Juhu, ich habe überlebt. Ich wache morgens auf und es ist tatsächlich nichts angenagt. Also raus aus dem Zelt. Und wie ein guter Wildcamper hinterlasse ich natürlich den Platz genauso, wie ich ihn vorgefunden habe. Niemand würde bemerken, dass ich hier war. Heute scheint die Sonne. Es ist wirklich herrlich, ein bisschen wie in einem Urwald; niemand ist unterwegs. Nur ich, schön Musik auf den Ohren, und weil ich ja gestern länger gelaufen bin, darf ich heute kürzer laufen.
Also erstmal ein kleines Frühstück genommen im nächsten Ort, und weil ich ja Ferien habe – jetzt 10 Monate lang – gönne ich mir als Frühstück einen Apfelkuchen und lasse mir noch ein Brötchen mit Fleischwurst von Günther, dem netten Kaffeebesitzer, machen. Als ich sage, dass ich nach Santiago will, sagt er: „Oha. Das dauert ja ein halbes Jahr.“ Ich sage: „Na ja, eigentlich habe ich nur drei Monate eingeplant.“ Darauf sagt er: „Auf einen Tag mehr oder weniger kommt es ja nicht an.“ Ich finde, das ist der beste Witz des Morgens.
Der Weg heute ist besonders schön. Schafe, Schmetterlinge und immer was fürs Auge. Und um 15 Uhr komme ich schon bei meiner Unterkunft an. Sie gehört einer alten Dame, Frau Sani. Ich mache mich erstmal ein bisschen frisch und dann sitzen wir in der Küche zusammen. Ich sage, dass das ganze Haus nach Kuchen riecht. Sie sagt, leider hätte sie keinen Kuchen, aber ein Eis hätte sie für mich, mit Schokosoße. Warum nicht? Und kurz darauf habe ich ein großes Vanilleeis mit lecker Schokosoße.
Wir sitzen zusammen auf der Veranda und sie erzählt mir: Als ihr Mann gestorben ist (irgendwie sterben in der Eifel die Männer früher weg), wusste sie nicht, was sie mit den zwei Zimmern machen sollte. Sie hat eine Freundin, die ein kleines Hotel in der Nähe hat. Eines Sommers rief diese an und fragte, ob sie nicht zwei Gäste unterbringen könne. Sie habe ihr Hotel überbucht. Und das hat ihr so gut gefallen, dass sie einfach nicht mehr damit aufgehört hat, Gäste zu empfangen.
In meinem Zimmer ist auch ein Buch von einem Pilger, der 2700 km nach Santiago gelaufen ist, wie ich. Ich schaue in das Buch rein und das ist schon lustig. Es ist ungefähr von 1980 und die Beschreibungen sind sehr amüsant. Er hat es sich auf jeden Fall richtig gut gehen lassen. Er ist irgendwie ständig in Hotels gewesen und ganz oft sind Beschreibungen von richtig opulenten Mahlzeiten darin.
Apropos richtig opulente Mahlzeit: Frau Sani sagt, dass ihr Enkel heute Abend noch mal kommt und sie einen Schweinebraten macht. Was für ein Zufall! Denn Schweinebraten war als Kind immer mein Lieblingsessen. Das sage ich Frau Sani auch. Dann gehe ich kurz einkaufen, Proviant für morgen. Und als ich wiederkomme, steht Frau Sani mit einem Tablett vor mir mit Rotkohl, Schweinebraten und Kartoffeln. Ich esse es auf meiner Terrasse und bin rundum zufrieden.
Schweinebraten-glücklich lasse ich den Tag ausklingen.
Ich freue mich, dass du dabei bist.
Bis morgen,
Florian!
Bilder des Tages
Da bin ich
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Was hast du für schöne Begegnungen🌸💖 gute Nacht!
Guten Morgen ❤️
Ja, das war wirklich sehr schön. Heute muss ich wahrscheinlich wieder im Wald schlafen, weil eine Unterkunft habe ich bis jetzt noch nicht bekommen 😱😁🌸
Du transportierst Leichtigkeit – und das nach langen, eindrucksvollen Tagen. WOW ☀️
Und Dankeschön !
Das ist aber ein schöner Kommentar. Das freut mich wenn ich das transportiere. Natürlich ist es auch anstrengend, aber vor allem schön 🌸🌸
So schön die Fotos, die Begegnungen, wie du erzählst.
Pflichtprogramm einmal am Tag bei dir vorbeischauen.
Liebe Rosa
Das freut mich wirklich sehr, dass du dabei bist und mitliest. Habe unser Gespräch wirklich in sehr schöner Erinnerung