Also, heute bin ich 28 km gelaufen und es war gar nicht so schlimm. Ich habe eine neue Technik, und zwar: 4 km laufen, 10 Minuten Pause. Nach 16 km eine 30-minütige Pause mit Schuheausziehen. Das war richtig gut. Ich muss mich ja ein bisschen dazu zwingen, nicht immer durchzulaufen und anzukommen, sondern auch einfach mal ein bisschen zu schlendern und Pausen zu machen.
Außerdem gab es heute noch leckere Stachelbeeren und Heidelbeeren, einfach so am Wegesrand gepflückt, zwischen zwei Kilometern. Heidelbeeren im Wald, ohne dass man dafür auch nur einen Schritt vom Weg abweichen muss – das ist doch einfach das größte Glück, das man haben kann. Aber es wird noch besser.
Eigentlich wollte ich nur bis Prüm laufen und dort auf den Campingplatz gehen. Aber das war schon wieder so ein Dauercamper-Parkplatz und so. Richtig wohl fühle ich mich da nicht, und die Jugendherberge kostet 80 €. Das ist doch irre. Welcher Jugendliche kann sich das denn leisten?
Also bin ich weitergestapft bis nach Rommersheim. Da sollte es angeblich eine kleine Pension für 30 € geben. Aber ich komme an, keiner macht auf und es sieht auch ziemlich tot aus. Also gucke ich noch mal auf meinen Weg und komme an einem großen Wald vorbei. Ich überlege kurz, dann hole ich mir noch schnell auf dem Friedhof zwei Liter Wasser und ab in den Wald. Und dort baue ich mein Zelt auf.
Ich habe mich in Prüm schon mit Verpflegung versorgt. Zum Abendessen gibt es heute Baguette, Salami, Obazda und Gurke – hmm, köstlich!
Außerdem kann ich dann noch mein Zaubersalz ausprobieren, das ich mitgenommen habe. Es muss ja alles benutzt werden, sonst hat man es umsonst getragen. Und jetzt liege ich in meiner Hängematte, schreibe dir diesen Text und fühle mich eigentlich ganz wohl. Viel schöner kann es eigentlich nicht aussehen. Und weil ich heute schon so weit gelaufen bin, ist es morgen viel kürzer.
Außerdem habe ich eine Pilgerin, die zwei Tage vor mir läuft. Zwar nur bis Trier, aber die stalke ich die ganze Zeit über Facebook. Da gibt es eine Seite, die „Ein Dach für Pilger“ heißt, und sie versorgt mich immer mit Informationen. Und morgen bin ich wohl bei einer sehr lieben Frau in einer Pension, die ein super Frühstück macht.
Ich freue mich. Ciao und bis morgen!
Bilder des Tages
Da bin ich
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