: Du

Ich stehe unten am Hügel. Er ist genau vor mir und ein Weg führt endlos lang auf ihn hinauf. Die Himmelsrichtung kann ich nicht bestimmen; ob es Norden, Süden, Osten oder Westen ist – unmöglich zu sagen. Selbst der Himmel hat sich verabschiedet und ein Nebel verschluckt den Rest der Welt.

Dann öffnet sich ein Tor da, wo sich der Weg im Nebel verliert. Winzig klein erst, größer werdend dann und schärfer.

Das wachsende Tor kommt näher und aus seiner Unschärfe morphen Umrisse eines Dings, vielleicht eines Wesens, dann ein erster Ton: zweifaches Klicken immer wieder, gefolgt von abbremsendem Schlurfen, Stöhnen, Atmen. Es ist kein Tor. Ein Ding. Das lebt — noch.

Mit vier Beinen, ein Paar insektengleich wie die Fänge einer Spinne, die Giftzähne einer Schlange schlagen klickend in den Weg und ziehen ein anderes Paar , ein Paar aus ungeformtem Fleisch, den Weg herab und auf mich zu.

Mein Grauen wächst, als ich die große Beule auf seinem gebeugten Rücken sehe. Nein, es ist ein Parasit.

Festgeklammert, wie angesaugt auf dem Ding, das schleppt.

Verbunden sind die zwei durch einen Schlauch und unablässig pumpt der Parasit ins Ding.

Das schleppt sich stöhnend, stumm an mich heran und immer dieses Klicken, das sich mir ins Hirn reinzwängt.

Jetzt ist es neben mir. Kein Blick vom Ding, nur ein Geruch.

Süßlich und gerade deshalb schlimm, als wenn man sich mit einem Finger durch pilzbefallene Zehen streift und ihn noch feucht an seine Nase hält.

Ein Würgen kurz, ein Hoffen, dann ist das Ding vorbei und geht in den Nebel klickend weiter, und immer dieses Schlurfen.

Ich weiß, ich sollt es ziehen lassen, doch meine Neugier ist zu groß.

Ich drehe mich um und ruf das Ding:

„Was bist du, Ding?“

Dann Stille. Das Klicken hat aufgehört, nur grauenhafte Stille.

Es dreht sich um, das Ding, und statt eines Gesichts ein Spiegel ,hohl, in dem ich mich verzerrt und fratzenhaft erkenne.

Ein Pilger bin ich.

Du.

Es dreht sich um, das Ding.

Dann Klicken.

Und kleiner wird das Tor zum Punkt,

bis ich alleine in den Nebel starre.

Hätte ich doch nie gefragt!



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