Jetzt ist es also passiert. Ich bin losgelaufen. Und eigentlich weiß ich gar nicht, wie oder was ich an diesem Tag schreiben soll. Ich habe mich monatelang darauf vorbereitet und bin im Kopf immer durchgegangen, wie es wohl werden wird. Und gleichzeitig wusste ich auch, dass es ganz anders wird. Eigentlich hat es gestern Abend schon angefangen: eine innere Unruhe. Vorgestern war der letzte Tag, den ich am Theater verbracht habe, an dem ich 10 Jahre gearbeitet habe. Und gestern Abend fühlte sich plötzlich alles leer an. Es folgte eine Nacht mit wirren Träumen im Dämmerzustand, und aufgewacht bin ich komplett gerädert. Jetzt musste ich nur noch die letzten Sachen wegräumen. Das Bett abziehen, alles für die Untermieter. Und gleichzeitig wurde die Unruhe ein wenig zur Angst. Einsamkeit machte sich breit in mir. Aber ich habe meine Schuhe angezogen, den letzten Müll runtergebracht, dann meinen Rucksack aufgezogen und bin irgendwie wie ein Schlafwandler die Treppe runtergegangen. Nachdem ich meine Wohnungstür abgeschlossen hatte, habe ich den Schlüssel in den Briefkasten geworfen. Ich habe die letzten Tage viele Nachrichten bekommen von Leuten, die sich für mich freuen, mir Mut machen, neidisch sind und mir Glück wünschen. Und trotzdem gehe ich heute alleine los. Mein Kopf versucht, eine Lösung zu finden, das Problem der 10 Monate, die vor mir liegen, zu lösen, aber er findet keine. Und so drehen sich meine Gedanken im Kreis um mein Loch im Bauch.
Ich stapfe durch die Stadt. Es ist 8 Uhr morgens und jetzt schon ziemlich warm. Es ist irgendwie ein seltsames Gefühl, wenn die Gedanken keinen Halt finden. Aber dann passiert etwas Seltsames: Als ich in Düsseldorf am Uniklinikum vorbeilaufe, kommt mir eine junge Frau entgegen und hält mir ein Handy hin. Ich glaube zuerst, sie sucht den Weg, aber dann sehe ich den Buchtitel: „Arbeit und Struktur“. Sie bedankt sich bei mir für die Aufführung, die ich gespielt habe, und sagt, dass das Buch ihr in einer Situation gerade sehr hilft. Es fühlt sich seltsam an und schön, dass die erste Begegnung auf meinem Weg eine mit dem Theater ist, das ich verlassen habe. Es ist wie ein Echo des Stückes, das mir am meisten bedeutet hat.
Es ist noch wahnsinnig heiß und ich laufe am Rhein entlang, bis ich schließlich um 14:30 Uhr mein Ziel erreiche. Es ist ein schmuckloser Campingplatz am Rhein, der nur mit Dauercampern bevölkert ist – ein schattenloser Parkplatz deutscher Spießigkeit. Ich bin das einzige Zelt und baue mich hinten links auf einem sonnenverbrannten Ödland auf. Jetzt noch schnell kalt duschen und dann gehe ich in den Wald und baue meine Hängematte auf. Unter Bäumen liege ich im inneren Niemandsland und schreibe über den ersten Tag.
Bilder des Tages
Da bin ich
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Was für eine schöne Begegnung am ersten Tag!
Man geht von allem weg und hat doch was vom Besten dabei.
<3
Schön, dass du mich begleitest
Das klingt bestärkend. Und tolle Bilder! Was es alles zu entdecken gibt.. Es geht los! Eine erholsamere Nacht und eine schöne weitere Wanderung.
Vielen Dank
🩷
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🍀🥾🥾🍀
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