Weiter geht es

Nach meinem Pausentag habe ich heute nur eine kurze Etappe vor mir: 24 km. Aber irgendwie bin ich trotzdem um 6:30 Uhr wach. Also packe ich alles zusammen, und um 7:00 Uhr stehe ich vor der Haustür und laufe los. Es beginnt gleich mit einem sehr steilen Berg nach oben, nachdem man über eine wirklich schöne mittelalterliche Brücke gelaufen ist. Ich merke wieder, wie gerne ich morgens unterwegs bin – alles ist noch so frisch und unberührt. Ich glaube, der Pausentag hat meinen Beinen gar nicht schlechtgetan. Jedenfalls fühlt es sich heute überhaupt nicht wie Laufen an, sondern wie Schweben – kleiner Scherz. Natürlich fühlt es sich wie Laufen an, aber es geht wirklich leicht von der Hand. Auch scheine ich irgendwie mit dem Sommer mitzuwandern. Denn heute werden es schon wieder 31 Grad und morgen vielleicht sogar noch mehr. Aber seit ich die 40 Grad vom Anfang hinter mir habe, macht mir das jetzt alles nichts mehr aus.

Nach dreieinhalb Stunden bin ich auch schon wieder bei einer kleinen Pausenhütte angekommen. Épicerie, wie es hier in Frankreich heißt. Das sind eigentlich so Tante-Emma-Läden, die alles haben, was ein normaler Supermarkt auch hat. Nur halt viel teurer, und sie sind so die Grundversorgung für die kleinen Dörfchen. Heute kaufe ich mir das erste Mal seit Langem wieder ein frisches Baguette und eine richtig leckere Salami. Und nachdem ich jetzt schon lange keine mehr gegessen habe, muss ich sagen, sie schmeckt richtig, richtig gut. Da treffe ich auch eine schwedische Dame, die ein bisschen verzweifelt ist, dass kein anderer Schwede auf diesem Weg läuft. Ich tröste sie ein bisschen damit, dass ich auch sehr wenige Deutsche treffe, und sie sagt, sie hätte schon einen gesehen. In der Tat sind hier einfach über 80 % Franzosen. Sie meint, sie würde so gerne mal mit jemand anderem Schwedisch sprechen. Natürlich spricht sie mit ihrem Mann, aber den würde sie ja nun schon kennen, und mit dem kann sie ja jeden Tag Schwedisch sprechen. Das finde ich allerdings ein bisschen lustig.

Dann geht es weiter. Ich laufe zwei Stunden. Und eine Dreiviertelstunde vor meinem Ziel baue ich mir meine Hängematte auf und mache noch mal ein entspanntes Päuschen. Dort fange ich an, eine kleine Geschichte zu schreiben. Vielleicht ist sie morgen oder übermorgen fertig. Dann wird abgebaut, und um 15:00 Uhr bin ich dann auch schon angekommen. Es ist eine wirklich unglaublich hübsche Unterkunft in einer Kirche. Ich kaufe mir noch ein Eis und eine leckere Cola, und dabei bemerke ich, dass ich nur noch 53 € habe – stimmt nicht, denn nach Cola und Eis habe ich nur noch 48 €. Jetzt habe ich ein bisschen Panik, aber es gibt hier auch keinen Geldautomaten. Also schnell zu meiner Unterkunft, und zum Glück kostet meine Unterkunft mit Abendessen und Frühstück, was ich ja reserviert hatte, 46 €. Puh, das war ganz schön knapp. Jetzt habe ich noch 2 €, aber angeblich kommt morgen in 10 km ein Geldautomat – wollen wir das hoffen.

Dann setze ich mich noch in den Garten, nachdem ich meine Wäsche gewaschen habe, und schreibe an meiner Geschichte weiter. Ach, und ich habe heute übrigens in dem Dorf den 81-Jährigen vom Anfang wiedergetroffen. Allerdings schläft er in einem Kloster, weil in diesem Örtchen kein Platz mehr war. Irgendwie füllt sich jetzt doch der Weg – zwar nicht unterwegs, aber doch an den einzelnen Haltepunkten. Ich habe meinen freien Tag übrigens gestern dafür genutzt, um den ganzen Weg bis Saint-Jean-Pied-de-Port durchzureservieren, weil einige jetzt schon keinen Platz mehr bekommen haben. Hat auch alles gut geklappt, und jetzt muss ich mich um nichts mehr kümmern, sondern nur noch laufen. Bin schon gespannt, was es zu essen gibt. Da mache ich natürlich noch ein Foto von – vielleicht, wenn es nicht zu peinlich wird.

Schön, dass du dabei bist.

Florian!

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5 Kommentare zu „Weiter geht es“

  1. Hallo Florian, die Brücke mit den Türmen, die ersten Fotos von gestern, erinnern mich stark an Game of Thrones 😉
    Du machst tolle Fotos!
    Danke fürs mitnehmen!
    Claudia aus Bad Münstereifel

  2. Traumhaft schöne Brücke!
    Ich habe kurz mitgefiebert, ob Du Deine Unterkunft bezahlen kannst. Puh. Was ein Glück! Beinahe wäre es wegen Cola und Eis schief gegangen. 😉😅

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