Cyborg oder das Lachen des Hamsters

Cyborg

oder das Lachen des Hamsters

Florian Lange

 

Ein Mann und eine Frau stehen sich auf der Bühne gegenüber

 

Lautsprecher:

Ich bitte um Ihre ungeteilte Aufmerksamkeit: zu Beginn wird der letzte und einzige Job der Welt für Sie exklusiv angeboten.

Sie haben eine fundierte Ausbildung, besitzen Erfahrung im Auslandsgeschäft oder im Inlandsgeschäft. Besonderen Wert legen wir auf Ihr Akquisitions- und Verhandlungsgeschick, sowie auf Ihr überzeugtes Auftreten. Sie haben gute Sprachkenntnisse. Teamfähigkeit oder selbständig eigeninitiatives, verantwortungsvolles, zielorientiertes Durchsetzungsvermögen sind weitere Eigenschaften, die Sie auszeichnen. Sie arbeiten sorgfältig/akkurat ohne akribisch zu sein, auch in hektischen Situationen wirken Sie nicht leidenschaftslos. Sie sind belastbar und besitzen eine schnelle Auffassungsgabe und Sie können sich schnell in neue Aufgabengebiete einarbeiten.

Haben Sie ein Hochschul- oder Fachhochschulstudium? Können Sie sich schnell in neue und umfangreiche Aufgabengebiete einarbeiten? Sind Sie in der Lage, sich auf wechselnde Gesprächspartner einzustellen?

Bringen Sie überdurchschnittliches Engagement und regionale Mobilität mit?

Sie zeichnen sich durch eine hohe Leistungs- und Einsatzbereitschaft aus und sind überdurchschnittlich motiviert. Sie denken unternehmerisch und sind zielorientiertes Arbeiten gewohnt. Kommunikationsstärke, Flexibilität und der Blick für das Wesentliche runden Ihre Persönlichkeit ab. Sie haben anspruchsvolle Ziele, treffen selbständig Entscheidungen und wollen Ihre Ideen verwirklichen. Sie sind aufgeschlossen, kontaktfreudig, arbeiten gerne mit Menschen, überzeugen durch ein sicheres Auftreten und eine fundierte Argumentation. Eine abwechslungsreiche und flexible Vertriebstätigkeit können Sie sich gut vorstellen. Damit Sie während Ihrer Ausbildung mobil sind, benötigen Sie einen Führerschein der Klasse B und einen Pkw oder ähnliches

 

Stille

Sie sehen sich an

 

Mann:

Oh mein Gott

Frau:

Ich kann es nicht glauben

Stille

Mann:

Es wird sich alles verändern?!

Frau:

Es ist der Beginn von etwas Unvorstellbaren

Mann:

Das Leben, wie es war, hört mit einem Male auf

Frau:

Habe ich je gelebt

Mann:

Habe ich je gelebt

Frau / Mann:

Wir haben nie gelebt

Mann:

Aber jetzt trifft es mich wie ein Schlag

Frau:

Schlagartig werden mir die Augen geöffnet

Mann:

Jetzt kommt eins zum anderen

Frau:

Das ist ein Traum

Mann:

Es ist unwiderstehlich

Frau:

Ja, eine Versuchung

Mann:

Unmöglich

Frau:

Vorstellbar

Mann:

Unerreichbar

Frau:

Wahrscheinlich

Mann:

Unerhört

Frau:

Möglich

Mann:

Aussichtslos

Frau:

Scheinbar

Mann:

Utopisch

Frau:

Nicht ausgeschlossen

Mann:

Taktlos

Frau:

Ich liebe dich

Mann:

Ich liebe dich

Frau:

Nun wird mir klar, ich habe dich immer geliebt, mit allem was ich bin und allem was ich nicht bin.Du bist es: das was mir fehlt, was nicht zu erreichen ich im Stande bin.Ohne dich stehe ich an der Klippe, mit dir falle ich ohne Ende und werde doch von dir aufgefangen, obwohl mir jede deiner Heldentaten das Leben rettet, breche ich mir sämtliche Knochen, das ich unförmig bin wie ein Stück Lehm.Und doch liebe ich dich.

Mann:

Ich liebte dich immer, mit allem was ich bin und was ich nicht bin und nur du sein kannst.Du bist es: was mir fehlt und ich bin nicht im Stande es für mich, dich erreichen zu lassen, weil jede gereichte Hand von mir dich an die Klippe treibt und jede Umarmung dich fallen lässt ohne Ende, bis ich dich auffangen muss, und all deine Glieder brechen höre.Und obwohl ich dich zerbrechen höre und du bei mir bist wie ein Klumpen Lehm, liebe ich dich.

Frau:

Wie dein Auge mich mit seiner Unverletzlichkeit trifft.Du wirst es, da du mich ansahst, und mich zu dem machtest was ich nun bin, niemals abwenden.Damit ich nicht aufhöre zu sein.Denn du bist nie müde, nie schwach (dein ist das Reich) bist die Macht die mich besitzen muss, als wärest du das Maß! Doch wie schön du bist.

Mann:

Ich werde dich schützen vor allen anderen, befehle den Engeln dich zu behüten auf all deinen Wegen.Sie werden dich tragen auf ihren Händen, damit dein Fuß nicht an einen Stein stößt.

Frau:

Nur du weißt so zu verführen.

Mann:

Weil du unerreichbar bist, ein Traum von mir, und doch mehr als ich mir vorstellen kann.

Frau:

Ein Traum von dir?

Mann:

Ein wahres Bild einer Frau

Frau:

Woher willst du wissen, dass es wahr ist?

Mann:

Weil ich es sehe!

Frau:

Was siehst du?Erzähle es mir, damit ich den Durst nach mir wenigstens durch dich stillen kann.

