Wollen wir also erst mit dem Schönen beginnen, bevor der Kübel Scheiße sich über den Tag ergießt!
Ich muss nämlich unbedingt von gestern erzählen.
Von dem wahnsinnig schönen Bauernhof, wo ich untergebracht war. Er liegt mitten im Nirgendwo, verlassen auf einem Hügel, und ist wie eine kleine Oase. Man kommt verschwitzt durch die trockenen Felder gelaufen, hat sich gerade noch einen Waldberg hochgekämpft, auf dessen kleinem Weg Pferdeäpfel liegen und man sich fragt: Wie sind denn Pferde bitte schön hier hinaufgekommen, ist es für Pferde dann genauso anstrengend und denken die sich auch: „Mein Gott, wann hört der Berg endlich auf?“ Und dann kommt man in den Innenhof dieses alten französischen Gehöfts und Tische und Stühle laden zum Verweilen ein. Überall sind schöne Blumen gepflanzt und ich denke: Mich bringen keine zehn Pferde von hier wieder weg. Eine nette ältere Dame begrüßt mich mit den Worten: „Sprechen Sie Deutsch?“ Sie bringt mich in mein Zimmer und dabei erfahre ich, wie sie den alten Bauernhof Ende der 80er gekauft haben, ihn renoviert haben Stück für Stück, wie ihre Kinder hier aufgewachsen sind; und der Sohn hat nun diese schöne Bleibe übernommen und sie nehmen Wanderer, Pilger und Reiter auf. Ich habe ein sehr schönes Zimmer und durch die alten Mauern ist es auch wunderbar kühl. Lächelnd sagt sie mir: „Komm doch um 19:30 Uhr runter, dann gibt es Abendessen.“ Und völlig entspannt sinke ich auf das Bett, mit dem Wissen, dass für alles gesorgt ist. Unten gab es sogar noch kleine Kekse, die ich kaufen konnte, selbst gebacken. Das entschädigt auch für den geschlossenen Supermarkt am Vormittag, denn sie schmecken köstlich.
Als ich zum Abendessen runterkomme, sitzt eine illustre sechsköpfige Runde an einem Tisch, zu dem ich dazuplatziert werde. Es dauert keine zwei Minuten und wir verstehen uns prächtig. Sie kommen schon seit Jahrzehnten als Gruppe hierher und haben vor vielen Jahren sogar mitgeholfen, den Bauernhof aufzubauen und zu renovieren. Neben mir sitzt ein Zimmermann, ein Lebemann, der eine der Treppen gebaut hat. Es gibt Melonenbällchen mit Schafskäse zur Vorspeise, eine Moussaka nach zypriotischem Rezept, wie uns der junge Besitzer erzählt, und als Nachtisch eine Baisertorte, wie ich sie schon lange nicht gesehen habe. Und natürlich Käse. Und da mich alle auch ein bisschen ausfragen und als Pilger unterstützen, habe ich immer das Meiste auf dem Teller. Dann fragen sie mich, ob ich denn auch singen könnte, ich sei doch Schauspieler. Als ich es verneine, sagen sie: „Umso besser, dann komm doch gleich noch mit auf den Hof. Da singen wir zusammen ein bisschen und je schlechter, je besser.“ Nach dem Abendessen hat sich wirklich die Jahrzehnte-Gruppe mit Gitarre, Wein, Bier und Wasser um einen Tisch versammelt und es wird zur Gitarre sehr leidenschaftlich und wirklich überhaupt nicht gerade gesungen. Ich sitze daneben und finde es herrlich – auch die Freundschaft, die diese Gruppe verbindet. Und nachdem das Lied „Heute hier, morgen dort“ verklungen ist, verabschiede ich mich in mein Zimmer, um den heutigen Tag aufzuschreiben. Noch lange höre ich durch mein offenes Fenster den schönen, schrägen Gesang.
So schön war es gestern.
