Pierre

Ich bin jetzt an einem Punkt auf dem Jakobsweg angekommen, an dem man merkt, dass man sich unbewusst in einer Gruppe von Leuten befindet. 
​Denn an jedem Café und jeder Unterkunft trifft man jetzt jemanden, den man schon vor ein paar Tagen oder erst gestern getroffen hat. 
​Heute zum Beispiel bin ich Pierre begegnet, der immer dazu sagt, dass es auf Deutsch Peter heißt.
​Er hat vor 17 Jahren eine große Firma gegründet und jeden Tag und jede freie Stunde daran gearbeitet. Jetzt hat sie 500 Mitarbeiter und macht 100 Millionen Umsatz. Vor 7 Jahren ist dann ein Geschäftspartner dazugekommen und irgendwie ist er dann aus der Firma gedrängt worden, das heißt, aus der Leitungsebene. Man merkt ihm seine Enttäuschung und seinen Frust auch noch an. Aber dann ist er einfach losgelaufen und er meint, dass er das erste Mal seit 17 Jahren über andere Dinge als die Firma nachdenkt. Am Abend sehen wir uns immer gleich in der Unterkunft wieder. Also gehen wir zusammen noch ein Bier trinken. 
​Und er sagt, er hätte mich gerne früher auf dem Jakobsweg getroffen. 
​Eigentlich wollte er mal Sänger werden, sagt er mir, nachdem ich ihm erzählt habe, dass ich Schauspieler bin.
​Und dann fängt er wirklich an, ein französisches Chanson zu singen.
​Es ist sehr schön und es scheint ihn selber auch anzufassen, denn er hat Tränen in den Augen. Danach lacht er sie aber einfach weg.
​Ich hätte ihn auch gerne früher auf dem Jakobsweg getroffen. Aber das heute war ein sehr besonderer Moment. Und jeder hat wohl einen Grund, warum er geht, auch wenn er ihn nicht weiß. 
​Ist vielleicht auch nicht wichtig, ihn zu wissen.
​Wichtig ist nur, dass man losgegangen ist.
​Schön, dass du dabei bist.
​Florian

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1 Kommentar zu „Pierre“

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