Heute will ich mal den Ablauf eines ganz normalen Pilgertages erzählen, weil ich das bis jetzt noch nie gemacht habe.
Ich wache um 7 Uhr auf und draußen ist es noch dunkel, also habe ich noch Zeit, ein bisschen im Bett zu liegen. Um 7:30 Uhr packe ich dann langsam alles ein. Ich muss mich nicht umziehen, denn ich laufe in den gleichen Sachen, mit denen ich geschlafen habe; das System wird sich noch erklären.
Da ich heute kein Frühstück in der Unterkunft habe, stehe ich um 8 Uhr mit Maria, die mich noch drei Tage begleiten wird, auf der Straße, und wir gehen in eine kleine Bäckerei, die hier schon gegen sechs Uhr öffnet. Es ist noch etwas dunkel, aber schon hell genug, um zu laufen, ohne die Wegmarkierungen zu verpassen.
Nach einem Kaffee und einer Rosinenschnecke geht es dann los.
Die erste Steigung kommt nach ca. 30 Minuten und bei Kilometer sieben kommen wir in das Dorf Cirauqui; wir haben ja heute Puente la Reina verlassen.
Dort gehen wir an der ersten Bar vorbei, bis wir zu einem kleinen Tante-Emma-Laden kommen. Ich kaufe mir ein Eis, ein Päckchen Orangensaft und etwas Salami für das Baguette, das wir uns mitgenommen haben. Dann sitzen wir so 15 Minuten auf der Bank.
Wir gehen weiter und nach ca. 4 Stunden kommen wir an einem Schild vorbei mit der Aufschrift „645 km bis Santiago“. Ich entscheide mich gegen ein Foto, das Maria machen will, weil ich die Zahl blöd finde. Ich habe am Morgen übrigens schon das erste kleine Video gemacht für das Teil-des-Tages-Video. Manchmal muss ich richtig aufpassen, dass ich es nicht vergesse.
Wir kommen an einem Stand vorbei, wo es Früchte und Käse gibt, die man sich gegen eine Spende nehmen kann. Dort machen wir wieder eine kleine Pause und erklären den Pilgern, die kommen, dass man alles gegen eine Spende nehmen kann.
Nach 15 Minuten beschreiten wir dann die letzten 8 km der heutigen Etappe, die insgesamt eine Länge von 21 km hat. 2 km vor dem Ziel kommen wir an einer Brücke vorbei, über die wir gehen müssen. Aber weil der Fluss darunter so nett ist, beschließen wir, noch eine Pause einzulegen, steigen zum Fluss runter und gehen schwimmen in Unterwäsche. Es ist ganz schön kalt, aber herrlich erfrischend. Als wir trocknen, riecht es aber etwas nach Kacke.
Die letzten zwei Kilometer ziehen sich und um 13:30 Uhr kommen wir in unserer Unterkunft an.
Sie kostet 22 Euro und hat Schlafkojen mit Vorhängen, was nett ist.
Dann wird geduscht und die verschwitzte Wäsche wird gewaschen. Ich ziehe mir frisch gewaschene Kleidung an, in der ich auch schlafen werde, und morgen laufe ich dann mit dieser Garnitur.
Dann gehen Maria und ich in das Dorf Estella – so heißt es heute – und suchen die Taverne auf, die uns der Herbergsvater empfohlen hat. Dort bestellen wir ein Menú del día, das man sich teilen kann. Als Vorspeise gibt es Reis mit Meeresfrüchten, als Hauptgang Schweinebäckchen in Rotweinsoße mit Pommes und der Nachtisch ist ein warmer Brownie mit Eis.
Dann gehen wir in den Supermarkt und kaufen alles für einen großen Salat ein, den wir abends essen wollen: Gurke, Tomate, Salat, Käse, Zwiebeln, Thunfisch, Zitrone. Das Öl nehmen wir vom Thunfisch, und dazu ein Brot. Als Nachtisch gibt es heute Joghurt.
Dann ist es auch schon 16:30 Uhr und wir fallen ins Bett. Wir kommen erst wieder um 18:30 Uhr raus und gehen in die Küche, um den Salat zuzubereiten.
Ich bin ganz schön k. o., kann aber auch an den zwei Radlern zum Mittagessen liegen.
Der Salat ist köstlich, und nachdem wir abgewaschen haben, gehen wir um 20:30 Uhr nochmal auf die Plaza, die jetzt bei angenehmen 21 Grad richtig belebt ist, setzen uns in eine Bar und trinken einen typischen Schlehen-Anis-Likör (Pacharán) und unterhalten uns. Um 21:15 Uhr geht es dann nach Hause, denn ich muss ja noch das Tagebuch schreiben. Nach dem Zähneputzen liege ich also im Bett und ich will heute mal einen ganz normalen Pilgertag beschreiben, weil ich das sonst nie mache.
Schön, dass du dabei bist.
Florian
Bilder des Tages
Da bin ich
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Ach Florian, es ist so schön, Dich täglich begleiten zu dürfen! Du schreibst so wunderbar, Deine Fotos einzigartig, und ich habe das Gefühl mitzuwandern – nur bequemer auf dem Sofa… Danke dafür!
Das freut mich wirklich sehr lieb Petra ich danke dir von Herzen