Und heute der absolute Abfuck: Nach dem Frühstück, das um 8 Uhr gereicht wird, gehe ich um 8:20 Uhr los – und ein bisschen genervt bin ich da schon, weil ich denke: Eigentlich könnte ich mir auch mal ein bisschen mehr Zeit lassen mit dem Frühstücken. Das wäre ja auch schön, nicht sofort aufbrechen zu müssen, weil man Angst hat vor der Hitzepeitsche. Und ich ärgere mich, dass ich denke, 8:20 Uhr ist eigentlich schon zu spät. Aber tatsächlich ist es so: Um 10 Uhr zeigt meine Uhr bereits eine Temperatur von 26 Grad. Heute bin ich einfach nur unfassbar genervt. Und zwar von allem: von den kleinen Steinchen, die immer wieder in meinen Schuh hüpfen; dass ich, sobald ich stehen bleibe, einen wahnsinnigen Hitzestau kriege; dass meine blöde Brille die ganze Zeit beschlägt, weil ich so wahnsinnig schwitze. Und dass es unterwegs mal wieder überhaupt nichts gibt, außer einer kleinen Bar auf dem Dorf in der Mitte des Weges, auf die ich mich die ganze Zeit freue, um eine Cola mit Eis zu trinken, und die dann aber offensichtlich schon seit Jahren geschlossen ist. Ich verfluche den Wanderführer, denke daran, zu schreiben, um eine Korrektur zu schicken, gebe das Vorhaben aber sofort wieder auf, weil ich mir nicht noch irgendwas ans Bein binden will. Nach der Enttäuschung mit der Bar setze ich mich kurz in den Schatten auf eine Bank und esse ziemlich jämmerlich die paar Kekse, die ich mir noch mitgenommen habe. Sie schmecken aber um 12:30 Uhr mittags überhaupt nicht mehr so lecker wie gestern Abend, sondern einfach nur trocken in meinem Mund. Die Pause war der absolute Todesstoß. Jetzt sind es noch zweieinhalb Stunden und jetzt wieder loszulaufen, ist die Hölle. Aber es gibt keine andere Möglichkeit, kein Bus fährt oder sowas. Also gehe ich los. Ich fluche die ganze Zeit, während mir der Schweiß die ganze Zeit auf die Brille tropft und eine Fliege sich ständig auf meine Nase setzt, wieder wegfliegt, sich wieder draufsetzt. Und morgen soll es noch heißer werden? Also gehe ich im Kopf schon wieder durch, wann ich wohl aufstehe: um 5 Uhr oder 5:30 Uhr? Wie bescheuert ist das denn? Man will doch einfach nur konstante 23 Grad von morgens bis abends mit leichter Bewölkung. Entspannt loslaufen nach dem Frühstück und irgendwann nachmittags ankommen, eigentlich genauso frisch, wie man aufgestanden ist. Das sind so meine Fieberträume in der Hitze. Ich trinke mal wieder einen Schluck von dem Wasser, das die gleiche Temperatur hat wie seine Umgebung – soll ja total gesund sein, warmes Wasser zu trinken. Ich hasse es. Ich überlege mir einen Schlachtplan für die nächsten Tage: Also morgen noch mal früh raus, dann nach Dijon. Da habe ich mir jetzt ein Zimmerchen mit Klimaanlage gebucht. Und die darauffolgenden zwei Tage soll es ja sogar 38 Grad werden. Das mache ich nicht.
Ich beschließe, in Beaune ein Hotelzimmer zu nehmen, und zwar mit Klimaanlage und Pool, und das mache ich auch. Was soll’s, ich bin ja nicht auf einem Wettkampf, ist ja auch Urlaub und ich muss ja nicht nur in Sack und Asche rumgehen.
Das beruhigt mich ein bisschen. Aber 45 Minuten vor dem Ziel habe ich absolut minus 10 Bock, weiterzulaufen. Ich schlage meine Hängematte auf und lege mich verzweifelt rein. Wenigstens eine halbe Stunde im Schatten liegen. Ich würde auch länger liegen bleiben, wenn ich wüsste, es würde irgendwas bringen, aber es wird um 18 Uhr noch genauso heiß sein wie jetzt. Nach 30 Minuten ein letztes Aufraffen. Meine Unterkunft liegt auch noch ein bisschen außerhalb, also noch eine Stunde laufen.
Als ich endlich angekommen bin in der (zugegeben) sehr schönen Unterkunft, beginnt das „Ich wasche mal wieder alle Sachen“-Ritual, auf das ich heute auch gut verzichten könnte. Danach was einkaufen. Es wird ein Salat. Aber richtige Begeisterung kommt heute einfach nicht mehr auf. Ich würde dem Tag eine 3 von 10 geben.
Über meine Kopfhörer dudelt Rudi Carrell mit „Wann wird’s mal wieder richtig Sommer?“.
Schnauze, denke ich. Radio aus.
Schön das Du dabei bist
Florian
Bilder des Tages
Da bin ich
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Okay, ich gebe es zu, den tollen Abend gestern hast Du mit einem Scheißtag heute bezahlt
und Rudi Carell ist dann irgendwie auch noch die Kirsche auf dem Mist.
Morgen geht es aber wieder aufwärts, nicht nur auf dem Thermometer.
Toi Toi Toi.
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Erhohl dich gut und Bon Courage!
merci ❤️
Achje, lieber Florian 🤦♀️, das war ja alles in allem ein hoffentlich reinigendes, inneres Gewitter ⚡🌊🌪, um morgen einen viel viel besseren Weg 🏞 und Ort ⛪ und Tag 🌄 zu begrüßen. Ich komme jeden Tag voller Vorfreude auf deinen neuen Blog nach Hause und leide und freue mich mit dir. Dein „Erfahrungsrucksack“ 🎒 füllt sich täglich mit Schätzen 💍 und manches wird dir hoffentlich in 5 Jahren nicht mehr so 💩 vorkommen 🤞
Ich bin weiter dabei und schicke dir Mut und gute Begegnungen
Wenigstens aber ne Pro-Uhr😎
Pool und Klimaanlage, beste Idee🩷
❤️🤞
Courage, mon cher! In Dijon kannst du zur Abwechslung den Eulenweg , route de la chouette gehen! Dauert auch nur 1 Stunde und lohnt sich! Dijon ist eine sehr schöne Stadt! Bonne nuit
Der schöne Teil klingt ja wie ein Film. Toll, welch schöne Geschichten das Leben schreibt und dass Du sie erleben darfst!
Yes! Mach auch ein bisschen Urlaub und quäl Dich nicht durch die Hitze!