Einen wunderschönen guten Morgen wünsche ich euch! Der Tag hat sich verzogen und die Sonne scheint. Als allererstes möchte ich euch heute einmal von Herzen danken: Für all die lieben und schönen Kommentare, die ihr unter meinen Einträgen hinterlasst. Sie bedeuten mir sehr viel, da ich weiß, so bin ich nie alleine unterwegs, sondern irgendwie auch mit euch.
Jetzt aber raus an die frische Luft! Es ist 7 Uhr morgens und ich wandere den Berg hinunter zur Mosel. Dort komme ich an einer Brücke an, und die ist eine ganz besondere. Das habe ich nämlich erst heute Morgen in meinem Wanderführer gelesen. Ich bin nur 200 Meter entfernt von dem kleinen Dorf Schengen. Hier ist der Ort, wo Europa in den 80er-Jahren ein riesiges Stück mehr zusammengewachsen ist. Denn in dem kleinen Schloss – das ich mir natürlich auch angucke, leider nur von außen, aber immerhin – wurde beschlossen, dass wir alle ohne Passkontrolle von einem Land in das andere reisen können. Ich weiß, es klingt komisch, aber irgendwie bin ich gerührt und stolz, dass wir wenigstens den Versuch machen, uns gegenseitig zu vertrauen. Es gibt auch noch ein sehr schönes Denkmal, in dem alle europäischen Länder auf Sternen verewigt sind.
Beschwingt geht es wieder über die Brücke, und 200 Meter weiter bin ich endlich in Frankreich. Hier werde ich den größten Teil meiner Reise verbringen. Ich wandere an der Mosel lang und durch die ersten kleinen französischen Orte, und irgendwie erkennt man sofort, dass man in Frankreich ist. Es sieht alles viel französischer aus. Allerdings habe ich ein kleines Zwicken am rechten Fuß. Also setze ich mich hin und will das Steinchen rausmachen – und als ich meine Socke ausziehe: Trommelwirbel, Paukenschlag! Ich habe meine erste kleine Blase zwischen dem großen Zeh und dem Zeigezeh. Sofort Panik: Muss ich abbrechen? Vorerst steche ich sie mit einer desinfizierten Nadel auf. Ich bin ja top vorbereitet und klebe ein Pflaster drauf.
Dann geht es weiter und es wird immer heißer. Heute 29 Grad und nur die wenigste Zeit im Wald. Eineinhalb Stunden vor meinem Ziel komme ich dann doch noch in einen Wald und beschließe, einfach meine Hängematte aufzubauen und eine längere Mittagspause einzulegen. Und wie ich so da liege, fällt mir eine Geschichte ein. Hier ist sie:
Eine kleine Geschichte aus der Zeit
Es ist so lange her, dass sich niemand mehr daran erinnern kann, nur ich weiß es zufällig. Es gab einmal ein Geschwisterpaar, den frühen Morgen und den frühen Abend. Die waren unzertrennlich. Jeden Tag spielten sie zusammen und konnten gar nicht voneinander lassen. Und jeder, der vorbeiging, sagte: „Was ist das doch für ein reizendes Paar, beide so schön und doch so unterschiedlich, und immer laufen sie Hand in Hand.“ Bis eines Tages zwei Wanderer des Weges kamen. Sie grüßten den frühen Morgen und den frühen Abend, und beide winkten zurück.
Dann gingen die beiden weiter. Weil jedoch der frühe Morgen und der frühe Abend neugierig waren, schlichen sie den beiden Wanderern hinterher und belauschten sie, als sie gerade Pause machten. Da sagte der eine: „Das sind wirklich zwei sehr hübsche Kinder, aber wenn ich ganz ehrlich bin, der frühe Morgen gefällt mir ein klein bisschen besser, wie er so frisch und fröhlich dich anlächelt.“
„Nein“, sagte der andere, „der frühe Abend hat doch eine ganz andere Wärme und Sanftheit. Man fühlt sich sofort ein bisschen heimatlich, wenn man ihn sieht.“
„Du hast recht“, sagte der andere Wanderer, „aber der frühe Morgen hat so ein Strahlen in den Augen. Immer, wenn ich ihn ansehe, möchte ich sofort was unternehmen.“
„Ja“, sagte der andere, „aber der frühe Abend bringt meine Erinnerungen zurück, wenn ich ihn ansehe, und außerdem duftet er herrlich.“ Dann war das Gespräch vorbei, und die Wanderer zogen weiter.
