Heute ist also unsere kleine Pilgergruppe gestartet, und ein bisschen bin ich der Gruppenleiter geworden – also nicht schlimm, aber ich sage natürlich, wann alle ins Bett gehen sollen.
Nein, eigentlich sind wir alle auf unsere Weise Gruppenleiter: Mal geht der eine voran, mal der andere, mal zahlt Deadly das Bier, mal gibt Maria ein Eis aus, und wenn jemand schlecht Französisch sprechen soll, dann übernehme ich das.
Seit gestern haben wir übrigens fast ein neues Mitglied: Delfine heißt sie, kommt aus Frankreich und ist mit ihren 52 Jahren mit mir zusammen jetzt Nesthäkchen.
Gestern habe ich mich das erste Mal mit ihr unterhalten. Sie hat zwei Kinder, die jetzt aus dem Haus sind, und mit dem Weg macht sie nun das erste Mal was nur für sich, ohne Mutter zu sein. Sie hat ihren Job gekündigt und ist jetzt auch ein Jahr unterwegs, ohne zu wissen, wie es danach weitergeht.
Sie will übrigens auch bis nach Santiago gehen.
So laufen wir also alle los, die Pyrenäen fest im Blick.
Morgen werde ich den dritten Teil meiner langen Reise, die sich allerdings überhaupt nicht so anfühlt, beenden, und dann sind es nur noch 780 km.
Als ich heute darüber nachgedacht habe, merke ich, dass mir gerade meine Wohnung in Düsseldorf nicht fehlt, obwohl ich sie wirklich gerne mag. Ich fühle mich auch nicht unbehaust, obwohl ich vor diesem Gefühl Angst hatte und auch dachte, es wird kommen, denn bis jetzt war es immer so, dass ich nach 4 oder 5 Wochen Urlaub dann auch genug davon hatte, woanders zu schlafen. Hier schlafe ich jeden Tag in einem anderen Bett, und trotzdem habe ich das Gefühl, in mir zu Hause zu sein.
Weil das Laufen heute kurz und lustig ist – bis auf ein paar Berge –, gibt es heute was ganz Besonderes: Wie auf den großen Wanderwegen in Amerika bekommt jeder einen Trailnamen, also einen Spitznamen, der für ihn steht.
Also los geht es:
Da haben wir Uphill-Deadly.
Weil er hasst es, Berge raufzulaufen, und ist danach mehr nass als trocken und wird nie müde zu erzählen, wie sehr er Uphills hasst.
Dann gibt es Bonjour-Richard.
Richard spricht ja null Komma null Französisch, was allerdings nicht ganz stimmt, denn egal, wer und wann vorbeikommt, wird von Richard mit einem „Bonjour“ gegrüßt. Auch wenn er eine Frage gestellt bekommt: Richards Antwort – „Bonjour“.
Dann Smash-Potato-Maria.
Maria ist ja die Einzige von uns, die ab und zu im Zelt schläft, und das Einzige, was sie dann isst und sich auf ihrem Gaskocher zubereitet, ist Kartoffelbrei, in den sie Schimmelkäse rührt. Wir bewundern sie für ihre Askese, finden es aber auch ekelig.
Und dann ich.
Ich bekomme den Namen Half-Half-Flo.
Weil egal, wer was zu essen auspackt – sei es ein Sandwich oder ein Eis –, ich immer frage, ob ich nicht die Hälfte haben kann.
Das hat mir schon die schönsten Gesichtsausdrücke beschert und auch diesen Namen.
Als wir mittags alle zusammen ein kühles, von Deadly gesponsertes Getränk zu uns nehmen und das von Maria spendierte Eis essen, kommt Delfine und setzt sich zu uns. Sie ist heute Morgen als Erste aufgebrochen, war aber eine Viertelstunde später wieder da, weil sie ihre Wanderstöcke vergessen hat. Das ist ihr heute dann bei einer Pause sogar noch mal passiert.
Mis-Sticks-Delfine bekommt natürlich auch ein Bier.
Gegen Abend trennen sich unsere Wege, aber morgen werden wir uns bestimmt irgendwo auf dem Weg wieder treffen.
Richard hat beschlossen, mit über die Pyrenäen zu gehen, bis mindestens Pamplona. Maria vielleicht sogar noch drei Tage länger.
So schlimm scheint unsere Gruppe nicht zu sein.
Schön, dass du dabei bist.
Half-Half-Flo
Bilder des Tages
Da bin ich
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Ach, das ist ja schön, daß Ihr noch länger zusammenbleibt!
Uphill-Deadly bleibt mein Seelenverwandter,
aber Du kannst Maria ausrichten,ich kann ihr Zeltessen gut mitempfinden und finde es überhaupt nicht eklig! Kartoffelpü geht immer und tut immer gut. Und Schimmelkäse auch! 👍
Dann gute Nacht, HalfHalfFlo!
Ich guck grad Fussball auf dem Tablet. 🙄
…ihr seid ne Supatroopa-Truppe!
👌🩵😀
danke danke 😉
Das klingt so wunderbar schön. Welch gute Energie!