der schönste unnötige Gegenstand

Wenn man 2.600 km läuft, geht es natürlich auch ein bisschen darum, dass man nicht zu viel mit sich herumschleppt. Es gibt einige Sachen, die ich eigentlich nicht mitnehmen müsste. Zum Beispiel einen kleinen Laptop; aber ich will unterwegs auch schreiben. Mit Block und Stift wäre das natürlich alles viel schöner und romantischer, aber ich kenne mich: Das würde nicht lange halten, und eine Woche später könnte ich meine eigene Schrift nicht mehr lesen.

Aber es gibt eine Sache neben all den anderen Dingen, die ich dabei habe, die wirklich unnötig ist: meine Hängematte. Eigentlich habe ich nämlich ein Zelt, eine Isomatte und einen Schlafsack – mehr bräuchte es im Grunde nicht. Und sitzen kann man natürlich auch überall am Wegesrand. Aber diese Hängematte ist für mich der unnötige Luxus, den ich mir leiste. Schon jetzt spielt sie eine große Rolle in den Bildern, die ich von meiner Reise im Kopf habe.

Innerlich gibt es schon dutzende Plätze, an denen sie bereits hängt. Da ist zum einen eine Lichtung vor einem Wald – zwei Apfelbäume stehen dort im perfekten Abstand. Ich liege in meiner Hängematte in der Abendsonne und schaue versonnen auf mein aufgebautes Zelt. Sie ist meine Begleiterin, wenn ich das erste Mal einen Bauern in Frankreich frage, ob ich für eine Nacht in seinem Garten oder auf seinem Acker übernachten darf, weil ich Pilger bin. Das ist etwas, wovor ich wirklich ein bisschen Schiss habe, weil ich im Grunde recht schüchtern bin. In meiner Vorstellung sagt der Bauer natürlich „Oui“. Ich baue meine Hängematte auf, bekomme etwas zu trinken und ein paar Äpfel von ihm – er ist natürlich schon ein bisschen älteren Semesters und findet es toll, dass ich nach Santiago pilgere.

Manchmal stelle ich es mir auch ein bisschen gemein vor: Es ist Mittag, die Sonne knallt, der Weg ist staubig und ich liege in meiner Hängematte. Ich sehe andere Pilger an mir vorbeilaufen, die ein wenig neidisch auf mich und meine baumelnde Auszeit schauen, und denke mir heimlich: „Hihihi“.

Dann stelle ich mir vor, wie ich mit der Hängematte zwischen zwei Laternen an einer Strandpromenade hänge und auf das Meer hinausschaue. Das Problem ist nur: Ich komme nie an einem Meer vorbei. Aber egal. Trotzdem ist dieses Bild in mir.Und vielleicht wird dadurch mein schönster und unnötigster Gegenstand zum nötigsten Begleiter der ganzen Reise.

1 Kommentar zu „der schönste unnötige Gegenstand“

  1. Das ist ein hervorragender Gedanke: Hängematte und etwas träumen beim „abhängen“. Ob du nicht am Meer vorbeikommst- wer weiß? Vielleicht gibt es Begegnungen und Abstecher für dich in kleinen Momenten.
    Gutes Gelingen! Gesegneten Weg.

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