Mann:

Was du willst, werde ich sehen

Frau:

Das ich unbefangen bin.Sexuelle Aktivität, körperliche Perfektion besitze, das ich rohe Sinnlichkeit, Furchtlosigkeit, auch Unverletzlichkeit bin, siehst du das?

Mann:

Ich sehe es

Frau:

Meine gesellschaftliche Kompetenz, mein analytisches Denken, meinen Rationalismus, meine Abenteuerlust, siehst du auch das?

Mann:

Ich sehe es

Frau:

Meinen Mut, meine Angriffslust, meinen Führungsanspruch, meine Dominanz, meine Selbstbeherrschung, meine Gefühlskälte — auch das?

Mann:

Ich sehe es

Frau:

Ich bin die Macht!

 

Lautsprecher:

Selbständig eigeninitiatives verantwortungsvolles zielorientiertes Durchsetzungsvermögen sind weitere Eigenschaften, die Sie auszeichnen. Sie arbeiten sorgfältig/akkurat ohne akribisch zu sein, auch in hektischen Situationen wirken Sie nicht leidenschaftslos. Sie sind belastbar und besitzen eine schnelle Auffassungsgabe und Sie können sich schnell in neue Aufgabengebiete einarbeiten …

 

Frau:

Ja

Lautsprecher:

Sind Sie in der Lage, sich auf wechselnde Gesprächspartner einzustellen?Bringen Sie überdurchschnittliches Engagement?Sie zeichnen sich durch eine hohe Leistungs- und Einsatzbereitschaft aus und sind überdurchschnittlich motiviert. Sie denken unternehmerisch und sind zielorientiertes Arbeiten gewohnt. Kommunikationsstärke, Flexibilität und der Blick für das Wesentliche runden Ihre Persönlichkeit ab. Sie haben anspruchsvolle Ziele, treffen selbstständig Entscheidungen und wollen Ihre Ideen verwirklichen.

Frau:

Ja, das will ich

Lautsprecher:

Sie sind aufgeschlossen, kontaktfreudig, arbeiten gerne mit Menschen, überzeugen durch ein sicheres Auftreten und eine fundierte Argumentation. Sie sind bereit, eine Führungsposition zu übernehmen? Dann ist das genau der richtige Job für Sie.

Frau:

Ich bin Ihr Mann

Pause

Während der folgenden Textpassage geht der Mann auf die Frau zu, schlägt sie in den Bauch, zieht sie an den Haaren in die Mitte der Bühne und verprügelt sie mindestens gefühlte 5 Minuten bis sie sich nicht mehr regt.

 

Mann:

Mein ist die Kraft dein ist die Leidensfähigkeit

mein ist die Kraft dein ist die Leidensfähigkeit

mein ist die Kraft dein ist die Leidensfähigkeit … usw.

Stille

Der Mann sieht sich die Frau an

Mann:

Ich liebe dich

Der Mann geht von der Bühne, die Frau liegt unbeweglich in der Mitte. Der Mann kommt mit einem Rollstuhl zurück und hievt die Frau in den Rollstuhl. Der Mann geht von der Bühne, kommt mit einer Schüssel Wasser wieder und wäscht die Frau, dann wäscht er sich die Hände und bringt die Schüssel wieder weg. Der Mann kommt wieder und frisiert die Frau.

Die Frau kommt wieder zu sich.

 

Mann:

Wie schön du bist

Frau:

Wo bin ich

Mann:

Hast du was Schönes geträumt?

Frau:

Ja

Mann:

Was war es denn?

Frau:

Ich kann mich nicht erinnern

Mann:

Na, dann wird es auch nicht so wichtig gewesen sein.Hast du jetzt noch Hunger?

Frau:

Einen Heißhunger habe ich

Mann:

Ich werde dir eine Kleinigkeit machen

Frau:

Ja, bitte

Der Mann geht ab, die Frau rollt an die Bühnenrampe

 

Frau:

Was hat er mit mir gemacht?

Ich kann mich nicht erinnern …

Sagen Sie es mir!

Was soll ich nun tun, wie kann ich mich wehren?

Sagen Sie es mir!

Jetzt da ich all meiner Kraft beraubt bin,

wofür bin ich jetzt noch gut?

Sagen Sie es mir!

Wie soll ich nun weiterleben, jetzt da kein Ziel mehr vor Augen, das lohnend wäre —

Sagen Sie es mir!

Sie sagen nichts.

Wie auch, Sie sehen nur in eine Welt, in die Sie nicht gehören,

mit der Sie nichts zu tun haben und die doch nur durch Sie ist.

Sie sind Schuld, nicht er.

Sie sind Schuld, nicht er.

Sie sind ja nicht mal auf meiner Seite.

 

Der Mann kommt wieder, er hat ein Tablett in der Hand mit Essen. Er steht hinter ihr und schaut sie an.

 

Frau:

Er ist es!Und deshalb werde ich ihn lieben.Ich liebe ihn.Ich liebe ihn.

Mann:

Mit wem redest du?

Frau:

Mit niemandem, es ist ja keiner da, außer dir.

Mann:

Hier ist eine kleine Stärkung für dich.

Frau:

Zum Überleben verdammt.

Mann:

Sag so was nicht, du weißt, das macht mich wütend.

Frau:

Ja, ich weiß, es tut mir leid.

Mann:

Was willst du machen? Denke dir doch was aus und wir machen es.

Frau:

Du bist so lieb, aber mir fällt nichts ein.

Mann:

Komm schon, strenge dich ein wenig an. Du kannst doch alles machen.

Frau:

Ich würde gerne Fangen spielen.

Mann:

lacht

Frau:

Warum lachst du?

Mann:

Ich musste mir nur gerade vorstellen, wie ich vor dir weglaufe und du mit deinem Rollstuhl hinter mir her hetzt und mich doch nicht erwischen wirst; und dann musste ich daran denken, wie es wohl wäre, wenn du einen elektrischen Rollstuhl hättest und dann bist du mit dem in meinen Gedanken gegen die Wand gefahren, weil du ihn nicht kontrollieren konntest.

