jetzt, wo ich das geschrieben habe, ist irgendwie klar, wo die 24.000 Schritte herkommen.
Schön, dass du dabei bist!
Florian
Bilder des Tages
Da bin ich
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Das ist ja eine mühsame und lustige Geschichte mit dem „tampon“! Ich habe mal nachgeforscht….. Du sicher auch schon:
„Den Pilgerstempel nennt man auf Französisch tampon (oder genauer tampon de pèlerin), und den dazugehörigen Pilgerpass bezeichnet man als passeport de pèlerin oder carte de pèlerin.“
Das war ein schöner Pausentag in Metz, an dem wir wieder teilhaben konnten❤️ Ich wünsche Dir morgen eine schöne weitere Etappe auf dem 2600 km Spaziergang, verbunden mit ganz lieben Grüssen!
liebe Doris
das ist ja schön das du dich auch so informierst
habe ich natürlich auch gemacht
Jetzt bin ich schon wieder am laufen
schön das du so Anteil nimmst
Wunderbar, so ein Tag in Metz. Komm wieder gut auf die Strecke , weg vom städtischen Trubel.
Buen Camino ☀️
Da sagst du was war auch froh wieder unterwegs zu sein auch wenn Metz wirklich sehr schön ist
Wie lustig 😂😍
Ja hätte euch gut gebrauchen können hier bei mir
Das war ein ganz schön amüsanter Tag. Stadt hat auch was und die Fotos sind sehr unterhaltsam.
Das Kathedralenfoto hat mich erinnert, ich da ja mal Händel gesungen habe. Laaaange her.
Das stimmt das war lustig und peinlich zu gleich
wo du schon überall gesungen hast
das war bestimmt sehr sehr cool da
hätte ich gerne gehört
Über die Geschichte mit dem Rathaus habe ich jetzt sehr gelacht.
Ich wette, die Dame von der Stadtverwaltung hat die im Lauf des Tages auch noch ein paar Mal erzählt.
Die spinnen, die Deutschen!
😉
Die Fotos sind auch wie immer wunderbar! Besonders die von der schönen Kathedrale.
Aber mein absoluter Favorit war heute der Elefant aus dem Pompidou, wie er einfach so schlecht getarnt im Raum steht.
🙂
Viel Pause war ja nicht, aber dafür viel Tag!
Ich freu mich schon aufs Weiterwandern!
Ja die Erklärung zum Elefanten war er versucht sich vor der welt zu verstecken aber sieht auch ein bisschen aus wie vom kukluxclan
Unfassbar tolle Fotos ! Ich flipp aus 😍. Liebste Grüße Theresa
sehr schön das sie dir gefallen 😉 nicht ausflippen