Klaus sagt ich schaffe das

Ich habe wunderbar geschlafen. In Frau Sanis Gästezimmer. Wahrscheinlich habe ich auch noch von Schweinebraten geträumt. Jedoch wird dieser wunderbare Traum verdrängt durch das köstliche Frühstück, das schon unten steht und das Frau Sani liebevoll für mich vorbereitet hat. Irgendwie fühle ich mich wie in den 60ern. Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal so ein schönes, ehrliches Frühstück hatte.

Frisch gestärkt geht es los und jetzt geht es erst mal innerhalb von 5 km 200 Höhenmeter hinauf – endlich richtig Eifel. Es ist noch leicht kühl, aber die Sonne scheint, und wenn ich auf die Felder gucke, die Kornfelder, fällt mir immer dieses Gedicht oder diese paar Zeilen von Rilke ein: „Herr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.“ Und ich habe das Gefühl, dieses Gedicht wird mich begleiten, oder ich laufe in dieses Gedicht hinein.

Es geht rauf und runter, und natürlich bekomme ich heute auch einen Pilgerstempel. Und zwar in Ammeldingen in der kleinen Kirche St. Isidor. Dort hat mir die Pilgerin, die ich über Facebook „stalke“ bzw. die mir immer gute Tipps gibt und zwei Tage vor mir läuft, eine Grußnachricht im Pilgerbuch hinterlassen, was eine schöne Überraschung ist. Der Pilgerstempel ist leider nicht da, denn der befindet sich bei Herrn Meyer im Kirchweg 16. Also auf dorthin.

Herr Meyer heißt eigentlich Klaus, und weil der Stempel so oft geklaut wurde, hat er sich in einer Dorfratssitzung bereit erklärt, weil er sowieso am Weg wohnt, die Pilger zu betreuen und abzustempeln. Außerdem hat er noch mit Muscheln ein schönes, kleines Denkmal gebaut. Vor dem will er auch mit mir fotografiert werden. Er fragt, ob ich ein Bier haben will. Alkoholfrei natürlich, mit einem Augenzwinkern, oder auch mit Alkohol. Wir einigen uns auf Sprudelwasser und er füllt mir auch meine zwei Flaschen mit Sprudelwasser auf. Er sagt, er guckt sich die Pilger immer genau an, und er hat bei mir das Gefühl, dass ich es schaffe.

Handschlag, Schulterklopfen und weiter geht’s rauf und runter durch die schöne Eifel. In Neuerburg gibt es zu Mittag eine richtige Salami-Pizza im einzigen Schnellimbiss im Ort. Es gibt noch eine Pizzeria, aber die hat donnerstags zu. Glück gehabt. Und dann wandere ich weiter nach Sinspelt, meinem Ziel für heute. Leider ist die Gästewohnung bei Frau Marion ausgebucht, und so bin ich wieder mal glücklich, dass ich ein Zelt dabei habe.

In Neuerburg habe ich mich mit Wasser und Lebensmitteln eingedeckt, und zack ist mein Rucksack zwei Kilo schwerer. Was sehr gut tut bei dem steilen Anstieg, der nach Neuerburg kommt. Auf dem Weg treffe ich noch Andreas und Christina. Leider hat Christina Blasen. Sie pilgern auch, und zwar jedes Jahr vier oder fünf Tage, und wollen auch nach Santiago. Ihr könnt euch vorstellen: Sie machen das schon jahrelang. Sie erzählen mir, die ersten Wanderungen haben sie gemacht, da waren ihre Kinder noch klein und sie haben sie mit einem Wagen hinterhergezogen. Nun sind die Kinder groß und wollen nicht mehr mit, aber die beiden schlagen sich wacker durch. Eine Lebensaufgabe. Wie schön.

An der Kreuzung vor Sinspelt verlasse ich die beiden Richtung Wildnis, wo ich mir ein Plätzchen für mein Zelt suchen werde. Vielleicht treffen wir uns morgen wieder. Und was soll ich euch sagen? Jetzt liege ich in meiner Hängematte. Bin froh, dass ich Gummibärchen habe und nachher noch einen schönen Roquefort-Käse und Fisch in Meerrettichsoße mit Baguette. Ein Festmahl nach diesem Tag, aber nur ein karger Ersatz für Frau Sani.

Schön, dass du dabei bist.

Bis morgen, Florian.

Bilder des Tages

Da bin ich

Travelers' Map wird geladen …
Wenn du dies siehst, nachdem deine Seite vollständig geladen wurde, fehlen leafletJS-Dateien.

6 Kommentare zu „Klaus sagt ich schaffe das“

  1. Wirklich wahr…..wenn alle immmer jammern, wie schlimm es ist in Deutschland ist und wie unfreundlich die Deutschen sind, dann muß man sie nur mit Dir losschicken auf dem Pilgerweg durch die Eifel. Der holt auf jeden Fall das Beste in den Leuten hervor, egal, ob sie ihn gehen oder an ihm wohnen.
    Tut richtig gut, mit Dir jeden Tag ganz normalen herzlichen Menschen zu begegnen!
    Da wünsche ich doch guten Appetit beim köstlichen Abendessen und eine geruhsame Waldnacht!

    1. Liebe Eva, wie schön, dass du das so siehst.
      Und es ist tatsächlich so, ich habe irgendwie das Gefühl. Ich bin aus der Zeit gefallen. Alle sind wirklich sehr freundlich zu mir

  2. Lieber Flo,
    wer dir nicht die Tür aufmacht, ist selber schuld! Du bist so ein herzlicher, friedlicher Mensch und das bekommst du zurück!
    Du schaffst das, natürlich!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Nach oben scrollen