Heute habe ich Pamplona verlassen und das Erste, was ich gemacht habe, ist, ich habe mir einen Kaffee gekauft und eine Rosinenschnecke.
Ich musste irgendwie die Schwere der letzten Tage loswerden, also habe ich so getan, als wäre der Tag meine Decke, die mich umhüllt.
Es ist komisch, und ich weiß nicht, ob auch du es kennst, aber wenn ich loslaufe, sind in meiner Vorstellung die Dinge, die ich machen will, z. B. schreiben oder irgendeine andere Aufgabe, die ich angehen will, wie von einem Leuchten des Gelingens umgeben. In meiner Vorstellung ist dann alles perfekt, ich sehe mich ankommen, und dann gibt es kein besseres Gefühl, als am Tisch zu sitzen und zu schreiben. Oder ein anderes Beispiel: Wenn ich mir meinen Pausentag vorstelle, dann denke ich z. B., ich liege im warmen Bett und schaue gemütlich Filme, oder ich lese einfach, und es fühlt sich in meiner Vorstellung vollkommen an. Die Realität ist aber: Ich komme an und sofort fühlt sich Schreiben unendlich anstrengend an, all das Schöne ist verschwunden und nun ist es nur noch eine Aufgabe. Oder der Pausentag ist da und ich langweile mich furchtbar, und jeder Netflixfilm ist einfach nur unfassbar öde, und ich frage mich, wie lange ich jetzt wohl noch Filme schauen muss. Und auch das Lesen ist nicht so romantisch, wie es in meiner Vorstellung war, und ich schlafe dann nach 15 Minuten ein, und das befriedigende Gefühl bleibt aus, und der Rest des Pausentages ist ein Warten im Bett ohne Ereignis.
Ich könnte noch unzählige Dinge aufzählen, die in meiner Vorstellung wunderbar sind und zerplatzen, wenn die Gegenwart auf sie trifft.
Vielleicht mag ich deshalb auch das Laufen, weil das der Moment ist, wo ich das Gefühl habe, bei mir zu sein, und alles gelingt in meiner Vorstellung. Und seit Jahren versuche ich wie ein Alchemist die Formel für Gold zu finden, und irgendwie weiß ich auch, dass es sie nicht gibt.
Es ist immer ein Kampf und geht nur langsam voran, immer dicht an der Klippe des Aufgebens.
Aber auch deshalb laufe ich, weil ich weiß: Alles, was du tust, existiert.
Und irgendwann habe ich vielleicht das Buch gelesen, wenn nicht, bin ich wenigstens 2600 km gelaufen.
Das sind so die Dinge, über die ich nachdenke bei meinem Morgenkaffee, und in meiner Vorstellung werde ich heute ankommen und dann …
Schön, dass du dabei bist.
Florian
Bilder des Tages
Da bin ich
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😄
wie schön du das beschreibst – ja, das kenne ich! Nur ohne Wandern 😂
Danke für’s Teilen und bon courage ☀️🍀
merci merci und danke das du mich begleitest 😍
Du hast Dir für Dich für 1 Jahr eine eigene Bühne geschaffen, Du bist Dein eigener Chef, vielleicht läuft gerade Deine Probezeit ab und Du musst dich für „weitermachen“ entscheiden! Dein Schatzkasten ist schon so voll von Begegnungen, von schönen Erlebnissen, von Gedanken, ja auch von Abschieden. Ich bin ganz fest überzeugt, dass Dir das gelingt! Indien und Japan warten! Fühl Dich fest gedrückt💙
danke – „deine eigene Bühne“ trifft es besser, als ich es selbst hätte sagen können. Und die Probezeit, die gerade abläuft: ja, das fühlt sich gerade wirklich so an, mit all den Abschieden der letzten Tage. Aber der Schatzkasten ist tatsächlich schon ziemlich voll, du hast recht.
Danke für den Zuspruch und die feste Umarmung – sie kommt an, mitten auf dem Weg
Welch schöne Worte! Danke. Ich hätte sie nicht so ausdrücken können, doch genau so nehme ich es auch wahr.
Ja das kenne ich auch gut. Und manchmal ist es auch gerade umgekehrt.
Diese Gedanken haben dann eben nicht mit der Gegenwart Aber das Laufen ist immer Gegenwart und deshalb so schön.
ja genau so ist es
freue mich sehr das du dabei bist
Carolina 😍
Ich hab jetzt lange darüber nachgedacht, ob mir das auch oft so geht.
Aber eigentlich hoffe ich zwar immer, daß es so schön wird oder so zufriedenstellend, wie ich es mir wünsche,
aber gleichzeitig gehe ich eigentlich schon davon aus,
daß dies oder das dazwischenkommen MUSS und den perfekten Moment verdirbt,
weil das im Leben eben meistens so ist.
Wenn dann doch nichts dazwischenkommt und alles tatsächlich genauso wird, wie man es sich erträumen würde (wie unser nun leider schon wieder vorüber seiender Schottlandaufenthalt zum Beispiel), dann bin ich nicht nur zufrieden, sondern glücklich.
Und wenn’s doch so kommt wie meistens, dann ist ja trotzdem noch viel da, worüber man sich freuen kann. Und man macht halt das Beste draus.
Das kannst Du doch eigentlich auch sehr gut!
Sieht man auch Deinen Fotos an.
Du entdeckst unterwegs immer das Schöne oder Spannende oder Außergewöhnliche.
Dazu muß man sich vielleicht an einem Pausentag auch mal langweilen.
Liebe Grüße nun wieder aus dem sonnigen Düsseldorf, in das jetzt auch der Herbst einzieht.
Das ist eine wirklich schöne Art, mit Erwartung und Enttäuschung zu leben – schon vorher einzukalkulieren, dass etwas dazwischenkommt, und sich dann umso mehr zu freuen, wenn es doch nicht passiert. Das mit Schottland kann ich mir so gut vorstellen, dieses Gefühl, wenn ausnahmsweise mal alles genau so wird, wie man es sich erträumt hat
Ich finde es schön, wie ehrlich du beschreibst, dass Vorstellung und Realität manchmal so weit auseinanderliegen können. Und vielleicht ist genau das dein „Gold“: trotzdem weiterzugehen, auch wenn es sich zwischendurch ganz anders anfühlt als erhofft. 2600 km sind schließlich nicht nur eine Zahl, sondern ganz viele Schritte, die tatsächlich passiert sind. 😊
LG Stefanie
Liebe Stefanie,
danke, das trifft es genau. Vielleicht ist „Gold“ wirklich einfach das Weitergehen selbst, nicht das Gefühl, das ich mir davon erhofft habe. Und du hast recht – 2600 km sind keine Zahl, sondern lauter einzelne, echte Schritte. Schön, dass du das so liest.
Herzliche Grüße,
Florian