Also gestern, der Tag war wirklich ein bisschen schwierig. Und im Traum hing er mir auch noch nach. Erstens war es super heiß in der Pilgerunterkunft mit all den anderen pupsenden und schnarchenden Mitpilgern. Und weil ich überhaupt nicht schlafen kann, wenn es super heiß ist, habe ich mir meine Hängematte geschnappt und bin in den Klostergarten gegangen. Ich habe sie dort aufgespannt und bin tatsächlich schnell unter dem Sternenhimmel eingeschlafen. Da habe ich wieder gedacht, wie besonders die Welt sein kann.
Um 1 Uhr bin ich dann aber ziemlich frierend aufgewacht, was jedoch nicht schlimm war, denn ich bin einfach in die verpupste Höhle zurückgegangen. Dort war es dann schön warm. Aber dann habe ich bis zum Morgen davon geträumt, dass mir aus den Fußseiten zwei Parasitenwürmer herauswachsen und irgendwie war nicht klar, wie man sie abschneidet. Deswegen sind sie auch die ganze Nacht an meinen Fußseiten herumgewurmt und ich war einigermaßen froh, als ich um 6 Uhr doch noch – ganz schön gerädert – aufstehen konnte.
Eigentlich hatte ich kein Frühstück gebucht, aber irgendwie bin ich doch im Frühstücksraum gelandet. Dafür habe ich aber auch nur einen sauren Joghurt mit Banane gegessen und dann ging es auch schon los. Erstmal schön nach unten, um dann – ich glaube, das war wirklich die steilste Steigung bisher – 400 Meter hinaufzulaufen. Also 400 Höhenmeter, gestreckt auf 1,5 km. Es ist genau das Richtige am frühen Morgen: so viel schwitzen, dass man nicht mehr nachdenken kann. Noch bevor die Sonne aufging, bin ich oben angekommen und ab da wurde alles leichter.
Denn ich habe mir einen lustigen Trick überlegt, weil ich gerade bzw. gestern irgendwie dachte, dass das alles ganz schön lang ist: Ich habe mir am 12. in Cahors – was sogar eine richtig kleine Stadt ist – ein Zimmer mit Küche und eigenem Badezimmer ganz für mich allein für zwei Tage gebucht. Und dieser Trick bewirkt, dass mir jetzt alles nicht mehr so lang vorkommt. Ich stelle mir die ganze Zeit vor, wie ich gar nichts machen werde. Nur abends vielleicht ein richtig schönes Steak essen. Ich werde ansonsten duschen, wieder ins Bett gehen, einen Film gucken, wieder duschen, irgendwas aus dem Kühlschrank holen und wieder ins Bett gehen.
Was mich aber genauso aufbaut, sind die Nachrichten, die mich heute erreicht haben und über die ich mich sehr gefreut habe.
Und so laufe ich den zweiten Teil ziemlich beschwingt zu Ende. Kurz bevor ich in meine Unterkunft in einem kleinen Dorf am Lot einkehre – der Fluss ist nun schon richtig groß –, gehe ich zur Badestelle, wo ich ganz alleine bin. Ich spanne meine Hängematte auf und werde wohl das letzte Mal in diesem Sommer baden gehen.
Eigentlich wollte ich eine Geschichte darüber schreiben.
Ich habe es gefühlt: Es ist einer der letzten Sommertage. Es ist wie bei einem Besuch, den man sehr gern hat, und trotzdem unterscheidet sich der erste Tag, wenn er gerade angekommen ist und man etwas zusammen unternimmt, vom letzten, bevor er wieder abreist. Auch wenn man genau das Gleiche macht. So geht es mir heute ein bisschen an diesem Tag. Ich liege in der Hängematte und ein bisschen Wehmut schwingt mit, weil ich den guten Freund Sommer, glaube ich, jetzt endgültig ziehen lassen werde.
In der Unterkunft treffe ich noch Bart aus Belgien, der mit seiner Frau zwei Wochen als Volontär in der Unterkunft aushilft und selber schon von Belgien bis nach Santiago gelaufen ist. Er ist wirklich ein sehr freundlicher Mann. Irgendwie erkennt man die Leute, die lange gelaufen sind. Sie haben etwas ganz Offenes im Gesicht. Und dann treffe ich auch noch zwei Amerikanerinnen, die immer gemeinsam durch die Welt reisen und irgendwelche Wanderwege machen.
Alles in allem ist es ein sehr entspannter Abend, aber es gibt noch eine Frau, die mit mir in der gleichen Kammer schläft – die ein bisschen draußen fast unter freiem Himmel ist – und sie fragt mich, ob ich nicht gestern auch in der Abtei war. Ich sage ja, und dann fragt sie, ob ich derjenige wäre, der die ganze Nacht so geschnarcht hätte. Irgendwie trifft mich das, aber ich sage wahrheitsgemäß: „Ich weiß es nicht.“ Und insgeheim hoffe ich, dass ich ihr heute Nacht die Hucke vollschnarche. Vielleicht pupse ich auch mal.
Schön, dass du dabei bist.
Florian
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Da bin ich
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