Heute viel besser als gestern. Das liegt nicht daran, dass es kühler ist. Ist im Gegenteil: Es ist sogar noch wärmer als gestern. Aber allein, dass ich weiß, dass ich morgen nur noch einmal laufe und dann einen Pausentag mit Pool habe, macht alles irgendwie nur noch halb so schlimm.
Außerdem bin ich früh los und noch bevor ich die Industriegebiete von Dijon erreiche, steige ich in einen Bus und fahre die letzten Kilometer in die Stadt. Entspannung ist angesagt, weil heiliger wird man dadurch bestimmt nicht, durch die hässlichen Straßen, die gesäumt sind von Industrieriesen-Containern, zu laufen. Also bin ich schon recht früh in der Stadt. Gebe meinen Rucksack ab im Hotel und gehe weiter und nehme erstmal ein köstliches verspätetes Frühstück mit Schokoladencroissant und einem Kaffee. Und dann zur Touristeninformation, denn ich habe einen Tipp bekommen von der guten Helga, dass es hier einen Eulenweg gibt, und tatsächlich sind überall auf dem Boden Eulen in Messing eingelassen. Ich bekomme auch ein Büchlein auf Deutsch und los geht’s.
Ich laufe immer den Eulen hinterher durch das wirklich sehr schöne Dijon. Und da die Gassen recht eng sind, gibt es immer auch auf der einen oder anderen Seite schönen Schatten. An einer Kirche kommt man sogar an der Eule vorbei, die aus Stein gehauen ein Glücksbringer ist. Denn wenn man seine linke Hand rauflegt und sich ganz feste was dabei wünscht, dann geht es in Erfüllung. Auf jeden Fall habe ich mir von Herzen was gewünscht und ich hoffe sehr, dass es in Erfüllung geht. Ich laufe die ganz große Runde. Gehe in das Museum für schöne Künste, was sogar kostenlos ist und wirklich toll ist. Aber wie immer bei Museen bin ich eigentlich nach einer Etage komplett voll. Ich mache trotzdem noch eine zweite halbe und dann denke ich mir: Ich habe doch schon genug gesehen, das nehme ich jetzt erstmal mit. Ich finde, das ist immer das Schwierige bei Museen. Man geht rein voller Elan und widmet sich den ersten Kunstwerken. Schaut sie sich intensiv an, denkt nach und dann geht man weiter zum zweiten, wieder ein intensives Anschauen und so weiter, bis man dann schließlich am hundertsten mit einem leichten „Aha“ oder „Oh, schön“ vorbeigeht und gar nicht mehr weiß, wo man die Eindrücke hinstecken soll.
Ich weiß noch früher, wenn ich in München war, musste entweder mein Vater oder meine Oma mit mir ins Deutsche Museum gehen. Da war ich bestimmt 20-mal – also wenn es reicht. Am besten fand ich immer die Raumfahrtabteilung, das U-Boot und das Bergwerk. Und da gab es nämlich früher noch Rüttelmaschinen. Das waren so lustige Geräte, die haben ausgesehen wie eine Waage, waren aber nicht so gemein und haben einen dann ordentlich durchgerüttelt. Und dann sollte man angeblich wieder stundenlang durch das Museum laufen können. Als Kind kannst du ja eh stundenlang laufen, aber heute hätte ich es gerne nochmal ausprobiert in dem Museum für schöne Künste.
Jetzt ist es auch schon ein Uhr oder wie ich gerne in Frankreich sage: le temps du plat du jour. Ich gönne mir ein richtig schönes Pommes-Fleisch und eine Panna Cotta als Dessert. Danach geht es noch zur Post, denn ich habe während meines wohlverdienten Mittagessens noch die Karte geschrieben, die die Gewinner von meinem letzten Newsletter bekommen. Es sind Julia, Paul und Fiene. Mein Rucksack wiegt nämlich 12 Kilo und sie waren am nächsten dran. Und alle, die jetzt sagen, dass das ganz schön schwer ist: Das stimmt, aber an den heißen Tagen sind da einfach auch drei Kilo Wasser dabei. Und weil es immer noch eine Stunde dauert, bis ich in mein Hotel kann, setze ich mich in die Straßenbahn und fahre an den Stadtrand, weil es da nämlich einen Decathlon gibt und meine Wanderstöcke dringend neue Schuhe brauchen, denn sie sind durchgelaufen – meine übrigens fast auch. Deswegen werde ich dem Sebastian welche zuschicken, die er mir dann mitbringt. Hoffentlich, wenn ihn nicht der Mut verlässt. Das wäre schlimm, denn dann hat er neue Schuhe und ich niemanden, der langsamer ist als ich. Eine neue Mütze wird auch noch gekauft und neue Wandersocken auch, das bessert meine Laune. Denn heute werde ich meine Socken einfach wegschmeißen und sie nicht zum hunderttausendsten Mal waschen. Das kommt erst morgen wieder.
Und als ich dann endlich in das Hotel kann, begrüßt mich völlig unerwartet das große B: Es gibt eine Badewanne! Ich flippe aus. Das Zimmer ist angenehm auf 21 Grad temperiert. Ich bin im sechsten Stock mit einem kleinen Balkon nach Westen raus, was später noch eine Rolle spielen wird, und habe eine Badewanne. Sofort sieht das Hotelzimmer aus, als wäre eine Bombe eingeschlagen. Ich lasse alles stehen und liegen und schmeiße alles von mir. Lasse Wasser rein und völlige Entspannung. Um die Ecke ist sogar noch ein Supermarkt. Da habe ich mir noch kühle Getränke und ein paar Chips gekauft – also alles, was gesund ist und Vitamine hat.
Und da das Zimmer sogar eine kleine Küche hat mit Mikrowelle, gibt es auch noch Spaghetti Bolognese mit Käse, und zwar genau um 19:20 Uhr. Da sitze ich nämlich glücklich mit Spaghetti Bolognese vor meinem Balkon und schaue in die Sonnenfinsternis, die genau vor meinen Augen im azurblauen Himmel stattfindet.
Jetzt bin ich vollkommen versöhnt, mache noch einen Abendspaziergang und führe meinen neuen Schnauzbart aus. Mal sehen, wie lange wir Freunde bleiben werden. Morgen geht es früh los. Sehr früh sogar, aber was macht das schon, denn auf mich wartet ein Pool! Und außerdem habe ich mir heute noch eine kleine Bürste gekauft, denn morgen wird mein Rucksack an den Schultergurten geschrubbt und entstunken.
Schön, dass du dabei bist
Florian
Bilder des Tages
Da bin ich
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Ach wie schön, dass du meinen Tipp in die Tat umgesetzt hast. Den Eulenweg bin ich vor vielen Jahren mit Lisa gelaufen und habe mich bei deinen Fotos wieder in diese Zeit zurückversetzt gefühlt.
Genieß den Pool, a bientot
Bergwerk auf die Eins 🩷
das stimmt :))
Was ein reicher Tag! Wie schön!!! Ich mag den Schnauzer.
❤️❤️❤️
Das Sonnenfinsternis Foto! Hammer!
Es ist sowieso immer ein Genuss deine Fotos anzusehen. Aber das Bild hat mich noch mal richtig gepackt.
Ach es macht echt Spaß mit dir mit zu fiebern. Alles Liebe
Hallo liebe Nadja,
wow, vielen Dank für das tolle Kompliment! Es freut mich riesig, dass dich das Sonnenfinsternis-Foto so gepackt hat
Und danke fürs Mitfiebern und deine lieben Worte, das motiviert unglaublich!
Alles Liebe zurück und bis ganz bald! ✨