Meine heutige Unterkunft liegt zwischen zwei Etappen. Und so ist es passiert, dass ich heute ganz alleine hier bin. Ein bisschen seltsam, weil es wahrscheinlich trotzdem Essen mit den Gastgebern gibt. Ich bin mal sehr gespannt.
Die Unterkunft ist allerdings wahnsinnig schön. Sie besteht aus drei Häusern. In einem wohnen die Herbergseltern. Dann gibt es noch eine Pilgerunterkunft für eigentlich 19 Pilger (vorgestern waren auch 19 Pilger da, heute nur ich) und ein drittes Haus ist für Menschen, die ein Burnout haben.
Als ich ankomme, stehen schon kalte Getränke auf dem Tisch für mich, und nach 20 Minuten, die ich in einem Liegestuhl in der Sonne verbringe, kommt dann auch der Gastgeber. Wir kommen ins Gespräch und ich frage ihn, wie er auf die Idee gekommen ist. Er erzählt mir, dass er 2017 ein Burnout hatte und dann den Jakobsweg gelaufen ist. Und er sagt, dieser Weg habe ihm das Leben gerettet und sein ganzes Leben verändert. Dort hat er auch seine Frau kennengelernt, und dann haben sie gemeinsam beschlossen, selber eine Herberge zu eröffnen. Sie haben hier alles mit so viel Liebe eingerichtet. Es gibt einen Malraum, eine kleine Kapelle, wo jeder seinen Wunsch aufhängen kann – habe ich auch gemacht –, und dann gibt es noch einen Raum, wo man Yoga machen kann, wenn man das kann. Ich kann es leider nicht. Deswegen war ich dort nicht.
Ich stecke gerade irgendwie in so einem Wellental der Pilger. Das heißt, ich bin gerade in ein, zwei Tagen unterwegs, an denen relativ wenig los ist. Vor zwei Tagen waren hier noch 25 Pilger, heute bin ich irgendwie der Einzige.
Das heißt, ich esse mit den zwei Volontären, seiner Frau und ihm alleine zu Abend. Alle geben sich furchtbar Mühe, mit mir Englisch zu sprechen, und ich gebe mir furchtbar Mühe, auch das ein oder andere Wort Französisch zu sagen. Es ist sehr herzlich, sehr lecker und sehr zugewandt. Während der Vorspeise kommt plötzlich doch noch ein Pilger vorbei. Er ist schon seit drei Monaten unterwegs, durch ganz Frankreich. Leider spricht er überhaupt gar kein Englisch.
Sein Papa hat leider Krebs und für ihn läuft er jetzt. Leider bekomme ich nicht alles mit, aber er ist sehr entspannt. Vielleicht sogar noch ein bisschen mehr als ich. Er bucht überhaupt gar keine Unterkünfte vor, sondern schläft dann einfach auf seiner Luftmatratze draußen, wenn er nichts findet. Mir ist das ein bisschen zu spontan und spartanisch, aber ein bisschen neidisch bin ich schon.
Naja, man muss ja auch immer noch etwas haben, dem man ein wenig nacheifern kann. Außerdem ist er 37.
Schön, dass du dabei bist.
Florian!
Bilder des Tages
Da bin ich
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Das war doch wieder ein schönes MiteinanderAbendessen.
Braucht man nicht immer, aber oft ist es nach so einem Tag alleine Wandern sicher auch schön und gut.
Mir hat ja vor allem der Malraum unglaublich gefallen! Da hätte ich sicher ein bißchen was pinseln müssen. 😉
Du bist ja jetzt schon ganz schön lange unterwegs!
Ist Düsseldorf sehr weit weg?
Und das Theater?!
Ich träume derzeit soviel vom Theater wie in den 50 Jahren vorher nicht und alle kommen mal vor.
Da bin ich tief drinnen wohl noch nicht so weit weg, wie es sich eigentlich so im Alltag anfühlt.
Ich wünsch Dir weiter nette Herbergseltern auf dem Weg!
Und Vorbilder natürlich auch. Obwohl das mit dem einfach draußen Schlafen ja jetzt zunehmend auch nur was für sehr kälteresistende Leute sein wird.
Liebe Grüße nach Frankreich!
Wann kommst Du an die Grenze?!
Ja Düsseldorf ist wirklich gerade weit weg und mir geht es mit dem Theater gerade gar nicht so vielleicht liegt das aber auch an den anderen Eindrücken. Aber ich habe nicht das gefühl das mir gerade etwas fehlt.
Ich glaube ich bin noch so bis zum 29 September in Frankreich dann kommt der Spanische Jakobsweg
liebe Grüße zurück liebe Eva
Ich lese immer mal wieder einige deiner Reiseerfahrungen. Spannend und Eindrücke aus einer ganz anderen Welt als der meinen. Ich brauche feste Bedingungen, eine geregelte Tätigkeit, meine Wohnung und ganz besonders mir vertraute Freunde. Und jetzt geht zum Glück auch wieder Theater los, da war ich „auf Entzug“.
Wünsche dir weiter so viele verschiedene Eindrücke! Behalte die Lust am Reisen!! Herzliche Grüße!
ja da danke ich dir und es ist doch gut das wir alle so unterschiedlich sind 🤩