Frau:

Ach so … wir können Verstecken spielen.

Mann:

lacht

Frau:

Ich kann mich verstecken.

Mann:

Ja, das stimmt, aber nicht so, dass man dich nicht immer noch wenigstens ein Stückchen sehen würde und sofort wissen würde, dass du es bist, die gefesselt im Rollstuhl in der Ecke hinter der Tür kauert.

Frau:

Fällt dir denn nichts ein?

Mann:

Lass uns blinde Kuh spielen, mein Schatz.

Der Mann verbindet der Frau die Augen. Sie fährt auf der Bühne herum, er macht sich fertig für den Job. Wenn er fertig ist, verlässt er die Bühne. Die Frau fährt mit verbundenen Augen immer weiter.

 

Frau:

Ich spüre die Nähe zu dir … gleich habe ich dich … dann bist du dran … und du wirst herumirren, ohne zu wissen wie du mich erreichen kannst … ich aber werde überall sein … neben dir … hinter dir … vor dir … ich werde über dir sein … nur noch ein kleines Stückchen, ein bisschen brauche ich noch … noch das bisschen weg —

Hilf mir doch!

Hilf mir!!

Hilfe!!!!

Warm oder kalt?

warm oder kalt??

kalt???

sehr kalt??

oder doch etwas warm?

sie fährt weiter rum

Jetzt spüre ich, wie es wärmer wird —

wenn auch nur ein bisschen, aber wärmer —

oh nein, das war der falsche Weg, es ist doch wieder kälter … kälter — nein, nein, es ist warm, jetzt ganz deutlich, viel viel wärmer sogar!

oder etwa nicht?

schon wieder kalt??

hier vielleicht?

nein, auch kalt!

aber da warm was?

immer noch kalt??

richtig kalt!!!

wo ist es denn warm?

Irgendwo muss es doch wenigstens etwas wärmer werden,

diese Eiseskälte ist ja nicht auszuhalten —

lacht

Das ist doch nur ein Scherz. Ich weiß ja, dass ich auf dem richtigen Weg bin!

sie nimmt das Tuch ab und sieht, dass sie alleine ist

pause

Frau:

oh

Rollt an die Rampe

Wieso haben Sie mich nicht alleine gelassen?

oder hatten wenigstens den Mut wegzusehen,

wenn ich schon blind hin und her irren muss?

Wie ich jetzt aussehe? Bestimmt nicht anständig, oder?

Ich spüre das.

In Ihre Augen sehe ich, wie in einen Spiegel — und was ich sehe, gefällt mir ganz und gar nicht.

Es macht mich hässlich, wenigstens hässlich möchte ich nicht sein,

wenn man schon auf mich schaut.

Rollt an die hintere Wand zu einem Spiegel, der aber viel zu hoch für sie hängt.

Verdammt! Wer hat denn den Spiegel so unerreichbar hoch gehängt?

Wie soll ich mich denn jetzt nur fertig machen?

Wenn ich mich noch nicht mal selbst sehen darf,

ich kann ja nicht die ganze Zeit so zerrupft sein.

Sie baut etwas von dem Rollstuhl ab und versucht, sich damit hinzustellen. Es klappt aber nicht, sie fällt hin und bleibt vor dem Spiegel auf dem Boden liegen.

Der Mann kommt auf die Bühne, sieht die Frau da liegen. Er hievt die Frau in den Rollstuhl. Der Mann geht von der Bühne, kommt mit einer Schüssel Wasser wieder und wäscht die Frau. Dann wäscht er sich die Hände und bringt die Schüssel wieder weg, er kommt wieder und frisiert die Frau.

Die Frau kommt wieder zu sich.

 

Mann:

Bist du endlich zu dir gekommen, mein Schatz?

Frau:

Nein.

Mann:

lacht — Aber du bist doch da. Da und wach.

Frau:

Ja, da hast du Recht.

Mann:

Und ich habe dich auch wieder schön gemacht. Nun bist du bildhübsch.Möchtest du dich mal sehen?Ich kann dir den Spiegel runterholen, dass du dich mal betrachten kannst.

Frau:

Nein, bitte nicht.

Mann lacht, holt den Spiegel runter und hält ihn ihr vors Gesicht

Stille

Frau:

Bildhübsch.

Mann:

Ich habe es dir doch gesagt.

Frau:

Ja, du hast es gesagt.

Mann:

Wie sieht es mit deinem Hunger aus?

Frau:

Ein ganzes Schwein könnte ich essen.

Mann:

lacht — Na, dann wird dich dein Ernährer mal am Leben halten, bevor du verhungerst.

Der Mann geht ab, sie bleibt in der Mitte der Bühne zurück, frontal zum Publikum.

Der folgende Text wird aus dem Off gesprochen

 

Mann (Off):

Wenn wir Glück haben, werden wir am Ende wieder richtig auf die Beine kommen.

Die Arbeit ist zwar nicht besonders anspruchsvoll, aber besser als nichts.

Weißt du, was ich sehe, wenn ich da aus dem Fenster sehe? Ich kann direkt auf die große Rosenzucht blicken. Mann, was für ein Anblick.

Da musste ich öfter an dich denken, mein Schatz, obwohl sie auch schon etwas am Verblühen sind.

Na ja, es wird ja auch langsam Herbst … aber wie heißt es so schön: alles neu macht der Mai.

Das hättest du mal sehen müssen.

Du, mir fällt was ein. Ich werde dir einfach ein schönes Foto machen, ich finde bestimmt ein paar, die noch ansehnlich sind — lacht — Wenn nicht, dann werden einfach die faulen Blätter ausgerissen und dann geht es wieder. Oder noch besser, ich bringe ein paar mit, dann können sie hier trocknen —

Was meinst du?

