Grau

Heute ging es nach Astorga, nur 16 km. Am Anfang war das Wetter noch schön, aber bald hat es sich zugezogen, und ich laufe in der grauen Vorwinterlandschaft meinem Ziel entgegen. Positiv ist, dass die Landschaft nun hügeliger wird, das sorgt für Abwechslung. Die zweite positive Sache kommt gegen Ende: eine kleine Bar, in die ich einkehre, um eine Tostada zu essen.
Ein großes, getoastetes Weißbrot, dazu ein kleines Töpfchen pürierter Tomaten, Essig, Öl, Salz und Pfeffer. Man streicht sich die Tomatenpaste auf das warme Brot, schüttet Öl und Essig darüber und würzt das Ganze mit Salz und Pfeffer. Dazu trinke ich einen warmen Café con Leche und schaue hinaus auf die graue Straße. Übermorgen komme ich in Ponferrada an und fahre abends weiter nach Vigo, am nächsten Morgen dann nach Porto, zu meiner Mutter und meinen Schwestern. Danach sind es von Ponferrada aus nur noch neun Tage.
Und ich habe das Gefühl von Ende. Das Wetter sagt Ende, und all die Cafés auch, die nun schließen. Die, welche noch offen haben, wirken wie Sterbende, bevor sie in den Winterschlaf gehen, um im nächsten Frühling die neuen Pilger frisch zu empfangen. Jetzt, da nur noch wenige unterwegs sind, wirken die breiten Wege trostlos. Ihr seht, meine Motivation ist wie die der wenigen offen gebliebenen Cafés.
Gerade habe ich keine Lust auf die anderen Pilger. Vielleicht, weil ich in zwei Tagen den Weg für ein paar Tage verlasse und keinen von ihnen wiedersehen werde. Heute mache ich wenigstens wie versprochen das dolle Sightseeing und gehe in Astorga in den Gaudí-Palast und das Museum. Es ist beeindruckend, und obwohl es gut 100 Jahre alt ist, erinnert es mich von außen an eine Playmobil-Burg. All die grauen Steine sehen künstlich aus. Vielleicht braucht es noch drei-, vierhundert Jahre, bis es richtig beeindruckend ist. Astorga ist außerdem die Stadt der Schokolade, weil hier schon früh Handel betrieben wurde. Es gibt sehr alte Schokoladengeschäfte. Aber selbst auf Schokolade habe ich keine Lust.
Heute ist einfach ein grauer Tag. Gleich gibt es noch ein Essen in der Pilgerunterkunft: Hühnchencurry, mal wieder Salat und irgendeine Creme. Und dann verziehe ich mich in mein Bett und gucke etwas Blödes. Auf meinem Laptop.
Das war’s für heute.
Schön, dass du dabei bist,
Florian!

Bilder des Tages

Da bin ich

Travelers' Map wird geladen …
Wenn du dies siehst, nachdem deine Seite vollständig geladen wurde, fehlen leafletJS-Dateien.

8 Kommentare zu „Grau“

  1. Gerne hätte ich ein „Antwortphoto“ eingestellt, ging aber nicht. Falls es die Sorge vor dem Abschluss dieses spanischen Weges ist, verstehe ich das sehr gut. Du hast einen so großartigen selbstbestimmten Weg eingeschlagen, dass Santiago ein wunderbarer Abschluss und gleichzeitig ein prächtiges Etappenziel sein wird.
    🎶 The beat goes on! 🎶

    Gegen das Grau:
    🎨🥾🥾🎨

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Nach oben scrollen