Shikoku – Der Kreis der 88 Tempel

Nach 2.500 Kilometern quer durch Europa und der Reizüberflutung Indiens folgt der dritte Teil meiner Reise.

Japan. Aber nicht das Japan der Neonreklamen und Hochgeschwindigkeitszüge.

Ich werde die Insel Shikoku umrunden.

1.200 Kilometer zu Fuß, vorbei an 88 Tempeln.

Der Weg ohne Ziel

Das Besondere am Shikoku Henro ist seine Form: Es ist ein Kreis.

Anders als der Jakobsweg, der auf ein Ziel – Santiago – zustrebt, führt mich dieser Weg einmal um die gesamte Insel herum. Er endet dort, wo er begonnen hat.

Vielleicht ist das eine Lektion, die ich nach Monaten des Unterwegs-Seins lernen darf: Dass Ankommen nicht bedeutet, an einem anderen Ort zu sein, sondern mit einem anderen Blick an den alten Ort zurückzukehren.

Und dass ein Kreis nicht weniger Weg ist – sondern ein anderer.

Leben, Sterben, Wiederkehren

Der Shikoku Henro wird oft als ein Weg durch Leben, Tod und Wiedergeburt verstanden. Nicht im wörtlichen Sinn, sondern als innerer Prozess.

Etwas geht zu Ende. Etwas darf sterben. Und etwas anderes kehrt verändert zurück.

Viele Menschen gehen diesen Weg in Übergangszeiten ihres Lebens – nach Verlusten, Brüchen oder Entscheidungen, die alles neu ordnen. Vielleicht ist es genau das, was mich an diesem Kreis so anzieht: die Vorstellung, nicht jemand anderes zu werden, sondern mir selbst noch einmal neu zu begegnen.

Die weiße Weste

Man nennt die Pilger hier „Ohenro“. Traditionell trägt man eine weiße Weste, die symbolisch für die Bereitschaft steht, jederzeit zu sterben – oder, weniger dramatisch: das alte Ego abzulegen.

Nach 18 Jahren Theater und Tausenden von Kilometern in den Knochen frage ich mich: Was von mir wird noch übrig sein, wenn ich diese weiße Weste überstreife? Wie viel „Rolle“ brauche ich dann noch?

Stille und Disziplin

Japan wird eine Herausforderung der anderen Art. Während Indien laut und chaotisch ist, erwarte ich in den Bergen von Shikoku eine tiefe, fast strenge Stille. Es geht um Rituale. Um das Stempeln des Pilgerbuchs, das Verbeugen an den Tempeltoren, das Finden eines Rhythmus, der nichts mehr mit dem Takt der modernen Welt zu tun hat.

Frühjahr 2027

Wenn alles nach Plan läuft, werde ich im Frühjahr 2027 dort sein. Zur Zeit der Kirschblüte – oder kurz danach, wenn das Grün der Wälder so intensiv wird, dass es fast weh tut.

Ich gehe diesen Weg nicht, um Tempel zu zählen. Ich gehe ihn, um zu sehen, was passiert, wenn die Bewegung zur Meditation wird. Wenn jeder Schritt nur noch eine Wiederholung des Vorherigen ist und darin plötzlich die Freiheit liegt.

Ich nehme dich mit in diesen Kreis. Auch wenn ich jetzt noch nicht einmal weiß, wie man „Danke“ auf Japanisch so sagt, dass es von Herzen kommt. Aber bis dahin ist ja noch Zeit.

Das sind natürlich alles nur Spekulationen und Vorstellungen von mir wie es sein könnte,aber auch das gehört dazu.

Am Ende ist doch immer alles anders als man es am Anfang dachte

Florian

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