Der Tag startet mit einem Hammer-Frühstück. Das Abendessen war schon toll, aber heute Morgen stehen warme Schokoladencroissants, Spiegeleier, selbstgemachte Marmelade, Wurst, Käse und Orangensaft auf dem Tisch.
Zum Abschied umarme ich unseren Gastgeber und sage ihm, dass ich es wunderbar finde, wie er sich jeden Tag mit Freude um seine Gäste kümmert. Ich sage, es ist wie an jedem Morgen, wenn man losläuft: Man spürt die Sonne aufgehen.
Noch ein letztes Gruppenbild mit allen und dann starte ich, und es ist schon 8 Uhr. Aber heute sind es auch mal 21 km. Ich laufe einen Hügel hoch und plötzlich sehe ich am Horizont in der Ferne aus der morgendlichen Dämmerung die Pyrenäen ragen. Das ist ein tolles Gefühl, wie ein Versprechen, wie das erste Zeichen, wo ich hinlaufen werde. Und wenn ich diese Berge überquert habe, dann bin ich nach knapp zwei Monaten endlich in Spanien angekommen und dann gehe ich den bekannten Jakobsweg.
Der Anblick macht mich leicht und so bin ich schon um 12 Uhr an meinem Ziel angekommen. Zur Feier des Tages gibt es sofort ein Plat du Jour.
Danach gibt es noch eine Belohnung für mich. Und zwar neue Unterhosen, denn meine sind komplett durch. Schon als ich auf dem Weg darüber nachdenke, komme ich mir vor wie ein Unterwäschetester. Wie lange halten eigentlich gute Unterhosen bei Dauerbeanspruchung? Jetzt weiß ich es: knapp zwei Monate.
Zum Glück gibt es in dem Supermarkt auch welche. Als ich in der Unterkunft ankomme, hört man die ganze Zeit Motorenlärm! Richard und Deadly sind auch angekommen. Und ein bisschen bin ich, glaube ich, der Tourguide geworden. Ich frage die Herbergsmutter von der öffentlichen Herberge, die übrigens eine Zwei ist (wenn das gestern eine 10 war), ob man sich die Autos, die diesen Lärm machen, irgendwo ansehen kann. Sie sagt, ich muss einfach nur rechts um die Ecke und den kleinen Weg langgehen. Also mache ich das und stehe 15 Minuten später an einer Rennstrecke, auf der Motorräder entlangrasen. Jetzt vermisse ich das erste Mal mein Objektiv, denn so richtig schön kann ich die Motorräder nicht fotografieren. Man sieht auch gleich, wer Anfänger ist und wer wohl schon länger dabei ist, denn manche legen sich richtig in die Kurve, während andere lieber ein bisschen vorsichtiger herumfahren. Also das ist überhaupt nichts für mich.
Ich gehe zurück und schlage als guter Tourguide den beiden vor, dass wir heute mal kochen könnten. Und kurze Zeit später stehe ich im Aldi und kaufe alles für Spaghetti Bolognese ein. Dann liege ich noch ein bisschen in der Hängematte herum, bevor ich in der Küche einen großen Salat und eine herrliche Spaghetti Bolognese zaubere. Das Gute ist, wenn man zusammen ist und kocht, dass derjenige, der kocht, nicht abwaschen muss – und das müssen schön Richard und Deadly machen. Und irgendwie sehen sie aus wie ein altes Ehepaar.
Als Nachtisch gibt es noch ein köstliches Pistazieneis. Aber leider, wenn ich es wieder mit gestern vergleiche, ist auch mein Essen nur eine Fünf von Zehn im Vergleich zu dem, was gestern gezaubert wurde.
Ich freue mich jetzt, morgen wieder ein bisschen länger zu laufen. 27 km. Weil 20 km sind mir jetzt wirklich ein bisschen zu kurz und ich bin dann zu lange da.
Das hätte ich am Anfang auch noch nicht gedacht, wo mir nach 17 km schon mein Körper entgegenschrie, ich soll jetzt endlich mal aufhören.
Jetzt bin ich ganz in meinem Tattoo angekommen.
Don’t stop walking. Schön, dass du dabei bist.
Florian!
Bilder des Tages
Da bin ich
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Olé, auf der Karte waren die Pyrenäen gestern schon ganz schön nah. Und jetzt auch zu sehen – wow. Da verändert sich doch bestimmt etwas am Laufgefühl, oder?
„und ich bin dann zu lange da“ , mein Nachdenksatz des Tages
buen camino ☀️
und hast du gut über den Satz nachgedacht und vor allem mit welchem Ergebniss ?
:o)
ja, der Satz hat mich für mich berührt, wobei das schwer in Worte zu fassen ist. Selbstbestimmung, Scheu, Anstrengung, Aktion, Reaktion , Überforderung , es trotzdem gut bewältigen…
auf deinen Weg bezogen habe ich mich gefragt, wie das wohl so ist, bald auf immer mehr Pilger zu stoßen – und welchen Schatz du dir schon erwandert hast über die vielen Kilometer auf fast unberührter Strecke
tschöö
Der Pyrenäen Moment – da klopft mir schon beim Lesen das Herz!
ja ich bin auch schon richtig gespannt
Ihr scheint ja wirklich eine tolle Truppe zu sein.
❤️
Ich hab heute sehr an Deadly gedacht. Wir haben uns auf einer Wanderung verlaufen und die zwei letzten Meilen hab ich mich SEHR solidarisch mit ihm gefühlt.
Ich war ziemlich dead, als wir endlich wieder am Auto waren.
🫣
Dir noch viel Spaß mit Deiner Pilgertruppe!
Wie lange wandern die noch mit?
oh ja der arme heute hat es ihn dann komplett erwischt
gut das du es überlebt hast ;)))