Vorräte

Schon vor Monaten habe ich mir erzählt, dass ein Funke aufblitzt. Ich habe mir erzählt, dass eine innere Pilgerreise in mir wächst, loszugehen. 2600 Kilometer bis nach Santiago. Zu wenig, dachte ich, und so wuchs die Reise weiter nach Indien und danach Japan, auf dem ältesten Pilgerweg der Welt. Ich habe meine Wohnung vorbereitet, mein Auto verkauft, eine Anzeige geschaltet.

Und heute, einen Tag vor dem Stichtag, kommt endlich das Paket von Amazon an. Es ist riesig. Große Rollen Fototapete. Auf der einen eine Landschaft, vertrocknet, der Himmel bewölkt, mit einem Weg, der sich in der Ferne verliert – perfekt, denke ich. Das zweite Bild, offensichtlich vom Holi-Festival. Die Farben völlig übertrieben. Unbrauchbar. Das dritte gefällt mir wieder. Japanische Tempel in der Kirschblüte. Wunderschön werden die aussehen, wenn ich sie an die Wand in meinem Schlafzimmer tapeziere.

In meiner Küche stapeln sich Vorräte: Wasserkisten. 900 Flaschen. Kartons mit dehydrierter Nahrung — Carbonara, Linsensuppe, Züricher Geschnetzeltes. 1200 Stück. Wie das funktionieren soll? Ich bin gespannt. Meine Hängeschränke, zumindest der Großteil, sind voll mit Nahrungsergänzungsmitteln, Vitamin-B-Komplex und natürlich Schmerzmitteln.

Ich schaue kurz aus dem Fenster. Draußen gehen Menschen. Ich kenne weder die Menschen noch den Hund. Sinnlos.

Einen Haustürschlüssel habe ich meinem Freund gegeben. Er wird ihn nie benutzen. Ein bisschen ein schlechtes Gewissen habe ich, dass er meinen Briefkasten regelmäßig überprüfen muss.

Jetzt ist es auch schon spät. Ich gehe ins Bett, und als ich im Bett liege, muss ich innerlich lachen.

Noch einmal schlafen. Dann wache ich auf, schließe mich ein und bleibe hier.

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