Sehr gut, das mache ich!

Stell dir mal vor, wie gut du es dann hast: wenn ich im Winter draußen an den kahlen Bäumen vorbeilaufen muss, hast du den Sommer so gut wie in der Wohnung, dann wird es schön warm bei dir sein, während ich durch die Kälte laufe —

lacht — warm und kalt, verstehst du, warm warm warm kalt kalt kalt … warm, au, heiß heiß —

Er kommt wieder mit einem Tablett mit Essen

 

Mann:

Hier, mein Schatz.

Frau:

Ich möchte das jetzt nicht essen.

Mann:

Aber du musst, sonst wirst du noch ganz schwach und das willst du doch nicht.

Frau:

Nein, das will ich nicht.

Mann:

Na, siehst du, dann iss schön, was ich für dich gemacht habe.

Frau:

Und was hast du gemacht?

Mann:

Armer Ritter mit Trockenpflaume.

Frau:

Oh …

Mann:

Und was hast du denn so den ganzen Tag gemacht, mein Schatz?

Frau:

Ich habe gewartet.

Mann:

Aber du musst doch nicht die ganze Zeit auf mich warten.

Frau:

Nicht auf dich habe ich gewartet.

Mann:

Such dir doch ein Hobby. Du kannst dich doch mit 1000 Sachen ablenken.

Frau:

Bitte nicht.

Mann:

Hast doch unzählige kleine Interessen, und wer weiß, vielleicht wird irgendwann auch mal was draus … weißt du, ich zum Beispiel liebe Bilder.

Frau:

Ja, ich weiß.

Mann:

Habe ich das schon mal gesagt?! Das war mir nicht bewusst … ich liebe dich.

Frau:

Ja, das tust du.

Mann:

Siehst du, und schon bist du müde!Auch ich … na, das war ja auch ein aufregender Tag für uns beide.Komm, ich bringe dich zur Ruhe.

zum Publikum

 

Mann:

Obwohl ich todesmüde bin, schlafe ich nicht.

Wissen Sie, woran das liegt?

Sind Sie denn nicht auch müde?

Wenigstens etwas nur?

So müde um den Anstand zu haben, für einen kurzen Augenblick, die Augen zu schließen,

damit ich kurz unbeobachtet sein könnte — lacht —

Sobald Sie die Augen öffnen, werde ich wieder da sein;

und wer weiß,

vielleicht haben Sie ja dann schon vergessen, wer ich bin.

Bestimmt werden Sie mir einen neuen Namen geben.

Es könnte sogar sein,

dass Sie sich dann mit mir anfreunden würden

und dann verbringen wir unseren ersten Tag zusammen.

Fremd, aber zugewandt, bis der Abend uns mahnt, erneut die Augen zu schließen —

und am nächsten Morgen erkennt man sich vielleicht noch ein wenig …

aber Sie werden nicht müde zu schauen,

da Sie und ich Angst haben, was zu verpassen —

und so setzt sich das Bild unaufhaltsam zusammen

bis es schließlich zum Kunstwerk wird,

was Sie und ich vererben können

für all die folgenden Generationen …

Lassen Sie mich schlafen!

 

Frau:

Mit wem redest du?Ich kann nicht schlafen.

Mann:

Ich weiß.

Dunkel

 

Mann:

Guten Morgen, mein Schatz, meine liebe Frau — lacht fröhlich —Frau, die ich liebe, bist du nun endlich erwacht?

Frau:

Nein.

Mann:

Was redest du da, ich verstehe dich nicht.

Frau:

Ich weiß.

Mann:

Du sitzt doch da mit aufgerissenen Augen.

Frau:

Ja.

Mann:

Ich habe das Gefühl, dass du gar nicht mehr dieselbe bist.

Frau:

Oh ja?

Mann:

Man sollte dich in die Irrenanstalt stecken.

Frau:

Das würdest du tun für mich?

Mann:

Nein, für uns, denn auch ich halte es so nicht aus.Auch für mich ist es unerträglich, das kannst du mir glauben.

Frau:

Ich weiß es nicht, ich weiß es einfach nicht.

Mann:

So geht es auf jeden Fall nicht mehr weiter.

Frau:

(verliebt) Oh ja.

Mann:

(fast außer sich) Ich hasse dich.

Frau:

Ich hasse dich.

Mann:

Ich werde jetzt gehen, denn du scheinst ja am liebsten alleine zu sein.

Frau:

Nein, das stimmt nicht,doch ich brauche dich nicht.

Mann:

Dann sei doch mit dir selbst glücklich, du du du Fotze.

Frau:

(sanft) Ich werde es versuchen, versuchen!

Stille

Wie noch nichts in meinem Leben.

Ich werde es versuchen. Das kannst du mir glauben.

Mann:

Das kann ich mir nicht vorstellen.

Frau:

(Gerade das) und das ist gut so.

Der Mann verlässt wütend die Bühne und lässt die Frau im Rollstuhl zurück. Es dauert eine kleine Weile, dann kommt der Mann zurück.

 

Mann:

Du, mein Schatz, mein Schatz, es tut mir leid, was ich gerade gesagt habe, das habe ich wirklich nicht so gemeint.

Frau:

(erschrocken) Tu das nicht.Ich bitte dich von Herzen, tu das nicht!

Mann:

Ich weiß, ich habe dich verletzt, aber das wollte ich nicht.

Frau beginnt zu weinen

Mann:

Ich habe Sachen gesagt, die … die … die waren nicht mein Ernst.Das musst du mir glauben.Ich würde dich nie gehen lassen,du bist doch mein Schatz.Genauso meine ich es und das kann nichts auf der Welt verändern.Ich hasse dich nicht, sondern liebe dich.Genau so wie du bist,du bist einfach bildhübsch.Es wäre ein Fehler, wenn ich daran was ändern wollen würde.

