Manchmal ist man einfach zu klein, um den ganzen Weg zu sehen. Man muss vertrauen. Loslaufen. Darauf vertrauen, dass aus all den Irrwegen und Teilstücken irgendwann ein Ganzes wird.
Diese Gedanken kommen mir, wenn ich die letzten drei, vier Monate Revue passieren lasse. Es begann nach den Sommerferien, mit dem Start der Spielzeit am Theater. Nach der Kündigung entstand dieser eine Wunsch: Kontrolle zurückgewinnen. Die eigene Zukunft wieder selbst in die Hand nehmen.
Die Suche nach dem „Was“
Also die große Frage: Was kann ich von mir aus anbieten – ohne Theater und trotzdem ganz bei mir bleiben? Die Gedanken überschlagen sich, eine Idee jagt die nächste.
Vielleicht ein Kochbuch? Oder etwas erklären – auf Instagram oder YouTube? Aber was eigentlich? Und warum sollte ausgerechnet ich derjenige sein, der anderen die Welt erklärt?
Der Technik-Tsunami
Noch bevor eine Idee richtig da ist, scheitert sie an der Umsetzung. Wie aufnehmen? Wie schneiden? Wie veröffentlichen? Ich beginne zu recherchieren – und werde überrollt.
- Canva lernen.
- CapCut lernen.
- Reels produzieren.
- Videos schneiden.
Es ist ein Tsunami aus Möglichkeiten, der eher lähmt als befreit. Ich stecke fest. Ich versuche, Programme neu zu lernen, um Inhalte zu erklären, die ich noch gar nicht habe. Von anderen Tools, in denen ich halbwegs sicher bin, ganz zu schweigen.
Stopp.
Vielleicht bin ich also nicht dafür gemacht, Influencer zu werden. Reich, berühmt, erklärend. Vielleicht muss ich etwas anderes tun.
Die Entscheidung für die Ehrlichkeit
Ich entspanne mich. Zum ersten Mal seit Wochen. Ich weiß: Die nächsten zwölf Monate ab Sommer 2026 werde ich nicht verhungern. Also entscheide ich mich für etwas Einfaches. Etwas Ehrliches.
Ich laufe los. Und ich teile den Weg.
Nicht perfekt. Nicht fertig. Sondern gehend. Gedanken, Zweifel, Alltag – das, was mir unterwegs begegnet. Und wer weiß – vielleicht entsteht unterwegs doch noch ein Erklärvideo. Vielleicht werde ich ja noch weltberühmter Erklärvideo-Influenza. (Man darf ja träumen.)
Teilen ist eigentlich ganz einfach, denke ich. Ein Online-Tagebuch reicht doch. Dafür braucht man nur WordPress. Man lädt es herunter – und steht wieder da. Zwischen Containern, Widgets und Inhalten. Und versteht nichts.
Der erste Schritt
Doch diesmal ist etwas anders. Ich weiß, was ich will. Ich will meinen Weg teilen. Nicht geschniegelt. Nicht strategisch. Sondern ehrlich. Also vertraue ich. Auch wenn ich keine Ahnung habe, wie aus all dem jemals ein Ziel werden soll.
Ich drehe mich vom Tsunami weg – und laufe los. Mitten hinein in Container, Contents und Widgets.
Und das Gute ist: Du liest diesen Text. Also hat es geklappt. Irgendwie. Manchmal ist man eben einfach zu klein, um den ganzen Weg zu sehen.