Der frühe Morgen und der frühe Abend aber saßen da und sahen sich an. Da sagte der frühe Morgen: „Auch ich rieche gut, und was soll das überhaupt heißen, dass du die Erinnerung zurückbringst? Schau mich doch mal an. Meine Kleider sind immer viel sauberer und frischer als deine. Deine sehen immer schon ein bisschen staubig aus.“
Da sagte der frühe Abend: „Ja, meine Kleider sehen staubig aus, weil ich wenigstens was erlebe, während du immer noch Schlaf in den Augen hast. Außerdem kenne ich Leute, die lassen so lange die Augen zu, bis du an ihnen vorbeigegangen bist, dass sie dich nicht sehen müssen.“
Und so gab ein Wort das andere, und sie stritten miteinander und zankten sich und rauften auf dem Boden rum. Doch plötzlich wurde jeder von ihnen am Schlawittchen gepackt, und ihr langweiliger großer Bruder, der Mittag, hob die beiden Streithähne hoch und hielt sie weit auseinander.
Und so ist es bis heute, dass der frühe Morgen und der frühe Abend getrennt vom Mittag sind. Nur manchmal im Jahr, an den längsten Tagen des Sommers, stehen sie sich für einen kurzen Augenblick ganz nah – dann, wenn die Dämmerung des Abends fast noch das Licht des Morgens berührt.
Dann kurz eingeschlafen, aufgewacht und weitergelaufen. Dann verlaufe ich mich auch noch kurz im Wald, komme aber um 17 Uhr in meiner Unterkunft an. Wäsche waschen, mich selber waschen – und heute Abend gönne ich mir ein richtig leckeres Essen!
Schön, dass du dabei bist!
Florian
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Da bin ich
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Und nun hast Du mir ein schlechtes Gewissen gemacht, weil ich dem fruhen Morgen freiwillig eigentlich nie begegne. Aber wenn mich mal was dazu zwingt, muß ich auch immer zugeben,daß er was hat.
Ich bin ja mehr ein Fan des Abends.und liebe am Sommer besonders, daß der frühe und der späte Abend ein, zwei Monate lang fast wie Zwillinge daherkommen.
Ich hoffe, die französische Küche hat nicht enttäuscht.
Und was Deinen französischen Begrüßungssatz angeht und wie Du ihn sagst…damit kommst Du überall durch!
(Sagt Dir eine Französischleistungskurslerin, die leider fast alles vergessen hat! 😉 )
liebe Eva
Warum denn ein schlechtes Gewissen du Liebst ja auch beide halt vor allem im Sommer
ich hoffe es geht dir gut
ganz liebe gut Hunger gestillte grüße
Florian
💙🤍♥️
oui oui mon cherie ;))
Wie weit du schon gekommen bist, aus eigener Kraft – wow !
Bonne route en France !
Danke für s Teilen.
☀️
Pass bei der Hitze besonders gut auf dich auf !
Lieber Florian, ich bin Claudia aus Bad Münstereifel, du hast vor 12 Tagen bei uns übernachtet – wie weit du schon gekommen bist, klasse. Steff und ich wünschen weiterhin einen guten Weg. Danke fürs Mitnehmen 🙂
liebe Claudia Lieber Steff
wie schön von euch zu hören ich denke auch immer sehr gerne an unseren Abend zurück.
Ich freu mich sehr das ihr mich begleitet und bis bald ihr beiden
florian