Anhänger

Heute Morgen um 7 Uhr sind wir zusammen mit meinem italienischen Freund von gestern gestartet. 33 km liegen vor uns, aber da wir uns wirklich sehr gut unterhalten, vergeht die Zeit wie im Fluge. Um 12 Uhr haben wir schon 20 km geschafft. Wir haben uns die ganze Zeit eigentlich über alles und nichts unterhalten. Über seine Leidenschaft für alte Autos, wie ich inkontinent durch den Wehrdienst geschlüpft bin, dass seine Frau sehr gerne Wohnungseinrichtungs-Fernsehsendungen sieht, er sie aber schrecklich findet, und er im Gegenzug eine große Vorliebe für „Wie mache ich mein Auto aus den 70er Jahren wieder fit?“-Fernsehsendungen hat, welche wiederum seine Frau schrecklich findet. Alles in allem glaube ich, sie haben eine sehr glückliche Beziehung.
​Wir reden über die Vorurteile, die wir von dem anderen Land haben, und eines ist besonders lustig. Die Italiener finden nämlich, dass wir Deutschen einfach schreckliche Farbkombinationen anziehen. Er führt dafür die Trikots bei den Olympischen Spielen und bei den Weltmeisterschaften an. Aber auch sonst, wenn Touristen nach Italien kommen, denken die Italiener immer: „Wie können die Deutschen nur so was anziehen?“ Und was auch offensichtlich ein großes deutsches Ding ist, was ich nicht wusste: dass die Deutschen Anhänger lieben oder auf jeden Fall in Italien sehr dafür bekannt sind, dass sie furchtbar gerne Anhänger hinter ihren Autos herziehen, und dass man überall in Deutschland Anhänger kaufen kann. Selbst an den Tankstellen. In Italien scheinen Anhänger dagegen Mangelware zu sein und man weiß überhaupt nicht, wo man einen herbekommen würde. Er lacht und sagt, man müsste dafür nach Deutschland fahren. Es ist irgendwie schon sehr lustig, was die anderen so für Bilder im Kopf haben. Wir lachen auf jeden Fall viel.
​Er mag übrigens die deutsche Sprache sehr gerne, spricht sie auch ganz gut, und er sagt, besonders schön findet er, dass man bei Deutsch lange nicht weiß, wie der Satz zu Ende geht. Das finde ich irgendwie eine schöne Formulierung, weil dann haben wir doch was Überraschendes in der Sprache.
​Gegen Mittag trennen sich unsere Wege, weil er eine längere Pause macht und ich weiterlaufe. Erstens, weil ich mich so auf meine Unterkunft freue, in der ich jetzt eineinhalb Tage sein werde. Und zweitens habe ich noch telefonisch einen Haarschneidetermin ausgemacht. Pünktlich um 14 Uhr komme ich in Cahors an, schnell unter die Dusche und dann zum Haareschneiden. Kurz geschoren und mit meinem Schnauzbart habe ich gleich Lust, mir ein Auto mit Anhänger zu kaufen.
​Stattdessen setze ich mich in einen Bus, der hier umsonst ist, und fahre in das Einkaufsgebiet, wo ich in den guten Lidl gehe und absolut eskaliere. Ich kaufe mir zwei Entrecôtes, Salat, Kekse, Gummibärchen, Getränke, Senf, Joghurt, eine Melone, Früchte, Tomatensoße und Ravioli, gefüllt mit Pesto und Pinienkernen, und Schoko-Bons. Weil jetzt bin ich ja zu Hause und sie können nicht mehr schmelzen. So vollgepackt fahre ich wieder umsonst zurück nach Hause. Dort wird alles nur noch in den Kühlschrank geräumt. Und jetzt lege ich mich auf mein Bett. Habe noch das Probeabo (sieben Tage kostenlos!) Paramount heruntergeladen und ich weiß noch gar nicht, ob ich überhaupt morgen in die Altstadt gehe oder einfach nur liegen bleibe.
​Nach all den Gîtes und Gemeinschaftsduschen ist es herrlich, ein kleines eigenes Reich für sich zu haben.
​Mir geht es gut. Die Schoko-Bons müssen leiden. Es ist ein Massaker.
​Schön, dass du dabei bist! Florian

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Da bin ich

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2 Kommentare zu „Anhänger“

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