Frau:

Warum tust du das??Warum?Warum?Warum verstehst du mich nicht?Lass mich allein.Lass mich endlich allein.Wenn es sein muss, lass mich alleine für immer.

Mann:

(verschämt) Ich werde immer da sein.

Er streicht ihr über die Wange.

Und doch muss ich fort?!

Er geht ab. Die Frau sieht dem Mann lange nach, die Frau bleibt alleine auf der Bühne zurück, sie rollt zum Publikum.

 

Frau:

Kuck kuck, wer ist denn da —

warum ich ihn wohl liebe

nach alledem was hier bis jetzt geschah —

es ist der kleine Moment

zwischen schlafen und wachen

der wenn uns der Nachen

im Nebel schwindet

und Nebel deckt ihn zu

den Fluss der täglich uns von neuem trennt

an diesem Ort

wo sich Gestalten

aus beiden Welten kurz unterhalten

da kann es gehen, dass du und ich sich nun verstehen —

ich mein nicht ihn ja mehr, schon dich —

ja, es ist dieser Moment

den Augen … widerspiegeln. (sie lächelt)

aber immerhin …

 

Kennen Sie den: zum Augenblicke sagen: Verweile doch! Du bist so schön!

Sie lacht über ihren Witz, dann kleine Stille

Was aber, wenn es wirklich passiert?

Ist es dann noch zu ändern?

nein, er?

sind wir noch zu ändern?

oder haben wir uns lebendig begraben —

sie rollt nachdenklich auf der Bühne umher

nur begraben also?

Ja, begraben.

Also graben.

Graben.

Graben.

Sie rollt zum Spiegel, er ist immer noch zu hoch für sie. Sie baut ein Stück vom Rollstuhl ab und versucht damit aufzustehen, um in den Spiegel zu schauen. Es gelingt ihr nicht. Sie fällt hin. Sie versucht es noch mal. Sie fällt hin. Sie versucht es noch mal. Sie fällt hin. Sie versucht es erneut. Sie fällt hin. Sie versucht es wieder. Sie bleibt wackelig stehen. Sie schaut wankend in den Spiegel. Sie weint. Sie schaut ins Publikum, sie denkt nach, sie schaut in den Spiegel, sie lächelt.

Sie beginnt Teile des Rollstuhls abzubauen und sich damit eine Rüstung zu bauen; durch die mechanischen Verbindungen und Metallteile wird sie zu einem Cyborg.

Dunkel

Der Mann kommt zurück

 

Mann:

Wer sind Sie?

Stille

Cyborg:

Nenn mich Cyborg.

Mann:

Wo ist meine Frau?

Cyborg:

Nenn mich Cyborg.

Mann:

Ich glaube, du hörst mir nicht zu … wo ist meine Frau?

der Cyborg versetzt dem Mann eine kräftige Ohrfeige

Cyborg:

Nenn mich Cyborg.

Mann:

Das kannst du nicht von mir verlangen … ich tue was ich will!

Cyborg:

Nenn mich Cyborg.

Mann:

Sag mal, willst du mich nicht verstehen? Ich nenne dich, wie ich will. Wo ist meine Frau?

Der Cyborg versetzt dem Mann einen so heftigen Schlag, dass er bis in die Bühnenmitte geschleudert wird. Er bleibt eine Zeitlang benommen und erstaunt liegen.

Mann:

Wer bist du? Warum tust du das?Was ist mit meiner Frau, lebt sie noch?Was hast du getan, ja, was hast du getan?

Cyborg:

Nenn mich Cyborg.

Mann:

Nein, das werde ich nicht, du Ungeheuer.Ja, das bist du: Ungeheuer,ein Ungeheuer, was meine Frau hat.Was sie getötet, vernichtet, ja, ausgelöscht hat.Nie werde ich tun, was du von mir verlangst.Ich werde …

Der Cyborg unterbricht den Mann und beginnt ihn zu verprügeln. Der Cyborg prügelt so lange, bis der Mann das Bewusstsein verliert. Die Zeit darf selbst festgelegt werden.

Der Cyborg bleibt eine Zeitlang vor dem bewusstlosen Mann stehen und betrachtet ihn. Dann schaut er ins Publikum, betrachtet es, dann verlässt er die Bühne.

Der Mann erwacht aus seiner Bewusstlosigkeit.

 

Mann:

Wo bin ich?

Wo ist meine Frau?

Wer soll sie beschützen?

Was hat er mit ihr gemacht?

Was wird aus mir werden, was hat er nur getan?

Er schleppt sich nach vorne zum Publikum.

Sagen Sie es mir!

Können Sie nicht helfen?

Wollen Sie mich nicht retten?

Retten Sie doch wenigstens mich, wenn Sie es in der Hand haben …

Verstecken Sie mich an einem Ort, wo ich sicher bin … Sie wollen nicht?

Haben Sie denn kein Interesse, mich am Leben zu halten?

Nehmen Sie mich zu sich.

Ich falle bestimmt nicht auf.

Ich werde sein wie jeder von Ihnen …

Oh, ich versteh Sie,

Sie haben Angst.

Was, wenn er mich nicht erkennt und Sie vernichtet.

Was, wenn ich durch all den Schmerz hindurchmuss und nicht er.

Sie meinen, Sie sind im Theater und haben das Recht zu sehen …

zu sehen und nicht zu handeln …

Aber das sage ich Ihnen:

Ihre Seite ist nicht sicher!!

Also helfen Sie mir, wenn Sie überleben wollen.

Retten Sie mich.

Das ist Ihre letzte Chance.

Retten Sie mich, retten Sie sich selbst und jeden, den Sie kennen.

Der Cyborg kommt zurück.

 

Mann:

Wer bist du?Bitte, bitte schlage mich nicht, tu mir nichts an.

Cyborg:

Nenn mich Cyborg.

Mann:

Warum tust du das?

