Jetzt gibt es noch einen kleinen Nachtrag zu gestern Abend. Nach dem Essen kam nämlich noch ein Pilger, und zwar Martin, und er kommt aus Weimar. Er schläft in einem Zelt im Garten, was gruselig kalt ist, aber davor trinken wir noch zusammen ein schönes Bier. Ich natürlich mein geliebtes Panaché. Er läuft den Jakobsweg auch in Abschnitten, arbeitet in einer Behindertenwerkstatt und geht sogar richtig oft ins Theater. Das war wirklich sehr lustig, denn er kennt Kollegen, die da spielen, mit denen ich auch schon in Bochum zusammengearbeitet habe. Wir quatschen bestimmt zwei Stunden, und dann wird es zu kalt, und ich gehe in mein Bett und er in sein Zelt. Ich finde es wirklich erstaunlich, wie eine Sache einen ganzen Tag verändern kann. Vor meinem Gespräch mit Martin war ich ein bisschen genervt, dass die ganze Tischmannschaft mich beim Abendessen gepflegt ignoriert hat, und danach fand ich es irgendwie nicht mehr schlimm.
Heute Morgen ist es wieder unfassbar kalt, 8 Grad, und es ist das erste Mal, dass ich morgens meinen Atem sehe. Jetzt geht es wirklich langsam Richtung Plätzchenbacken. Ich stapfe den Hügel hoch, den Hügel runter, und auf dem nächsten Hügel oben sitzt ein junger Mann und lässt sich von der Sonne aufwärmen an einem Kreuz. Ich schaue noch mal zurück, nachdem ich vorbeigelaufen bin, und irgendwie sieht das sehr schön aus. Manchmal vergisst man zurückzuschauen, wenn man die ganze Zeit nach vorne geht. Ich gehe also weiter, höre schöne Musik, und irgendwann ist der Kreuzmann neben mir. Und ab da habe ich meinen ersten Pilger-Wanderfreund. Er heißt Gaspar, ist 24 Jahre alt und hat gerade sein Studium in Wirtschaftswissenschaften abgeschlossen. Davor hat er mal kurz Jura studiert. Er erzählt mir, dass er den Weg läuft, um darüber nachzudenken, was er mit seinem Studium machen kann, was irgendwie sinnstiftend ist und nicht nur mit Geld zu tun hat.
Er ist zwar auch erst in Le Puy losgelaufen, aber er kennt gefühlt jeden auf dem Weg.
Das liegt wahrscheinlich an seiner freundlichen, offenen Art.
Ein bisschen lustig ist es ja auch, denn er versucht, mit seinem alten Brot Kühe zu füttern, was überhaupt nicht gelingt. Ich bin mir auch überhaupt nicht sicher, ob Kühe überhaupt Brot essen. Irgendwie habe ich davon noch nie gehört, aber er lässt sich nicht beirren und versucht es ein paar Mal.
Es ist ein sehr angenehmes Wandern. Wir reden über Gott und die Welt, und er erzählt mir, dass viele Franzosen wohl deshalb nur Französisch sprechen, weil sie sich ein bisschen schämen, dass sie nicht gut genug Englisch sprechen. So habe ich das Ganze noch nicht betrachtet. Er spricht auf jeden Fall sehr gut Englisch.
Nach 17 km kommen wir schon an seinem Etappenziel an. Seine Füße tun auch ganz schön weh, weil er Blasen hat. Deswegen machen wir eine schöne Pause, trinken Cola, essen Sandwich, und dann verabschiede ich mich, denn ich muss heute noch 7 km weiterlaufen. Ich habe übrigens herausgefunden, dass ich offensichtlich gegen den Hauptetappenplan laufe. Das heißt, ich habe irgendwie immer Unterkünfte zwischen den Etappen, weil ich mir einfach meine eigene Länge raussuche, die ich so laufen will. Ich finde das allerdings gar nicht schlimm, denn immer, wenn ich die Unterkünfte anschreibe, scheinen die sich echt zu freuen, dass ich komme. Und irgendwie mag ich auch die Vorstellung, ein bisschen dazwischen zu sein. Um 15 Uhr komme ich bei meiner Unterkunft an. Das heißt, ich bin noch einen Kilometer davor, und so spanne ich noch mal meine Hängematte auf und esse meinen leckeren Apfel-Rosinen-Kuchen, den ich mir im letzten Örtchen gekauft habe. Ich muss sagen, ich bin sehr entspannt und zufrieden heute. Ich bin da schon gespannt, was es als Essen gibt. Aber davon gleich mehr.
Zeitsprung
Es gab Salat, Lasagne und Apfelbrei mit komischen Teigkrumpels.
Heute ist die Herberge komplett ausgebucht, und ich bin wieder das Nesthäkchen, also das Deutsch sprechende Nesthäkchen. Heute wird mit mir gesprochen, allerdings verstehe ich recht wenig. Ist aber nicht so schlimm, weil sie einfach lauter und langsamer mit mir sprechen. Verstehe trotzdem nichts.
Trotzdem war es ein sehr schöner Abend.
Jetzt gehe ich gleich ins Bett, und morgen sind es 28 km.
Ich sage mal: Bonne nuit!
BONNE NUUUUIIITTT !!!!
SCHÖN, DASS DU DABEI BIST.
FLORIAN
Bilder des Tages
Da bin ich
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Dann sage ich auch mal Bonne nuit!
Und Caspar mag ich auch.
Ich war übrigens heute das erste Mal (!!!) im Theatermuseum.
Und wen hab ich getroffen? Die Baumann.
Die saß da draußen und lernte Text und hat mich so begeistert begrüßt, als hätte sie mich Jahre nicht gesehen. 😉
Schlaf gut!
Gutes Nächtle! Die Fotos sind ein Genuss. Hast du eigentlich alle Etappenziele immer schon klar vor dir, oder planst du von Tag zu Tag?
Tschöö ☀️
Nein die entscheide ich immer so 2 Tage im Vorraus das reicht eigentlich
Schöne Fotos machst Du ja immer, aber Dein eigenes Porträt sieht wirklich heute besonders entspannt und zufrieden aus! Gut so! Ich überlege, ob ich nicht auch eine Herberge für Pilger aufmache, da würde ich ja auch die ganzen wunderbaren verschiedenen Menschen kennenlernen……..auch ohne laufen😉Übrigens sind Orangen beliebtes Futter für Kühe!
Ganz liebe Grüsse🤗
Das ist eine gute Idee Doris ich würde auf jedenfall vorbeipilgern
❤️
😍