Nach dem Aufstehen gibt es erst mal einen Notfall: Deadly hat nicht geschlafen, weil sein Fuß angefangen hat zu bluten. Er ist die letzten Tage schon mit Schmerzen gelaufen, dachte, das gibt sich schon wieder, und hat sich nicht darum gekümmert oder es angeschaut. Jetzt hat er eine riesige Blase, die aufgegangen ist, und muss zum Arzt gefahren werden. Ich schreibe mit dem Taxiunternehmen auf Französisch. Und schließlich wird er von den zwei Ladies, die die Unterkunft betreiben, zum Arzt gefahren. Dort wird viel Haut weggeschnitten. Er bekommt einen Verband und muss die nächsten zwei, drei Tage mit dem Bus fahren. Ich sage ihm, er soll es einfach jetzt als Urlaub nehmen, weil er schon wieder loslaufen will. Ich finde es ein bisschen kompliziert, gerade weil ich das Gefühl habe, dass ich plötzlich so ein bisschen verantwortlich bin für meine zwei betagten Mitwanderer. Aber dann denke ich, ja, so macht man das halt auf dem Weg, man kümmert sich, und in einer Woche laufe ich sowieso wieder alleine.
Ich verlasse die Unterkunft und dann ist er plötzlich da. Endlich der Nebel. Die ganze Stadt ist in graue Watte gehüllt und eine Feuchtigkeit aus unzähligen kleinen Tröpfchen liegt in der Luft. Ich finde es total cool und auch mal eine schöne Abwechslung. Und als ich dann die Stadt verlassen habe, sind alle Blumen und Gräser überzogen von den schönsten Spinnweben, an denen Tautropfen hängen und sie zu Kunstwerken machen. Manchmal kann man durch den Nebel schon das Blau des Himmels erahnen.
Ich schreibe Deadly noch mal kurz, ob es ihm gut geht, und er sitzt schon im Bus zu unserem Etappenziel. Der Himmel klart auf und es wird warm. Und plötzlich, mit strammem Schritt, kommt Maria hinter mir angerauscht. Jetzt laufen wir zusammen und reden über dies und das, ihre Reisen. Meine Reisen, darüber, dass sie ihre Schuhe jetzt schon über 1300 km trägt und sie jetzt jeden Stein spürt. Ich sage, ja, sie soll sich auf jeden Fall neue kaufen. Dann machen wir eine kleine Mittagspause. Ich erzähle ihr ein bisschen über mein Verantwortungsproblem mit Richard und Deadly, und sie hat so was Ähnliches auch schon gehabt und irgendwie macht es das dann auch wieder leichter. Es gehört halt dazu. Eigentlich sind wir uns einig, dass wir beide die letzten 5 km immer ganz schön schrecklich finden, egal wie lang die Etappe ist. Aber heute sind es dann sogar acht, die wie im Flug vergehen. Und als wir am Ende der Etappe Richard und Deadly schon in einer Bar sehen, freue ich mich. Wir setzen uns alle vier zusammen und trinken ein schönes kühles Bier. Ich natürlich Panaché.
Maria überlegt, zu einem Sportladen zu laufen. Der ist aber 3 km entfernt, hin und zurück also 6, und als ich geduscht und meine Wäsche gewaschen habe, biete ich ihr an, mit ihr zusammen zu dem Sportladen zu laufen, damit es nicht zu langweilig ist. Und so gehen wir den schönsten Weg des ganzen Weges an einer großen Schnellstraße entlang, und ständig donnern Laster an uns vorbei. Angekommen gibt es genau drei Paar Schuhe, die alle nichts sind. Dafür finden wir etwas: ich Bumper für meine Wanderstöcke, und Maria kauft sich wohl oder übel Einlegesohlen. Jetzt haben wir die ganzen drei Kilometer auf der Scheißstraße zurück vor uns.
Aber weil man zusammen immer ein bisschen mutiger ist, halte ich den Daumen raus, und tatsächlich: Das vierte Auto hält einfach an, und so fahren wir in 3 Minuten, was wir vorher 34 Minuten gelaufen sind.
Wir sind ganz schön cool!
Heute Abend geht es vielleicht in eine Disco (kleiner Scherz).
Maria geht in ihre Unterkunft, mit der bangen Vorahnung, alleine am Tisch mit lauter Franzosen zu sitzen, und ich in meine zu Deadly und Richard.
Beim Abendessen sind wir zu sechst und diesmal sind noch Natalie und Michelle dabei, welche beide fast gar kein Englisch sprechen, und ich weiß genau, wie sie sich fühlen neben vier Leuten, die nur untereinander reden. Also brocke ich mein Französisch immer zu ihnen rüber.
Und so ist der Abend wirklich schön und ein guter Ausklang.
Deadly fährt morgen mit dem Bus und ich werde mit Richard laufen. Auf jeden Fall ein Stück. Und abends ist dann auch wieder Maria dabei. Wir machen das schon ganz gut.
Schön, dass du dabei bist! Florian
Bilder des Tages
Da bin ich
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Ihr macht das supergut!
Zusammen ist man weniger allein.
❤️
Und liebe Grüße und gute Besserung an Deadly!
Du machst das super! ❤️