Der Cyborg geht drohend auf den Mann zu.

Mann:

Gut, gut, ich werde es tun … Cyborg.

Der Mann beginnt zu weinen.

Mann:

Wo ist meine Frau, wo ist meine liebe Frau?

Cyborg:

Nenn mich: meine liebe Frau.

Mann:

(entsetzt) Nein, das kannst du nicht verlangen.

Cyborg:

Nenn mich: meine liebe Frau.

Mann:

Nein, das werde ich nicht. Was hättest du denn davon?Du würdest ja nicht mal verstehen, was es heißt,du der nichts kann als —schlagenschlagenschlagen.

Cyborg:

Nenn mich: meine liebe Frau.

Mann:

lacht —Ich wusste es, ich wusste es. Kein Wort verstehst du. Wirst nie etwas anderes sein als ein Ungeheuer: gefühllos und kalt.

Cyborg prügelt den Mann bis er bewusstlos liegen bleibt. Dann hievt er ihn in einen Rollstuhl und macht ihn zurecht. Dann zum Publikum gewandt.

 

Cyborg:

Das ist es:

so sieht es aus, gewöhnen Sie sich daran.

Sie, die Sie den Mut hatten, ihn nicht zu verstecken —

oder eher nicht bereit waren, sich selbst in den Ring zu schmeißen.

Der dein Tod gewesen wäre, mit Sicherheit.

Der Mann erwacht im Hintergrund langsam aus seiner Bewusstlosigkeit. Der Cyborg geht zu ihm hin.

 

Mann:

Ich will …

der Cyborg schlägt ihn

Mann:

Ich werde …

der Cyborg schlägt ihn

Mann:

Du darfst …

der Cyborg schlägt ihn

Mann:

Meine liebe Frau.

Stille

Cyborg:

Ja.

Mann:

Was willst du von mir?

Cyborg:

Wie schön du bist. Ich würde dir gerne helfen.

Mann:

Wie willst du mir helfen, wenn du mich immer schlägst?

Cyborg:

Du hast Recht, es tut mir ehrlich leidund ich verspreche dir, dass ich es nie wieder tun werde.Du bist ja das einzige, was ich habe.

Mann:

Ich danke dir.

Cyborg:

Aber jetzt werde ich mich erstmal um dich kümmern.Du siehst ja schrecklich aus.Ich werde wieder einen richtigen Mann aus dir machen, mein Schatz.

Der Cyborg beginnt, sich liebevoll um den Versehrten zu kümmern und reinigt seine Wunden.

 

Mann:

Mir fehlt meine Frau.

Cyborg:

Mir nicht.

Mann:

Du hast sie ja auch nicht gekannt.

Cyborg:

Nein, ich glaube nicht. Wie war sie denn?

Mann:

WAR, wieso war?

Cyborg:

Erzähl es mir.

Mann:

Ist sie denn nicht mehr? Hast du sie umgebracht?

Cyborg:

Erzähle mir von deiner Frau.

Mann:

Du hast das getötet, was mein war.Das einzige, was mein war.Und nun soll ich mit dir sein, du Ungeheuer.Du willst wissen, was sie war?Also gut: sie ist alles, was du nie sein kannst.Sie ist bildhübsch, ist empfindsam.Sie ist mein Augenstern.Sie inspiriert mich, sie ist für mich da.Sie wartet auf mich, solange es dauert.Ich kann ihr alles sagen.Ich werde sie immer beschützen und für sie da sein.Sie ist die Mutter meiner Kinder.Sie darf alles, was sie will, und dafür bewundert sie mich.Sie ist meine große Liebe,die einzige Liebe,sie ist meine Wahl und nicht du.

Der Cyborg schlägt den Mann

Mann:

Du hast versprochen, mich nicht mehr zu schlagen.

Cyborg:

Ja, ich weiß, es tut mir furchtbar leid.Und ich verspreche dir, ich werde es sicher nicht wieder tun,denn das ist das Einzige, was ich nicht möchte.Ohne dich wäre ich allein.

Mann:

Hast du meine Frau umgebracht?

Cyborg:

 

Mann:

Hast du meiner Frau das Leben genommen?

Cyborg:

 

Mann:

Hast du meine Frau auf dem Gewissen?

Cyborg:

Ja.

Mann:

Ich wusste es, insgeheim habe ich es immer gewusst, die ganze Zeit: du bist Ungeheuer.

Cyborg:

Erzähl mir von deiner Frau.

Mann:

 

Cyborg:

Sag mir, wie sie ist.

Mann:

 

Cyborg:

Nenn mich: meine liebe Frau.

Mann:

Niemals.

Der Cyborg geht auf den Mann zu.

Dunkel

 

Cyborg:

Guten Morgen.

Mann:

Guten Morgen, meine liebe Frau.

Cyborg:

Wie geht es dir heute, mein Liebster?

Mann:

Ich weiß es nicht.

Cyborg:

Hast du wieder schlecht geträumt?

Mann:

Ich glaube …seit Tagen schon kann ich schlecht schlafen.

Cyborg:

Oh, das tut mir leid.Ich schlafe tief und fest, traumlos.Vielleicht bekomme ich deshalb nichts von deinen nächtlichen Qualen mit,aber jetzt habe ich dich ja wieder.Das ist ein wunderbares, unvorstellbar schönes Gefühl, mein Schatz.

Mann:

Ja.

Cyborg:

Du weißt, ich muss gleich arbeiten …Das tägliche, alltägliche Tagwerk — lacht.Jetzt schau doch nicht so traurig.Ich werde bald wieder hier sein.Ich mache das alles ja nicht für mich alleine, das weißt du doch.

Mann:

Ja, ich weiß.

Cyborg:

Ich habe den Verdacht, du verstehst mich nicht.Eigentlich solltest du doch stolz auf mich sein.Jeden Tag, jeden beschissenen Tag kümmere ich mich um dich, ich helfe dir, wo ich kann — und was bekomme ich dafür?Noch nicht mal etwas Dankbarkeit.

