Fortsetzung
Unten angekommen, dachte Hardric, und er meinte damit nicht nur die Landung der Huey.
Ihre Rotorblätter wollten nicht aufhören, die Luft zu zerhacken, um andere wie ihn zu fressen und wieder auszukotzen, dorthin, wo Gräser ihnen die Hände zerschnitten.
Er starrte auf seine Fäuste – Klumpen aus Erde und Blut.
In gebückter Haltung rannte Hardric unter den Rotorblättern hindurch auf einen Hangar zu.
Er spürte, wie der Helikopter abhob; hören konnte er es nicht mehr, immer nur dieses Fiepen im Ohr.
Er öffnete seine Faust, und fast unbefleckt, geschützt durch seine krampfhafte Umklammerung, sah er, was auf dem Zettel stand:
„Sie warten schon“
Unwillkürlich hob sich sein Blick, und er sah, wie die Hubschrauber, ein Libellenschwarm im schwülen Dunst, kleiner wurden und verschwanden.
In seinem Kopf quälte sich ein „Happy Birthday“ durch.
Dann drehte er sich um und ging.
Den Zettel in der Faust.
Es war ein warmer Juliabend, und Hardric blieb stehen. Das Fiepen hatte sich verändert. Klang es nicht monoton? Nun war es geradezu melodisch. Er steckte sich den kleinen Finger ins Ohr und rüttelte ordentlich. Ja, jetzt war es weg, nur noch der alte Pfeifton. Doch es war wieder da, als er gerade wieder losgehen wollte.
Irritiert schaute er sich um.
Und plötzlich wusste er, was es war: Er hörte Vögel, das erste Mal seit fast zwei Jahren, seit er aus dem Hubschrauber ausgestiegen war.
Der Weg vor ihm verschwamm. Scham ballte seine Faust zusammen, und leichter ging er weiter.
Hardric lächelte.
Er hatte keine Zeit, er war spät dran und wollte nach Hause.
Als er in die kleine Einfahrt einbog, stand sein großer Bruder schon da, der ihn auf die Schulter boxte. „Wo bleibst du denn?“, lachte er, „sie warten schon!“
Und im Dämmerlicht des Sommerabends stand seine Familie auf der Veranda. Seine Mutter, sein Vater, sogar seine Tante Leonore war gekommen, und sie sangen „Happy Birthday“.
Hardric jedoch hörte sie nicht. In seinem Kopf war nur der Satz seines Bruders: „Sie warten schon“, und er wusste, irgendwo stand die Familie von dem ohne Hände mit nur noch einem Daumen und wartete.
Er rannte hoch in sein Zimmer, riss seine Schreibtischschublade auf und strich den Zettel glatt, der seit damals dort lag.
„Auf dem Tisch liegend sieht er viel größer aus“, dachte Amira.
„Sie warten schon“, was sollte das heißen? „Vielleicht auf mich?“, huschte es kurz durch ihren Kopf, um sich dort festzuhaken, obwohl sie bescheiden den Gedanken verwarf.
Sie untersuchte den Zettel. Er war ganz glatt, nur kleine Linien, die ihn wie Nervenbahnen durchzogen, wenn man ihn gegen das Licht hielt, verrieten, dass er auch schon zusammengeknüllt worden war.
Hatte man ihn weggeschmissen und dann wieder aus dem Müll geholt, und wenn ja, warum? Kein Hinweis sonst, nur wenige Flecken, die meisten braun wie Spritzer von Schlamm, nur eine Ecke etwas rostrot, fast wie der Abdruck eines Daumens.
Sie ging zum Globus und schaltete das Licht ein, und ohne zu wissen, warum, presste sie das Stück Papier auf das blaue Plastikrund. Das Telefon klingelte. Für einen kurzen Moment dachte sie an ihn, beim dritten Klingeln an seine Stimme, sein „Na und?“, und beim zwölften Klingeln hatte sie ihn vergessen. Dann hörte es auf, doch das merkte Amira schon nicht mehr. Sie hatte begonnen, den Globus zu drehen.
Und Länder zogen unter dem „Sie warten schon“ vorbei.
Bilder des Tages
Da bin ich
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