Ich habe meiner elfjährigen Nichte eine WhatsApp geschrieben.
Ich habe sie gefragt, was sie mitnehmen würde, wenn sie drei Wochen allein mit einem Rucksack unterwegs wäre. Und warum.
Nicht wohin.
Nicht wie.
Nur: Was – und warum.
Ich habe ihr gesagt, dass ich gerade genau dasselbe mache.
Und damit komme ich zu etwas, um das ich die ganze Zeit herumdrücke:
die Packliste.
Ich habe ein ambivalentes Verhältnis zu Packlisten.
Einerseits sind sie nützlich.
Andererseits sind sie unfassbar nerdig – und irgendwie das genaue Gegenteil von ich lauf einfach mal los.
Und ehrlich gesagt: Es gibt hunderte Packlisten da draußen, die alles genauer, ordentlicher und vollständiger erklären können, als ich es jemals könnte, ohne vor Ungeduld und Langeweile zu sterben.
Was mich aber wirklich beschäftigt, ist nicht die Frage, was man braucht,
sondern wofür.
Wenn ich an das denke, was ich mitnehmen will, denke ich nicht an Ausrüstung.
Ich denke an Glück.
Oder besser gesagt: an glückliche Momente.
Ich möchte mich unterwegs zuhause fühlen.
Man könnte es Luxuspilgern nennen.
Natürlich versuche ich, Gewicht zu sparen.
Aber nicht, um so wenig wie möglich mitzunehmen –
sondern um so viel wie möglich mitzunehmen.
Auf keinen Fall will ich so ein ultraleichter Nerd werden.
Und irgendwie bin ich wohl auch kein Pilger der Askese.
Also ist die eigentliche Frage nicht:
Was ist sinnvoll?
Sondern:
Was brauche ich für dieses Zuhause-Gefühl, wenn ich drei Monate unterwegs bin?
Ein Zelt, natürlich.
Und hier ist es.
Warum ich es gekauft habe?
Ja, es ist superleicht.
Aber vor allem ist es ein Zweipersonenzelt.
Ich komme mir nicht vor, als würde ich in einem Sarg liegen.
Durch das Moskitonetz kann man den Himmel sehen.
Und irgendwie sieht es auch einfach schön aus.
Als Nächstes: meine Isomatte.
Sie ist leicht.
Aber vor allem ist sie blau.
Und dick.
Und sie hat einen Pumpsack – was nerdig ist, aber auch irgendwie lustig.
In der Mitte hat sie eine Alu-Isolierschicht.
Und ich stelle mir vor, wie ich auf dieser knisternden blauen Matte liege,
durch das Moskitonetz in den Nachthimmel schaue
und es dann bestimmt anfängt zu regnen.
Apropos Regen.
Regenjacke oder Regenponcho – keine Ahnung.
Eigentlich hasse ich Ponchos.
Man sieht darin immer irgendwie blöd aus.
Und es hat so gar nichts von wilder Freiheit.
Aber diesmal will ich ihm eine Chance geben.
Man kann ihn über den Rucksack ziehen,
er schützt gleichzeitig das Gepäck
und er hat sogar so etwas wie Ärmel.
Trotzdem: ein bisschen blöd bleibt er.
Und nun zum Wichtigsten: den Schuhen.
Dazu eine kleine Anekdote.
Ich bin vor vielen Jahren einmal Luftlinie von Amsterdam nach München gelaufen.
Mit einem TomTom.
Ich hatte 15 Kilo auf dem Rücken – der absolute Tod.
Nach zwei Tagen hatte ich die Blasen der Hölle an den Füßen.
Das führte dazu, dass ich zwei Tage im Wald schlafen musste
(ja, Luftlinie),
weil ich vor Schmerzen nicht weiterlaufen konnte.
Was Fingernägel auf der Tafel für die Ohren sind,
das sind offene Blasen in zu engen Schuhen für die Füße.
Seitdem habe ich panische Angst vor Blasen
und tue alles, was mir irgendjemand dazu rät.
Das hier sind also meine Schuhe.
Wie man sieht, haben sie viel Raum für die Zehen.
Was sie ziemlich hässlich macht.
Und auch ein bisschen waldorfmäßig.
Auf der anderen Seite haben sie null Sprengung.
Was das ist, wusste ich auch lange nicht.
Sie sind nicht wasserdicht.
Und paradoxerweise finde ich das praktischer, als es klingt.
Wenn du sechs oder sieben Stunden am Tag unterwegs bist und es regnet,
werden deine Füße sowieso nass –
egal ob Gore-Tex oder nicht.
Der Unterschied:
In wasserdichten Schuhen kommt wenig Wasser rein
und noch weniger wieder raus.
Sie trocknen gefühlt hundert Jahre.
Ach ja.
Und die Sohlen fühlen sich an,
als würde man auf sehr hartem Marshmallow laufen.
So das soll es erstmal gewesen sein für den Anfang.
Und was meine Nichte betrifft…
Ich warte noch auf ihre Antwort.
Vielleicht packt sie Dinge ein,
an die ich nie gedacht hätte.
Und vielleicht ist genau das der eigentliche Luxus.

Auf jeden Fall muß man ein Schweizer Taschenmesser einpacken.
Es reicht das mit dem Messer, dem Flaschenöffner und dem Korkenzieher.
Und weil ich das mit den Blasen so sehr gut kenne, auf jeden Fall Blasenpflaster.
Einen Thermobecher und so ein megacooles „Camp-A-Box Complete Essgeschirr Set“, zu dem auch ein ultranerdiges Löffelgabelmesser gehört.
Und irgendwas, womit man morgens, auf der Isomatte sitzend und in den Himmel schauend, auch unterwegs problemlos frischen Kaffee kochen kann.
Den MiniAquarellkasten und einen kleinen Skizzenblock.
Statt Tagebuch, Fotoapparat und EBookreader reicht ja auch das Handy.
Und ein Ersatzhandy!!! ( 🙂 )
Und zwei richtig fette Powerbänke. Mindestens aber eine.
ich denk mal noch ein bißchen drüber nach.
Mir fällt bestimmt noch was ein.
(Ich LIEBE übrigens Packlisten. Damit, sie zu schreiben, fängt irgendwie der Urlaub schon an. 😉 )