Mann:

Ich bin dir dankbar.

Cyborg:

So gefällst du mir,mein kleiner böser Junge.Nur weil du einen schlechten Traum hattest, musst du doch nicht so ungeheuer außer dir sein.Du weißt, ich liebe dich so wie du bist.Nun muss ich aber wirklich gehen,es gibt neue Arbeit für mich.

Mann:

Bitte bleib.

Cyborg:

Du weißt, ich muss gehen.

Mann:

Ich habe Angst.

Cyborg:

Wovor hast du denn Angst?

Mann:

Dass ich alleine sein werde.

Cyborg:

Ich komme doch wieder.Ich werde dich nie verlassen,ich weiß doch, dass du mich so sehr brauchst,vielleicht noch mehr als ich dich,denn du bist doch mein lieber Mann.

Mann:

Ja.

Der Cyborg verlässt die Bühne, der Mann fährt mit dem Rollstuhl auf der Bühne herum, dann zum Publikum.

 

Mann:

Wissen Sie, was das Schwierige an dieser Situation ist?

Wir sind alleine gelassen miteinander.

sehr lange Stille

Der Cyborg kommt wieder.

 

Cyborg:

Hallo, mein Liebster, wie war dein Tag?

Mann:

Lass mich allein.

kleine Stille

Cyborg:

Ich habe dir übrigens was mitgebracht.

Stille

Mann:

Ich bin aber noch nicht fertig.

Cyborg:

Ach Gottchen …

Mann:

Ich möchte nicht, dass du der Bestimmer bist.

Cyborg:

Ich bin doch kein Bestimmer.

Mann:

Ich will, dass du mich liebst,so wie ich bin.

Cyborg:

Und was wäre das?

Mann:

Siehst du, das meine ich …Aber ich weiß, dass ich Recht habe, auch Rechte habe,darum bitte ich dich …

Cyborg:

Ach ja, ich verstehe. Und ich, wer bin ich in deiner Märchenwelt? Bin ich das böse Ungeheuer?

Mann:

Irgendwie schon. (das ist doch offensichtlich)

Cyborg:

lacht fürchterlich — dann:Na gut, weißt du was? Dann gebe ich dir doch, was du willst.Mach doch, was dir gefällt.Von mir aus darfst du das gerne machen,ich werde dir dann aber nicht helfen können,solltest du vom Weg abkommen und dich verlieren.

Mann:

Ich will dir doch nichts wegnehmen, sondern nur einen Anteil haben.

Cyborg:

Ist ja gut. Ich erlaube es dir.

Mann:

Du musst doch wissen, was ich meine?!

Cyborg:

Hast du mich nicht gehört?Du darfst alles machen, was du willst.Vor mir musst du keine Angst haben.

Stille

Mann:

Was hast du denn für eine Überraschung für mich?

Cyborg:

Ist doch egal.

Mann:

Nein, sag es mir doch.

Der Cyborg holt eine kleine Schachtel aus einer Tüte und gibt sie dem Mann.

Mann:

Du hast mir einen Hamster mitgebracht?

Der Cyborg nimmt den Hamster und schmeißt ihn an die Wand.

 

Cyborg:

Siehst du?

Ich wusste es,

du bist einfach nie zufrieden.

Ich wollte, dass du nicht so alleine bist,

aber du willst ja nun alles selbst entscheiden.

Ich mache den Weg frei,

also keine Angst, nur zu.

Stille

Cyborg:

Bist du noch böse?

Mann:

Ich glaube nicht.

Cyborg:

Du weißt, es tut mir furchtbar leid, das mit dem Hamster.

Mann:

Ja, ich weiß.

Cyborg:

Wenn du magst, besorge ich noch heute einen Neuen.

Mann:

Oh bitte nicht, es muss ja auch so gehen!

Cyborg:

Aber ich würde ihm nichts tun, du weißt doch, ich kann mich zurückhalten.Das weißt du doch.

Mann:

Ja, ich weiß.

Cyborg:

Du siehst müde aus.

Mann:

Ja, ich bin fast erschöpft.

Dunkel

 

Cyborg:

Wie wäre es, wenn ich mir deine Seele raube

und wenn der Narr dann kommt und tut wie ihm

befohlen, dann hat er deinen Anfang wohl

am Ende schon gestohlen —

Er nimmt das d und schluckt es wohl als reife Traube —

zurück dann bleibet

eine Seele nur

die groß und stark

durch Narren Tat

die andere gefressen hat —

ich liebe dich

ich liebe mich

ich liebe ich

ich liebe ich

… … …

Hell

 

Mann:

Guten Morgen.

Cyborg:

Guten Morgen.

Mann:

Wie hast du geschlafen?

Cyborg:

Wunderbar, ich habe herrlich geträumt.

Mann:

Ich auch,erzählst du mir von deinem Traum?

Cyborg:

Ich würde so gerne, so schrecklich gerne, aber ich denke nicht, dass ich das kann, so dass du es verstehen würdest.

Mann:

Versuch es doch, ich bin sicher, dass ich verstehe.

Cyborg:

Also: Es geht irgendwie um einen Clown … nein, ein Narr, ja, und der klaut, glaube ich, irgendwas.

Mann:

Ok, ich verstehe schon.Scheint einfach ein ganz alltäglicher Clowntraum zu sein, oder?

Cyborg:

Nein, es geht nicht darum.

Mann:

Um was geht es denn dann?

Cyborg:

Ich weiß es nicht.Um uns vielleicht?!

Mann:

Also um dich und mich.Und ich war bestimmt wieder das Ungeheuer!

Cyborg:

Nein, nein, darum ging es nicht, es ging … es ging … um mich.

Mann:

Du warst ein Clown??

