Heute Morgen beim Frühstück habe ich Katrin kennengelernt, eine Frau aus Neuseeland, die jedes Jahr eine lange Wanderung unternimmt. Sie war auch schon in Indien und Japan. Nun sind ihre letzten zwei Tage angebrochen und sie sagt, dann müsse sie wieder zurück in ihr „normal life“. Ich lache ein bisschen, aber sie findet es wirklich hart. Sie sagt, jedes Mal, wenn sie zurückkommt, dauert es richtig lange, bis sie sich wieder an das Leben gewöhnt hat. Sie meint, unterwegs kommt man mit so wenig zurecht und ist nur auf das Wesentliche konzentriert, und plötzlich reden wieder alle und beschäftigen sich mit unwichtigen Dingen.
Als ich dann loslaufe, muss ich auch noch ein bisschen darüber nachdenken. Ich habe jetzt schon so oft geschrieben, wie schön es ist, morgens loszulaufen, wenn die Sonne gerade aufgeht. Und tatsächlich hat man so etwas zu Hause eher selten. Auch wenn man es sich vornimmt, steht man dann doch nicht früh auf. Und wenn, dann geht man meistens an die Orte in seiner Stadt, die man sowieso schon kennt. Auch die Momente, in denen es vollkommen still ist auf dem Weg und man nur die Natur hört – daran kann ich mich eigentlich die letzten paar Jahre nicht erinnern. Oft hört man doch immer noch die ferne Autobahn oder ein Flugzeug, das über einen hinwegfliegt. Ich würde es jetzt nicht als besser beschreiben, aber es ist eine Farbe, die man sonst in seinem Leben vielleicht nicht hat. Und das empfinde ich schon auch als bereichernd.
Außerdem mag ich es, dass mit jedem Schritt etwas Neues auf einen zukommt, und mir ist es eigentlich egal, ob die Landschaft jetzt spektakulär ist oder ich vielleicht drei Stunden an einem Kanal entlanglaufe. Ich habe immer das Gefühl, vorwärtszugehen und nie im Kreis. Mittags mache ich in einem kleinen Städtchen eine Pause mit meinem üblichen Käse-Salami-Baguette und da kommt plötzlich Richard, der 81-Jährige, den ich schon vor eineinhalb Wochen getroffen habe. Er kann noch weniger Französisch als ich. Irgendwie sind gerade die Unterkünfte ziemlich voll und er ist ein bisschen verzweifelt, weil er noch einen Freund zu Besuch hat, der leider ganz schön mit dem Weg und der Hitze zu kämpfen hat. Außerdem hat er für die nächsten drei Tage überhaupt keine Unterkunft und jetzt wartet er darauf, dass das Tourismusbüro aufmacht, damit man ihm dort vielleicht eine Unterkunft reservieren kann.
Und irgendwie, weil man sich auf dem Weg hilft, frage ich, wo er denn hinwill die nächsten Tage. Dann nehme ich mein Telefon und beginne herumzutelefonieren. Ein bisschen bin ich mit Richard zusammen der Einäugige unter den Blinden, denn wenigstens die eine Phrase, die mir eine Unterkunft sichert, kann ich ganz gut. Stotternd wende ich sie auf zwei Personen an. Und in einer Dreiviertelstunde haben wir für Richard und seinen Kumpel Deadly – lustiger Name übrigens für jemanden, der nicht mehr kann – drei Unterkünfte reserviert.
Morgen schlafen wir sogar zusammen in einer Unterkunft. Und vielleicht versuchen wir dort, für die beiden auch die restlichen Tage zu reservieren. Er will mich auf jeden Fall auf ein „German Beer“ einladen. Er bleibt in dem kleinen Städtchen und ich laufe die restlichen 6 km zu meiner Unterkunft. Heute finde ich sie ein bisschen trostlos, muss ich sagen. Aber das gehört ja auch dazu. Außerdem ist es nicht schlimm, denn morgen laufe ich einfach weiter.
Schön, dass du dabei bist, Florian
Bilder des Tages
Da bin ich
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Ich feiere dich so sehr, dass du dir die Zeit im Leben nimmst, dies alles zu erleben – und das so gut schaffst! Die Bilder und Berichte sind für mich zur Zeit – nach langen und anstrengenden Arbeitstagen – zu treuen Begleiterinnen geworden. Sie ermöglichen mir Innehalten, zur Ruhe kommen, staunen und freuen. Danke dafür und weiterhin bon courage und buen camino!
Liebe Grüße aus dem Rheinland
Ja, genau so ist es! Danke.
du bist immer an meiner Seite
Danke dir – das ist eins der schönsten Dinge, die man einem sagen kann: dass die Bilder abends bei dir Ruhe machen. Dann laufe ich morgen ein Stück auch für dich. Liebe Grüße zurück ins Rheinland, von einem, der es gerade sehr weit weg weiß.
Jetzt hast Du auch noch Pfadfinderpunkte gesammelt!
German beer mehr als verdient!
❤️
hahah ja siehst du mal umtriebig ;)))