Gestern war einer dieser Tage, an denen alles schwer ist.
Nicht dramatisch. Einfach zäh.
Der Körper müde, der Kopf voll, nichts in Bewegung.
Ich kenne diesen Zustand gut.
Und ich kenne auch die Lösung.
Schon lange.
Auf meinem ersten Jakobsweg hatte ich einmal dieses ganz klare innere Wissen:
Wenn ich jemals wirklich unten bin, wenn es dunkel wird –
dann muss ich nur loslaufen.
Gehen wird mich da rausholen.
Das wusste ich.
Und trotzdem war es gestern wieder schwer, die Tür zu öffnen.
Ich habe gewartet.
Ein bisschen noch sitzen.
Ein bisschen noch denken.
Als würde es sich von allein leichter anfühlen.
Tat es nicht.
Also bin ich los.
Nicht, weil ich motiviert war.
Sondern weil Stillstand nichts mehr gebracht hat.
Und wie so oft:
Nach ein paar Minuten war etwas anders.
Nicht gelöst. Nicht gut.
Aber im Fluss.
Der Atem ruhiger.
Der Blick weiter.
Der Körper wieder da.
Ich merke, wie oft ich im Leben auf dieses leichte Gefühl warte.
In Beziehungen.
In Entscheidungen.
Im Alltag.
Aber das Gefühl kommt fast nie vorher.
Es kommt, wenn man schon unterwegs ist.
Freiheit fühlt sich in der Vorstellung leicht an.
In Wirklichkeit ist sie heiß, manchmal einsam, manchmal unangenehm.
Wie eine Strecke ohne Schatten.
Wie Moskitos am Abend.
Wie Müdigkeit, die man nicht wegdenken kann.
Und trotzdem:
Es ist echtes Leben.
Vielleicht geht es gar nicht darum, dass die Bewegung alles sofort löst.
Vielleicht geht es nur darum, nicht darauf zu warten, dass es sich leicht anfühlt.
Losgehen reicht.
Der Rest passiert unterwegs.