Cyborg:

Nein, ich weiß nicht, wer der Clown … der Narr war … oh Gott.

Mann:

Ich bitte dich, gib dir Mühe, das kann doch nicht so schwer sein.

Cyborg:

Ist es aber.

Mann:

Ich bitte dich.

Cyborg:

Ich gebe mir doch Mühe!

Stille

Cyborg:

Es bleibt immer mein Traum,

keine Ahnung,

ein Traum.

Mann:

Ja, immer geht es nur um dich.Nur um deinen Traum.Dabei wäre es so einfach, mit mir zu reden,ich bin doch kein kompliziertes Wesen.Aber nein, du willst, was dein ist, nicht mit mir teilen,noch nicht mal einen kleinen, mickrigen, popeligenund vor allem gefickten Traum.

Cyborg:

Es tut mir leid, ich wusste, es würde nicht gehen,aber Gott sei Dank sind wir noch nicht ganz verloren.

Mann:

Wie meinst du das?

Cyborg:

Erzähle mir doch einfach deinen Traum.

Mann:

……

Der Cyborg sieht den Mann lange an, dann schlägt er den Mann bewusstlos, schaut ins Publikum und verlässt die Bühne. Auf der Bühne bleibt der bewusstlose Mann im Rollstuhl.

Der Mann wacht auf, er rollt zum Spiegel, der zu hoch ist für ihn. Er schaut ins Publikum, dann laut:

 

Mann:

Ich bin noch nicht bereit mich zu verlieren!Ich fordere meine Rettung ein, und zwar von Ihnen.Lassen Sie sich bitte was einfallen.

Stille

Nie wird es sich ändern.

Stille

Der Mann rollt zurück zu dem Spiegel. Dann beginnt er sich einen Cyborganzug zu bauen, aus dem Gestänge des Rollstuhls.

zum Publikum

 

Mann:

ich habe Angst

und nur die Hoffnung bleibt

das alles was jetzt ist

im Wesen bleibt —

doch mag es sein

das selbst das letzte Seil

das man auf seinem Weg

gesponnen hat zerreißt —

und taumelt man dann ewiglich allein

dem Abgrund zu

der dich verschlingt

und lacht

da du geglaubt es wäre

ein Neues zu finden

da alles alte sterben muss —

so wie jetzt du

und sie

und …

ich

und

ich

habe Angst, so sehr —

Der Cyborganzug ist fertig gebaut.

Kurz dunkel, dann zu zweit.

 

Cyborg:

Wer bist du?

Cyborg:

Wer bist du?

Stille

Cyborg:

Ich bin noch immer derselbe.

Cyborg:

Ich doch auch.

Stille

Cyborg:

Aber ich bin einzigartig.

Cyborg:

Ich auch.

Stille

Cyborg:

Ich bin ich.

Stille

Stimme aus dem Lautsprecher

 

Lautsprecher:

Ich bitte um Ihre ungeteilte Aufmerksamkeit: zu Beginn wird der letzte und einzige Job der Welt für Sie exklusiv angeboten. Sie haben eine fundierte Ausbildung, besitzen Erfahrung im Auslandsgeschäft oder im Inlandsgeschäft. Besonderen Wert legen wir auf Ihr Akquisitions- und Verhandlungsgeschick, sowie auf Ihr überzeugtes Auftreten. Sie haben gute Sprachkenntnisse. Teamfähigkeit oder selbständig eigeninitiatives, verantwortungsvolles, zielorientiertes Durchsetzungsvermögen sind weitere Eigenschaften, die Sie auszeichnen. Sie arbeiten sorgfältig/akkurat ohne akribisch zu sein, auch in hektischen Situationen wirken Sie nicht leidenschaftslos. Sie sind belastbar und besitzen eine schnelle Auffassungsgabe und Sie können sich schnell in neue Aufgabengebiete einarbeiten.Haben Sie ein Hochschul- oder Fachhochschulstudium? Können Sie sich schnell in neue und umfangreiche Aufgabengebiete einarbeiten? Sind Sie in der Lage, sich auf wechselnde Gesprächspartner einzustellen?Bringen Sie überdurchschnittliches Engagement und regionale Mobilität mit?Sie zeichnen sich durch eine hohe Leistungs- und Einsatzbereitschaft aus und sind überdurchschnittlich motiviert. Sie denken unternehmerisch und sind zielorientiertes Arbeiten gewohnt. Kommunikationsstärke, Flexibilität und der Blick für das Wesentliche runden Ihre Persönlichkeit ab. Sie haben anspruchsvolle Ziele, treffen selbstständig Entscheidungen und wollen Ihre Ideen verwirklichen. Sie sind aufgeschlossen, kontaktfreudig, arbeiten gerne mit Menschen, überzeugen durch ein sicheres Auftreten und eine fundierte Argumentation. Eine abwechslungsreiche und flexible Vertriebstätigkeit können Sie sich gut vorstellen. Damit Sie während Ihrer Ausbildung mobil sind, benötigen Sie einen Führerschein der Klasse B und einen Pkw oder ähnliches.

 

Sie sehen sich an.

Cyborg:

Ich liebe dich.

Sie beginnen zu kämpfen, mit steigender Intensität, keiner gewinnt!

Nach und nach stehen 10 bis 20 Männer und Frauen aus dem Publikum auf und rennen auf die Bühne und versuchen den Kampf zu entscheiden, einer nach dem anderen kommt um, bis eine große Zahl lebloser Körper auf der Bühne liegt.

Wenn keine Menschen mehr kommen, verharren die Cyborgs kurz, schauen ins Publikum, dann beginnen sie wieder zu kämpfen.

Das Licht geht langsam aus bis man nur noch das Geräusch von aufeinander schlagendem Metall hört, dann wird auch dies leiser — ein Spot auf den toten Hamster, der lacht.

dann Dunkel

 

Ende

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