Ich verlasse die Burg am frühen Morgen. Eigentlich will ich schon um 8 Uhr los, aber es gibt erst um 8 Uhr Frühstück in der Jugendherberge. Also muss ich noch schnell 15 Minuten Frühstück in mich hineinstopfen, bevor ich losgehe. Ich will nämlich nicht zu spät los, denn es geht heute rauf und runter: 25 km, 700 Höhenmeter hoch, 600 Höhenmeter runter.
Heute ist der Tag sehr ruhig, was auch wirklich schön ist. Ich habe das Gefühl, richtig in der Eifel zu sein. Der Himmel ist bedeckt, es ist recht kühl und es weht ein Wind. Es hat etwas Unwirtliches heute. Man kann sich gut vorstellen, dass irgendwelche Krimis hier gedreht werden. Alle Häuser sind verschlossen. Es ist Sonntag und irgendwo… findet irgendwas statt? Etwas Unheimliches. Zudem gibt es heute keinerlei Möglichkeit, irgendwas zu essen zu kaufen. Also musste ich alles mitnehmen. Bei mir sind es abwechslungsreiche Würstchen und Brötchen.
Nach ungefähr 8 km geht mir das Wasser aus, denn ich nehme ja jetzt immer nur einen Liter mit, damit ich dann irgendwo klingeln und nach Wasser fragen kann. Erstens wiegt es weniger, und zweitens macht es Spaß. Heute treffe ich einen jungen Mann, der in einer Werkstatt arbeitet. Ich frage ihn nach Wasser. Er sagt: „Klar, komm rein.“ Ich frage ihn nach seinem Namen, und er heißt Florian, hahaha. Das ist gut, denke ich. Ich sage, ich heiße auch Florian, und ich glaube, er denkt das Gleiche wie ich. Ich frage ihn, ob wir ein Foto machen können, und er sagt sehr gerne zu. „Lass es uns aber vor meinem Motocross-Motorrad machen. Dann weißt du auch immer, dass ich ein Motocross-Fahrer bin.“ Ziemlich cool. Auch seine obere Zahnreihe sieht sehr gerade aus, und ich weiß nicht, ob das wohl auch dem Motocross geschuldet ist. Er fragt mich noch, ob ich das schon mal gemacht habe, so lange zu laufen, weil letzte Woche einer da war. Der konnte schon nicht mehr. Das hat er schon von Weitem gesehen, und als er da war, hat er ihm gesagt: „Hör doch auf. Ich fahre dich jetzt zum Bahnhof.“ Ich sage, dass ich hoffe, dass ich es schaffe, und wir verabschieden uns herzlich.
Dann komme ich noch am Nonnenbach vorbei. Bei Google gibt’s von mir eine schlechte Bewertung: keine Nonne weit und breit – und das an einem Sonntag.
Und nach 8 Stunden habe ich es dann geschafft. Ich bin in Kronenburg, und es sieht original aus wie aus dem Mittelalter. Ich wohne direkt in der Wilhelm-Tell-Gasse – was für ein Zufall, direkt an der Burg. Wilhelm Tell war eines meiner Lieblingsstücke, das ich am Düsseldorfer Schauspielhaus gespielt habe.
Als ich meine kleine Wohnung aufschließen will, sehe ich aus den Augenwinkeln einen Mann mit Fotoapparat und denke: „Siehst du das? Könntest auch du sein, wenn du einen Fotoapparat hättest.“ Und dieser Mann spricht mich an, und es ist Martin mit seiner Frau Britta, mit dem ich zusammen auf der Schauspielschule war. Es ist so irre. Sie haben meinen Blog verfolgt, wohnen in Bonn und sind einfach spontan hierher gefahren, um mich zu überraschen und mir einen Nachmittag und Abend Gesellschaft zu leisten. Ich bin unfassbar gerührt. Ich habe ihn bestimmt 10 Jahre nicht mehr gesehen. Sie sind einfach losgefahren, ohne zu wissen, wann ich hier ankomme, und sind durch die Stadt bzw. den Ort gelaufen, um mich abzufangen, ohne zu wissen, wo ich genau ankomme. Sie haben sogar in dem Stempelkasten, wo ich meinen Stempel für heute hole, eine kleine Nachricht für mich hinterlassen.
Wir gehen zuerst zusammen Kuchen essen und dann noch zusammen Abendessen. Wir reden viel über alte Zeiten, aber auch über das Jetzt, und es ist ein herrlicher Abend. Was für eine wunderschöne Überraschung.
Jetzt liege ich in meinem Bettchen in dem wirklich sehr süßen Zimmer, habe meine Wäsche aufgehängt und schaue das Fußball-Finale. Ich habe noch einen Schokoriegel und dich an meiner Seite. Viel besser geht es nicht.
Florian!
Bilder des Tages
Da bin ich
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Wow, was für eine schöne Überraschung🤩
Viel Spaß beim Finale⚽️🇪🇸🩷
Euch wünsche ich auch viel spaß. Beim Finale. Ist auch mein Favorit 😘
Was für schöner erster Sonntag auf deiner Reise🤩Das Wiedersehen…. eine wirkliche Herzensüberraschung❤️In diesem Zuschauerraum fühle ich mich sehr wohl! Weiter so🤗
Liebe Doris, wie schön, dass du mich begleitest. Ja, das war ein schöner Sonntag. Ganz liebe grüße vom weg
Das wird ja immer besser mit den netten Begegnungen!
Und dann haben Gottseidank auch noch die Spanier das Finale gewonnen, dank des schönen Herrn Torres und dank der Tatsache, daß selbst dem Fußballgott, der Maradonna mal seine Hand geliehen hat, das Getrete und Geschubse und Gemeckere der Argentinier zuviel war.
🙂
Da hast du recht. Das war wirklich eine tolle Überraschung. Und für mich ist natürlich Spanien, super