Heute ist es also so weit. Ich habe immer gedacht, es ist der Tag, an dem ich in Saint-Jean-Pied-de-Port ankomme, aber das stimmt nicht: Es ist der erste große Tag des Abschieds.
Heute ist der letzte Tag von Uphill-Deadly und ich kann mich noch genau an unsere erste Begegnung erinnern. Es war ungefähr vor drei Wochen. Ich weiß nicht mehr, wie das kleine Dorf hieß, aber ich weiß noch, dass ich an einem Tisch saß. Es war mal wieder unglaublich heiß und Richard, den ich schon eine Woche flüchtig kannte, kam gerade an. Ich habe ihn gefragt, wo sein Freund ist, und er hat mir gesagt, dass er noch ein gutes Stück auf dem Weg zurück ist.
Ich weiß noch, dass ich mich etwas gewundert habe, dass Richard nicht mit ihm zusammen gelaufen ist.
Und dann, nach einer halben Stunde, kam Deadly an. Hier sei einmal erwähnt, dass er eigentlich Dudley geschrieben wird, aber er war in einem so desolaten Zustand, dass er für mich „Deadly“ war – der Mann, der halbtot auf einem Platz ankam, an dem ich ein Eis aß.
Er hat dann auch sofort gesagt, dass er so dehydriert ist, dass, wenn er pinkeln müsste, es tiefbraun wäre. Ich fand das alles etwas besorgniserregend und auch nur so mittellecker.
Deadly hatte nicht wirklich Freude auf dem Weg und dazu kamen dann auch noch Blasen und ein Knie. Außerdem hat er ein so analytisches Wesen, dass das wenig Raum für Sinnlichkeit bot; ich hatte ihm keine drei Tage gegeben.
Aber Deadly hat sich durchgebissen, und das mit einem so sanften, friedlichen inneren Kern, der mich verstummen ließ und mich auch ein wenig beschämt hat.
Wie dieser spröde Mann sich mit nasser Hose, humpelnd, mit kaputtem Knie und Blasen unter dem Fuß die Berge, die er leidenschaftlich hasste, hinaufgekämpft hat, hat mir meine Arroganz gezeigt. Und ich weiß nicht, ob ich es geschafft hätte, denn bis jetzt hatte ich keine körperliche Beeinträchtigung, bin 20 Jahre jünger und bin auch nicht weiter gelaufen als er.
Die Vorliebe für ein kühles Eis hat uns verbunden und sein stoisches Durchhaltevermögen hat mich tief beeindruckt.
Er ist innerlich auf der gegenüberliegenden Seite von mir zu Hause, und vielleicht ist das auch der Grund, warum heute für mich nicht das Ankommen in Saint-Jean-Pied-de-Port im Vordergrund steht.
Sondern das Gefühl, dass jemand geht, der mir etwas gezeigt hat, was ich selber nicht habe, aber mir wünschte, ich hätte es.
Also mach es gut, Uphill-Deadly.
Dudley, auf Wiedersehen.
Schön, dass du dabei bist.
Florian
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Da bin ich
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Ach, manno…
ich ahnte ja, daß das ansteht, aber ich bin jetzt wirklich richtig traurig.
Deadly war mein Held!
Wahrscheinlich ist er froh, daß es jetzt erstmal keine Berge mehr rauf muß.
Aber ich hoffe, er ist auch so stolz auf sich, wie ich schon beim nur Mitlesen auf ihn.
Ist ja auch nicht einfach, mit so einem fitten Turnschuh wie Richard mitzuhalten. Oder so einem jungen Hüpfer wie Dir.
Ich bin sicher, Ihr habt einen tollen und lustigen Abend und werdet ihn angemessen verabschieden.
Ich hab jetzt jedenfalls immer jemand, der mir in den Kopf kommt, wenn ich bergauf muß.
Ich habe deadley auch von dir gegrüßt und Maria auch
So viele Emotionen in diesem Text. Abschied. Dankbarkeit. Demut. Bewunderung.
Es bricht nir ein bisschen das Herz, dass er nicht weiter Teil Deiner Reise sein wird, doch wer weiß, für wen nun Raum entsteht?!
Ich finde übrigens, dass Du sehr viel von ihm hast. Ich kenne kaum wen, der zäher ist, als Du.
Danke, dass Du uns mitnimmst!